> > > Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar: Sämtliche Violinkonzerte
Dienstag, 25. Januar 2022

Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar - Sämtliche Violinkonzerte

Original und Bearbeitung


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Fürsten-Musik und der Cembalist Sebastian Knebel stellen die Bach'schen Cembalobearbeitungen von Concerti aus der Feder von Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar und die originalen Violinconcerti einander gegenüber.

Johann Sebastian Bachs Annäherung an die italienische Konzertform erfolgte über die Bearbeitung fremder Werke. Unter seinen Orgel- und Cembalowerken finden sich nicht nur Transkriptionen von Concerti Antonio Vivaldis, sondern auch von Kompositionen aus der Feder von Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar (1696–1715). Der bereits mit 18 Jahren nach schwerer Krankheit verstorbene, jedoch – so das Booklet – ‚von jugendlich-musikalischem Enthusiasmus‘ erfüllte Prinz von Sachsen-Weimar hat immerhin dafür gesorgt, dass die im deutschsprachigen Raum zu Beginn des 18. Jahrhunderts noch eher selten gepflegte Gattung des Instrumentalkonzerts wichtige Impulse bekam. Hierzu hat er nicht nur selbst mit seinen acht überlieferten, im Rahmen dieser Einspielung erstmals vollständig vorgestellten Violin-Concerti beigetragen, sondern er hat auch Bach dazu angeregt, sich mit den Möglichkeiten der Konzertform zu befassen, sodass der Komponist eine ganze Reihe von Cembalo-Transkription nach diesen Werken gefertigt hat.

Diesen Zusammenhang macht sich die vorliegende cpo-Produktion zunutze, indem sie die fraglichen Werke in ihrer klanglichen Originalgestalt, interpretiert vom Ensemble Fürsten-Musik und seiner Konzertmeisterin Anne Schumann, drei der Bearbeitungen Bachs (BWV 592a, BWV 982 und BWV 987) gegenüberstellt. Die Transkription des nicht überlieferten Violinconcertos C-Dur (BWV 984) fehlt hingegen aus Platzgründen auf dieser CD, kann aber als willkommene Ergänzung im Internet in einer Wiedergabe mit dem Cembalisten Sebastian Knebel – dem auch die restlichen Cembalo-Adaptionen anvertraut sind – angehört werden. Begleitet wird das lobenswerte Unterfangen von einem ausführlichen, auf die Werke fixierten sowie die für die Aufnahme benutzten Archivquellen dokumentierenden Booklettext. Er stammt aus der Feder des Musikwissenschaftlers Manfred Fechner, der auch als wissenschaftlicher Berater für das gesamte Projekt fungiert hat.

Erwartungsgemäß verraten die acht kurzen Concerti op. 1 den Einfluss italienischer Vorbilder und sind formal sehr knapp gefasst, wobei die Anforderungen an den Solisten überraschend vielfältig sind. Man muss die CD allerdings etwas häufiger hören, um die Wiedergabe der Werke würdigen zu können, denn sie wirkt über weite Strecken hinweg etwas betulich. In der Tat wäre musikalisch – und dies betrifft insbesondere die Ebene der Dynamik – viel mehr möglich gewesen als das häufig recht bewegungslose, einer gewissen Elastizität entbehrende Verharren in Begleitfiguren oder die gelegentlich (und trotz einer generell sehr plastischen Themenformung) doch auch etwas steif anmutende Gestaltung der Ritornelle. Eine wirklich ausgewogene Umsetzung wie im Falle des Concertos I B-Dur ist daher selten, da in den übrigen werken immer wieder – wenn auch nur kurzzeitig – eine gewisse Spannungslosigkeit um sich greift.

Dies ist beispielsweise im Concerto V E-Dur der Fall, wenn die Begleitschicht zum Solopart allein von den hohen Streichern getragen wird, und selbst im ausgedehnten und gesanglich schön entfalten Largo aus dem Concerto II a-Moll können die Begleitkonfigurationen nicht ein gewisses Maß an Steifheit verbergen. Empfehlenswert ist die Produktion jedoch allemal, weil sie mit der aufschlussreichen Gegenüberstellung von Concerti und Bearbeitungen etwas leistet, was man ansonsten auf dem Tonträgermarkt viel zu selten zu hören bekommt. So wird es auch möglich, die unterschiedlichen Perspektiven, die sich durch den unterschiedlichen instrumentalen Zugang zu den einzelnen Werken ergeben, hörend miteinander zu vergleichen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Johann Ernst Prinz von Sachsen-Weimar: Sämtliche Violinkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
cpo
1
Medium:
EAN:

CD
761203799824


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Bach, Johann Sebastian


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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