> > > Maria Joao Pires: Portrait of a Pianist
Sonntag, 21. Juli 2019

Maria Joao Pires - Portrait of a Pianist

Es war einmal


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein Dokument des vergangenen Jahrhunderts.

Maria João Pires zählt zu den feinsten Anschlagskünstlern. Die metallene Strahlkraft des Steinway wird eindrucksvoll hervorgetrieben, doch ohne Verhärtung. Das Non-Legato perlt. Triller und Läufe zielen nicht auf Brillanz (die ebenso zur Verfügung steht). Phrasierungen gefallen mit Geschmeidigkeit und das agogische Können ist beachtlich – dies ist Beredsamkeit in Tönen, die niemals zur Klangrede verwahrlost.

Pires’ Repertoire ist auf Bach und um Mozart, Schumann, Chopin aufgebaut. Das spätromantische Virtuosentum scheint sie nicht anzuziehen – so wenig wie das Rampenlicht. Pires hält sich in der zweite Reihe. Chinesen und Wolfszüchter mögen die Hörer behexen – ihr musikalisches Können ist bei weitem geringer.

Werner Zeindler hat vor fünfundzwanzig Jahren einen Dokumentarfilm gedreht: ‚Maria João Pires. Portrait of a Pianist‘. Den Auftrag erteilte der Bayerische Rundfunk. Mag der Titel noch so schnöde tönen, die Leistung Zeindlers bleibt beachtlich. Sein ruhiger Atem mutet fremdartig an. Solche Kraft der Beschränkung und Konzentration gilt längst als unzumutbar. Wo würden im Jahr des Herrn 2016 komplette Nocturnes und Klavierkonzertsätze gezeigt – ungeschnitten, ohne sachfremdes Bildmaterial?

Pires erzählt, sehr bedächtig, über Familienverhältnisse und den ungeraden Verlauf ihrer Karriere. Die fein-herben Züge sprechen Bände. Romanisten dürfen einen portugiesischen Akzent im Französischen studieren. Auch Pires’ Frau Mutter kommt zu Wort. Das Geschwätz der Wegbegleiter und Experten, vertraut aus Musikerfilmen, fehlt zur Gänze. Dass Manager, Kritiker und Kollegen schweigen, beglückt.

Maria João Pires bezeichnet sich als ‚lateinischen Typus‘. Sie ersehne die Nähe der Menschen. Deswegen habe sie Frankreich zum Lebensmittelpunkt bestimmt. Der Portugiese fühle sich Frankreich verwandt. Wann immer sie englischen oder deutschen Boden betrete, gehe es ihr elend. Wie sich das Studium in Hannover (!) angefühlt haben mag, wollen wir nicht wissen.

Arthaus hat diesen bemerkenswerten Film einer wohlverdienten Zweitverwertung zugeführt. Das Motto scheint zu lauten: keine Fisimatenten. Dekadenten Plunder wie Booklet und Trackliste hat man reinen Gewissens eliminiert. Auch daran erweist sich, was während eines Vierteljahrhunderts verloren gegangen ist. Maria João Pires, ein Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts, ist der Gegenwart fremd.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Maria Joao Pires: Portrait of a Pianist

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
27.11.2015
Medium:
EAN:
DVD
807280916492

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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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