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Samstag, 6. Juni 2020

Cage, John - Sämtliche Werke für Flöte

Cage für Flöte


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die erste Kompletteinspielung von Cages Werken für Flöte ist eine zwiespältige Angelegenheit.

Die schon 2015 bei Naxos erschienene Einspielung präsentiert auf zwei CDs die gesamten Flötenwerke von John Cage. Der erste Teil ist eine Darbietung der Stücke 'Ryoanji' (Version für Flöte, Percussion und Tonband, 1984), 'Two' (1987), 'Three Pieces for Flute Duet' (1935) und 'Music for Two' (Version für Flöte und Klavier, 1984) und stellt so die Spätwerke der 1980er Jahre in den Fokus. Die deutsch-griechische Flötistin Katrin Zenz überzeugt mit einer herausragenden Atemtechnik, die vor allem an den mühelos ausgehaltenen Tonlängen und am Hauchansatz deutlich wird. Meisterhaft intoniert sie in 'Ryonaji' die Vierteltöne, die zu einem harmonischen Gesamtbild der meditativen Stimmung des Stückes beitragen. Die unregelmäßigen Rhythmus-Pattern zu Beginn und die leisen Einwürfe der Flöte sind sehr exakt ausgeführt und ergeben einen musikalischen Dialog, der den Hörer in die fernöstlichen Gärten Chinas mitnimmt. Feine Phrasierungen vermeiden abgerissene Melodieschlüsse und zeugen von Zenz‘ Erfahrung und Talent. Die Komposition ist – wie auch die anderen Einspielungen der CD – graphisch notiert und schließt so von vornherein identische Einspielungen unterschiedlicher Künstler aus. Dennoch fehlt den Interpretationen ein gewisses Etwas an Magie und Effektivität, das die Stücke zu einer Besonderheit machen und beim Hörer die nach und nach aufkommende Langeweile verhindern würde.

Auch bei 'Two' wird der Kontrast zwischen den weichen Flötentöne und den hämmernden Akkorden des Klaviers dynamisch präzise ausgeführt, aber es fehlen die Emotionen, die den Hörer dabeibleiben lassen – auch, wenn es eine umstrittene Frage ist, inwiefern Emotion und Agogik bei dieser postmodernen Musik überhaupt eine Rolle spielen und spielen sollen. Die 'Three Pieces for Fluet Duet' sind die einzigen Werke aus Cages frühen Jahren und kleine Miniaturstücke für ein Flötenduett. Die Tempovorschriften sind gut umgesetzt und verleihen den nicht länger als drei Minuten dauernden Stücken einen individuellen Charakter, der auch interpretatorisch stimmungsvoller getroffen ist als bei den restlichen Aufnahmen der CD. Mit spielerischer Leichtigkeit und warmen Tönen bilden Katrin Zenz und Uwe Grodd ein gutes Gespann.

Zum Abschluss der CD folgt eine Einspielung von 'Music for Two' in einem hier uraufgeführten Arrangement von Katrin Zenz. Die Komposition ist geprägt von einem die Extreme auslotenden Dialog zwischen Klavier und Flöte. Die insgesamt rund 28 Minuten stellen für diesen Steigerungsprozess einen enormen Anspruch an die Interpreten dar. Leider gelingt dies Zenz und Chara Iacovidou nicht sehr überzeugend, da sich im Laufe der Zeit ein Gefühl von Atemlosigkeit einstellt und so der Eindruck einer einseitigen und faden Ausdrucksweise entsteht, die dem musikalischen Können der Musiker nicht gerecht wird.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Tanja Geschwind Kritik von Tanja Geschwind,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Cage, John: Sämtliche Werke für Flöte

Label:
Anzahl Medien:
Naxos
1
Medium:
EAN:

CD
636943977323


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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