> > > Brahms, Johannes: Klavierwerke
Dienstag, 12. Dezember 2017

Brahms, Johannes - Klavierwerke

Brahms im Stil seiner Zeit


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Piet Kuijken nähert sich Klavierwerken von Johannes Brahms auf historischem Instrumentarium und mit stilsicherem Zugriff. Das Ergebnist ist äußerst anregend.

Den Namen Kuijken kennt man seit vielen Jahren in der Musikwelt. Die ältere Generation der Musikerfamilie aus Belgien hat sich hohes Renommee durch ihre Beschäftigung mit der Historischen Aufführungspraxis erworben und vor allem mit dem Ensemble La petite bande einen wichtigen Beitrag zur Interpretation Alter Musik geleistet. Der Sohn des Gambisten Wieland Kuijken, dem ältesten der Musiker, hat sich dem Klavier verschrieben. Und es wäre eine Überraschung, wenn nicht auch er sich mit der Frage, wie ein Werk in seiner Zeit wohl geklungen haben mag, intensiv beschäftigen würde.

Piet Kuijken ist inzwischen auch schon 43 Jahre alt und lehrt am Konservatorium in Brüssel. Hierzulande ist der Pianist wenig bekannt, was sehr verwundern muss, denn er gibt nicht nur sehr erfolgreich Konzerte als Solist, sondern ist auch als Kammermusikpartner gefragt. Aus seiner Diskographie lässt sich ablesen, dass er sich mit allen Stilepochen befasst, zuletzt ganz besonders mit der Romantik, wo er sich im Schumannjahr 2010 im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der Klavier- und Kammermusik von Robert Schumann auseinandergesetzt hat.

In Folge dieser Erfahrung hat Piet Kuijken eine CD mit Klaviermusik von Johannes Brahms aufgenommen, die nun erschienen ist. Bevor man sich auf das Hören einlässt, empfiehlt es sich, das Beiheft zu lesen, in dem Kuijken sehr klug darlegt, wie er sich den Klang bei Brahms vorstellt und dass er als Konsequenz aus seinen Überlegungen einen Flügel des Wiener Klavierbauers Streicher von 1868 benutzt, ein zeitgenössisches Instrument also. Auch Brahms selbst hatte viele Jahre einen Streicher besessen und auf ihm gespielt.

Der Einstieg in die f-Moll-Sonate op. 5 gelingt leichter mit diesem Wissen, denn bei den ersten Akkorden befremdet zunächst der Klang, der ein wenig an ein ‚abgenudeltes‘ Instrument erinnert. Man hört sich aber sehr schnell ein, ja, man wird von der romantischen Spielweise, die Akkorde als Arpeggien zu spielen und zahlreiche Rubati einzusetzen, regelrecht gefangengenommen und tief in die Musik hineingezogen. Besonders innig gelingt Kuijken der zweite Satz: Das 'Andante espressivo' rührt zu Tränen, ohne auch eine Sekunde kitschig zu werden. Überhaupt ist viel emotionale Bewegung im Spiel, und trotzdem gerät die Musik nie zu nahe ans rein Gefühlige.

Ähnliches gilt für die Intermezzi und Fantasien opp. 116 und 117. Dass Kuijken jede technische Klippe sicher umschifft, versteht sich von selbst. Dass er aber auch ein Musiker von hohen Gnaden ist, der zudem auch noch gründlich über das nachdenkt, was er spielt, das ist ein Geschenk. Es wäre sehr zu wünschen, dass die Konzertbesucher auch in Deutschland ihn öfter als bisher erleben dürften.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Brahms, Johannes: Klavierwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Passacaille
1
06.11.2015
EAN:

5425004140098


Cover vergössern

Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Passacaille:

  • Zur Kritik... Il Gardellino spielt Beethovens Kammermusik für Blasinstrumente: Auch wenn es sich bei dieser Aufnahme nicht um eine Rarität handelt, hat sie doch einen gewissen Seltenheitswert, sodass der geneigte Hörer sicher bereit ist, bei kleinen Schönheitsfehlern ein Auge zuzudrücken. Weiter...
    (Sonja Jüschke, )
  • Zur Kritik... Verschlungen: Hana Blažíková singt berückend schön, Bruce Dickey und sein kleines Ensemble leisten einen gleichrangigen Beitrag. Sopran und Zink, menschliche Stimme und Instrument sind einander tatsächlich sehr nah, oft eng ineinander verschlungen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Kosmos Konzert: Insgesamt ist diese Produktion ein schöner Beitrag zum Phänomen der Konzerte bei Bach. Der Beschäftigung mit diesem Teil des Bachschen Werkes wird kein Ende sein. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Passacaille...

Weitere CD-Besprechungen von Elisabeth Deckers:

  • Zur Kritik... Höhen und Tiefen: Diese Schatzkiste für Quartettfreunde hält alles vor: Bekanntes, das in dieser Form überflüssig ist, aber auch unerwartete Entdeckungen. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Kleine Besetzung für große Musik: Astor Piazzolla und der entscheidend von ihm mitgesprägte Tango Nuevo erfreuen sich schon seit Jahren großer Beliebtheit. Aber wie spielt man diese Musik 'richtig'? Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
  • Zur Kritik... Ungarisches mit Herz und Verstand: Die Werke von Zoltán Kodály sind immer noch und vor allem eine Herzensangelegenheit seiner ungarischen Landsleute, was auch für die ungarischen Cellisten gilt. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle Kritiken von Elisabeth Deckers...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Der Unbekannte Wagner: Es gibt Werke von Richard Wagner, für die sich die Nachwelt in gewisser Weise zu schämen scheint. Seine frühen Ouvertüren lassen den späteren kompositionsgeschichtlichen Revolutionär kaum schon erahnen. Märkls geballte Sammlung hat aber Informationswert. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Jede Menge Bearbeitungen - und ein Original: Ilya Gringolts und Peter Laul überzeugen mit einer Wiedergabe von Igor Strawinskys Werken für Violine und Klavier. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
  • Zur Kritik... De Rore im Porträt: Björn Schmelzer setzt seinen Weg mit Graindelavoix konsequent und unbeirrt fort. Vor allem immer reflektiert und gut begründet. Man weiß eben nicht, wie diese Musik wirklich gesungen wurde. Und Schmelzer kann zeigen, dass es auch so gewesen sein könnte. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (4/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Johann Christoph Graupner: Erwacht, ihr Heyden GWV 1111/34 - Wo bist du, großer Trost der Heiden?

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Julian Prégardien im Portrait "Das ganze Projekt ist eine Reise durch die Musik"
Julian Prégardien macht die Aufführungsgeschichte großer Werke anschaulich - und setzt Impulse für die Zukunft

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich