> > > Antoni, Pietro Degli: 12 Sonaten op.4
Samstag, 24. August 2019

Antoni, Pietro Degli - 12 Sonaten op.4

Ein Höhepunkt früher Sonatenkunst


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Il Coro d'Arcadia überzeugt mit einer ausnehmend schönen und farbenreichen Einspielung von Pietro Degli Antonis Sonatensammlung op. 4 aus dem Jahr 1676.

Obgleich Pietro Degli Antoni (auch: Degli Antonii) eine Anzahl von Oratorien, Kantaten und Bühnenwerken hinterlassen hat, liegt die eigentliche historische Bedeutung seines Komponierens in den überlieferten Instrumentalwerken. Denn im Kontext des Aufkommens generalbassgestützter Streicherbesetzungen leistete der Komponist einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der noch nicht etablierten Gattungen von ‚Sonata da chiesa‘ und ‚Sonata da camera‘: Während Degli Antonis frühe Sammlungen mit Instrumentalstücken – die 'Arie, gighe, balletti, correnti, allemande e sarabande' op. 1 (1670) und die 'Balletti, correnti, & arie diverse' op. 3 (1671) – noch vorwiegend auf Tänzen und Kopien vokaler Formen basieren, betritt der Komponist spätestens mit seinen zwölf 'Sonate a violino solo con il basso continuo per l’organo' op. 4 (1676) musikalisches Neuland und führt – deutlich beeinflusst von seinen Erfahrungen im Umgang mit der menschlichen Stimme – eine ganze Reihe innovativer Elemente in die damals noch sehr junge Kammermusikgattung ein.

Die vom fünfköpfigen Ensemble Il Coro d’Arcadia (mit Alessandro Ciccolini, Violine; Alberto Guerrero, Violoncello; Franco Pavan, Theorbe; Francesco Baroni, Cembalo und Orgel; Vincenzo Allevato, Orgel) bei Brilliant Classics eingespielte Gesamtaufnahme wird dem Sonatenzyklus erfreulicherweise außerordentlich gut gerecht und nimmt durch einen überlegten Zugang für sich ein. Dies beginnt damit, dass sich die Interpreten von Anfang an auf das dialogische Prinzip besinnen: Der Bass fungiert nicht lediglich als harmonisches Fundament, sondern ist ein der Violine gleichberechtigter Duopartner, der mit der Oberstimme in mannigfaltigen dialogischen Situationen zusammentrifft – ein Ansatz, der (so in den 'Grave'-Sätzen der Sonaten III, IV und VI oder im 'Adagio' von Sonata XI) vielfach auch Degli Antonis Rückgriff auf rezitativische Elemente und dem damit verbundenen den Versuch, den Kompositionen eine die vokale Deklamation angelehnte Sprachnähe einzuschreiben, unterstützt. Vielfältig ist aber auch der klangfarbliche Zugang, der vor allem in den sorgfältig gestalteten Klanghintergründen der langsamen Sätze zum Zuge kommt.

Insbesondere Ciccolini gelingt es immer wieder, durch extrem zartes und weiches Spiel oder starke dynamische Zurücknahme, wie in den beiden langsamen Sätze von Sonata V, den feinen Begleitschichten zu besonderer Wirkung zu verhelfen. Da die einzelnen Werke zudem sehr unterschiedlich aufgebaut sind und vier bis sieben meist sehr kurze Sätze umfassen, erhält jede Sonate durch diesen Zugang eine ganz eigene Atmosphäre, in die auch gewisse Schaueffekte – so die in feierlichen Duktus mündende Trompetenfanfaren-Imitation zu Beginn von Sonata VII oder der äußerst knappe, im Zentrum stehende Prestosatz mit seinen virtuosen Figurationen – adäquat eingebunden sind. Kurz gesagt: Es ist eine wahre Freude, den Musikern bei ihrer wendigen, artikulatorisch sorgfältigen sowie auf die Abwechslung der unterschiedlichen Affekte bedachten Wiedergabe zuzuhören.



Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Antoni, Pietro Degli: 12 Sonaten op.4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
22.01.2016
Medium:
EAN:

CD
5028421951188


Cover vergössern

Brilliant classics

Brilliant Classics steht für hochwertige Klassik zu günstigen Preisen!

Mit den Veröffentlichungen von komplettierten Gesamtwerks- Editionen und Zyklen berühmter Komponisten, hat sich das Label erfolgreich am Musikmarkt etabliert. Der Klassikmusikchef, Pieter van Winkel, ist Musikwissenschaftler und selbst Pianist. Mit seinem professionellen musikalischen Gespür für den Klassikmarkt, hat er in den letzten Jahren ein umfangreiches Klassikprogramm aufgebaut. Neben hochwertigen Lizenzprodukten fördert er mit Eigenproduktionen den musikalischen Nachwuchs und bietet renommierten Musikern eine ideale Plattform.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Brilliant classics:

  • Zur Kritik... Im Zentrum der Hammerflügel: Alexei Lubimov ist ein überzeugender Sachwalter zweier später Dussek-Klaviersonaten auf dem Hammerflügel. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Erdgewandt: Elena Sartori und ihre Musiker finden keinen rechten Zugang zu Jean-Baptiste Lullys geistlicher Chormusik. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Neue Saitenwege zu Debussy: Das Duo Bilitis verdichtet Debussys Musik im mystischen Harfen- und Stimmklang und ergründet damit neue Wege, die faszinierend, aber auch etwas eingegrenzt wirken. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle Kritiken von Brilliant classics...

Weitere CD-Besprechungen von Prof. Dr. Stefan Drees:

  • Zur Kritik... John Bull und andere: Im sechsten Teil seiner Gesamteinspielung des 'Fitzwilliam Virginal Book' kombiniert der Cembalist Pieter-Jan Belder Stücke von John Bull mit einzelnen Kompositionen unbekannterer Tonsetzer. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Arbeit an klanglichen Feinheiten: Die zweite DVD der Reihe 'Lachenmann Perspektiven' widmet sich der Komposition 'Air'. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... Blick in die Interpretationswerkstatt: Eine neue DVD-Reihe vermittelt unschätzbare Einblicke in die musikalischen und technischen Problemstellungen von Helmut Lachenmanns Musik. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Prof. Dr. Stefan Drees...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich