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Montag, 6. Dezember 2021

Rabl, Walter - Kammermusikwerke

Großartige Entdeckung


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bei dieser Platte mit Kammermusik von Walter Rabl kommt man aus dem Staunen nicht heraus: Überaus angenehm die acht Fantasiestücke für Klaviertrio, großartig ein Klarinettenquartett und eine Violinsonate.

Vergessene Komponisten gibt es viele, nicht wenige davon hätten eine Wiederentdeckung verdient. Sehr wenige aber, so scheint es nach dem Hören dieser CD, hätten sie so sehr verdient wie Walter Rabl. Dem Label CPO kann man bei solchen Ausgrabungen im Grunde zwar fast blind vertrauen, doch auch in diesem Hause sollte man sich zu einer solchen Platte beglückwünschen, die ein echtes Juwel und schlicht herausragend ist und von der man nur hoffen kann, dass ihr und dem Komponisten Rabl die gebührende Aufmerksamkeit zuteil wird. Und dass vielleicht weitere Platten folgen?

Nun wird ja, Hand auf's Herz, über vergessene Meister von ihren wenigen Jüngern regelmäßig geschrieben, wie gut und sauber ihre Musik gearbeitet sei, wie originell und eigenständig. Vielleicht gilt all das auch für Rabl, vielleicht nicht. Völlig egal, denn auf jeden Fall ist seine Musik so inspiriert, so kraftvoll, so sicher in den oft ziemlich unvermittelt umschlagenden Stimmungen, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Ob die Interpreten das genau so empfunden haben? Jedenfalls wirkt die Aufnahme nahezu in jeder Beziehung perfekt. Tempi und Ausgewogenheit, Transparenz und Klangfülle, Lebendigkeit der Gestaltung – es bleiben keine Wünsche offen. CPO produzierte das Klarinettenquartett op. 1 mit niemand geringerem als Wenzel Fuchs, Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker, klanglich also eine echte Nummer. Wieder einmal ist außerdem der Pianist Oliver Triendl mit von der Partie, wie so oft schon in den letzten Jahren, wenn das Label CPO unbekannte Kammermusik präsentierte.

Mit diesem erstaunlichen Klarinettenquartett sicherte sich Rabl die Unterstützung von Brahms, obwohl er dem ‚nicht sympathisch‘ war, wie Brahms in jenem Brief an den Verleger Simrock schrieb, der schließlich die Publikation des Quartetts in diesem Verlag zur Folge hatte. Rabl widmete das Werk dem großen Vorbild daraufhin. Es handelt sich wohl um das erste Werk überhaupt für die Besetzung Klarinette, Geige, Violine und Klavier, und Rabl gewann damit jenen Wettbewerb, bei dem auch Alexander Zemlinsky mit seinem Klarinettentrio den dritten Platz belegte.

Warum aber kennt man Rabl heute nicht mehr, wenn er doch solche Musik geschrieben hat? Leider gibt es nicht besonders viele Werke aus seiner Feder. Die Opuszahlen bei Walter Rabl reichen sage und schreibe bis zur Nummer 15. Eigentlich schade, dass er das Komponieren schon mit etwa 30 Jahren aufgab, noch bevor er, so muss man annehmen, seinen Personalstil gefunden hatte.

Die acht 'Fantasiestücke' für Violine, Cello und Klavier op. 2, das zweite Werk der Platte, klingen wie aus Brahms‘ Welt. Viel Eigenes steckt vielleicht nicht darin, und sie sind auch wohl nicht sonderlich anspruchsvoll, aber sie klingen einfach gut und angenehm; man hört sie gern, zumal wenn sie gut gespielt werden. Die Musiker gehen betont leicht an diese Stücke heran, dabei wirkt aber alles überaus stimmig und gut im Fluss. Der Zyklus als Ganzes ist mit gut 20 Minuten dann schon ernst zu nehmen und erhält besonders durch die letzten beiden direkt verbundenen Stücke noch einmal Gewicht.

Ein wirklich großartiges Werk aber ist Rabls Violinsonate op. 6. Man möchte geradezu bedauern, dass es in dieser Gattung so viele Werke gibt, dass Rabls Beitrag vermutlich auch zukünftig nicht allzu viel gespielt werden wird – dabei wäre es ein äußerst dankbares Stück. Allerdings stellt es auch erhebliche technische Anforderungen. Der erste Satz ist energisch und von mitreißendem Schwung und sprengt zuweilen die Grenzen der kammermusikalischen Satzart, der zweite ist ein ausdrucksstarkes 'Adagio'. Es folgt ein melancholischer Walzer, was doch für mehrsätzige, anspruchsvolle Werke relativ selten ist. Als Ausgleich für diesen vermeintlichen stilistischen Fehltritt beginnt das Finale mit einer der als besonders anspruchsvoll geltenden Formen, der Fuge nämlich. Oliver Triendl und Geneviève Laurenceau sind mit viel Temperament und offenbar auch mit großem Spaß dabei, wenn auch die Geigerin mit sehr schlankem Ton spielt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rabl, Walter: Kammermusikwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
10.11.2015
Medium:
EAN:

CD
761203784929


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Rabl, Walter
 - Quartett für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier op. 1 - Allegro moderato
 - Quartett für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier op. 1 - Adagio molto
 - Quartett für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier op. 1 - Andantino un poco mosso
 - Quartett für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier op. 1 - Allegro con brio
 - Fantasiestücke für Klaviertrio op. 2 - Adagio molto
 - Fantasiestücke für Klaviertrio op. 2 - Allegro vivace
 - Fantasiestücke für Klaviertrio op. 2 - Allegro con spirito
 - Fantasiestücke für Klaviertrio op. 2 - Adagio con espressione
 - Fantasiestücke für Klaviertrio op. 2 - Allegro con impeto
 - Fantasiestücke für Klaviertrio op. 2 - Allegretto grazioso
 - Fantasiestücke für Klaviertrio op. 2 - Largo
 - Fantasiestücke für Klaviertrio op. 2 - Allegro vivace con brio
 - Sonate für Violine und Klavier op. 6 - Allegro moderato, ma energico
 - Sonate für Violine und Klavier op. 6 - Adagio con espressione
 - Sonate für Violine und Klavier op. 6 - Allegretto grazioso
 - Sonate für Violine und Klavier op. 6 - Allegro vivace


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Interpret(en):Fuchs, Wenzel
Laurenceau, Geneviève
Fenyö, László
Triendl, Oliver


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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