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Samstag, 15. August 2020

Neue Musik kommentiert - Einführung in die neue Musik

Ein wirkungsvolles Amulett


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bei einer Führung durch das angesehene Leipziger Gewandhaus sagte der Führer kürzlich, dass die zeitgenössische Musik zum Davonlaufen sei. Das Publikum, eine Gruppe älterer Damen und Herren, schüttelte sich bei dem Gedanken an die gar schauderhafte zeitgenössische Musik. Glücklicherweise war der Schock schnell überwunden und die Gesellschaft konnte noch einen angenehmen Nachmittag verbringen.

Ein gut geeignetes Amulett gegen neuzeitliche Schrecken ist die vom Wiener Label Kairos projektierte Reihe ,Neue Musik kommentiert', deren ersten CD ,Einführung in die neue Musik' jetzt vorliegt. Die folgenden Teile sollen sich den Themen ,Harmonik', ,Neues Musiktheater' und dem ,Geheimnis der musikalischen Zeit' widmen.
Eingeführt wird zunächst in zwanzig Werke von vierzehn Komponisten. Bei einer guten Stunde Spielzeit ist die Zeit für einzelne Stück nur knapp bemessen, als Ganzes sind lediglich zwei Lieder aus Hans Zenders komponierter Interpretation von Schuberts Winterreise zu hören. Die schnelle Abfolge von komponierten Welten greift das Innere des im Wechsel eintauchenden und aufschreckenden Zuhörers stark an, die verbindenden Kommentare lindern den Schmerz nur wenig - ein extensiver Gebrauch der Pausetaste ist zu empfehlen.
Die Auswahl der Stücke ist begrenzt auf die letzten vierzig Jahre und vorbestimmt durch das eigene Verlagsprogramm. Komponisten wie Karl-Heinz Stockhausen, John Cage, Olivier Messiaen, György Ligeti oder Brian Ferneyhough fehlen daher. Aber auch Luigi Nono fehlt, obwohl der Moderator Peter Oswald dreimal auf ihn verweist und Nono bereits von Kairos verlegt wurde.

Kommentare im Plauderton
Peter Oswald, einer der Gründer Kairos', kommentiert mit wenigen Worten die einzelnen Stücke. Ganz am Anfang kündigt er an, einen ,roten Faden' durch die ,labyrinthische Vielseitigkeit' der zeitgenössischen Musik zu legen. Dieses Bild ist, soweit der ,rote Faden' als Orientierungshilfe dient, durchaus zutreffend. Die sich aufdrängende Vermutung jedoch, dass der Faden auch Verbindungen zwischen den Komponisten aufzeigen soll, wird nur eingeschränkt bestätigt. Ein treffenderes Bild wäre ein geführter Gang durch eine Gemäldegalerie, wo der Führer bei einigen willkürlich ausgewählten Bildern verweilt, etwas grundsätzliches sagt und dann die Reisegruppe, die nicht mehr als eine Stunde Zeit hat, zum nächsten Bild weitertreibt. Die Bilder sind teilweise nach recht willkürlichen thematischen Schwerpunkten gehangen, ohne dass die Schwerpunkte benannt werden. Ein Saal ist dem ,Klang' gewidmet' (Morton Feldman, Giacinto Scelsi, Gérard Grisey), der nächste der Geschichte (Hans Zender, Salvatore Sciarrino), jener den Frauen (Olga Neuwirth, Rebecca Saunders). Peter Oswalds Kommentare sind eine Mischung zwischen begeistertem Lob für Komponist und Interpreten einerseits und einer allerkürzesten Zusammenfassung der Grundideen eines Komponisten andererseits. Einige Kommentare stehen jedoch allzu unkommentiert im Raum. Beispiel: Gleich am Anfang nennt er die vierzehn vorgestellten Komponisten ,kompromisslos', später bezeichnet er Olga Neuwirth als eine der ,kompromisslosesten Künstlerinnen'. Vergeblich rätselt der Hörer, in welcher Hinsicht die Komponisten kompromisslos sind. Letztlich fühlt man sich an die Sendung ,Zwischentöne' im Deutschlandfunk erinnert, wo jeden Sonntag ein Gast seine Lieblingsplatten mitbringt und darüber plaudert.
Zu den Interpretationen der Stücke sei an die Rezensionen der jeweiligen ursprünglichen CD verwiesen. Zumindest kann gesagt werden, dass bei allen Interpreten ? häufig das Klangforum Wien ? trotz der Kürze der Zeit eine große Klasse zu erahnen ist.
Die Klangqualität ist in allen Stücken hervorragend. Die Dynamik wurde klangtechnisch auf eine Ebene gebracht, so dass man beim Hören mit einer Einstellung des Lautstärkereglers auskommt.
Fazit

Insgesamt repräsentiert die CD Kairos als ein kleines, aber feines Label, das seinem Anspruch zeitgenössische Musik mit bleibender Bedeutung in erstklassigen Interpretationen zu veröffentlichen, durchaus gerecht wird. Die Qualität der Einspielungen steht leider noch im umgekehrten Verhältnis zu Kairos' Präsenz in den Plattenläden. Jedes der vorliegend vorgestellten Stücke weckt die Lust nach mehr zeitgenössischer Musik. Dieses Amulett ist jedem zu empfehlen, der vor zeitgenössischer Musik davonläuft, gleichzeitig aber auch jedem, der sich einen Überblick verschaffen will.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Neue Musik kommentiert: Einführung in die neue Musik

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Kairos
1
05.05.2003
63:10
2003
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
9120010281150
00110112KAI

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Eötvös, Peter
Feldmann, Morton
Furrer, Beat
Grisey, Gérard
Hosokawa, Toshio
Kyburz, Hanspeter
Lachenmann, Helmut
Lang, Bernhard
Neuwirth, Olga
Rihm, Wolfgang
Saunders, Rebecca
Scelsi, Giacinto Maria
Sciarrino, Salvatore
Zender, Hans


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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