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Dienstag, 22. August 2017

Strauss, Richard - Arabella

Nimm mich, wie ich bin


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Marc Albrecht gelingt an der Dutch National Opera 2014 mithilfe zweier herausragender Solistinnen, Jacquelyn Wagner als Arabella und Agneta Eichenholz als Zdenka, eine schlüssige, lebhafte Interpretation von Strauss' lyrischer Komödie.

Strauss' Titelfigur Arabella stellt diese Forderung in der gleichnamigen Oper an ihren zukünftigen Mann, und auch der Hörer des vorliegenden Mitschnitts aus der Dutch National Opera vom April 2014 kann ihr in dieser Forderung ohne weiteres Folge leisten. Dieser Mitschnitt ist eine eigenwillige Interpretation und absolut hörenswert. Er reiht sich nicht in die Riege der Aufnahmen ein, die hauptsächlich für diejenigen Hörer ein Genuss sind, die auch die dazugehörige Aufführung erlebt haben. Diese Aufnahme sticht heraus durch Sängerdarsteller, die die meiste Zeit ihre Figuren sehr genau ausleuchten, dramatisch wie musikalisch. Größten Anteil an dieser Wirkung hat Dirigent Marc Abrecht, unter dessen Leitung das Netherlands Philharmonic Orchestra zu Hochform aufläuft. Albrecht dirigiert nicht besonders transparent, aber auch nicht zu schwülstig, traut sich, langsame, ausgreifende Tempi in den nachdenklichen Passagen zu wählen, zieht aber passend zur jeweiligen Situation das Tempo wieder an. Er lässt eine ausgefallene Faschingsstimmung aufkommen, den Wiener Schmäh hören, gibt aber den melancholischen oder intimen Passagen genügend Luft zu atmen. Albrecht hat die Partitur sehr genau gelesen und gibt sie nun wieder, ohne sie jedoch überzuinterpretieren.

Die Besetzung der mitgeschnittenen Aufführungen kann sich hören lassen. Mit Jacquelyn Wagner steht eine Idealbesetzung der Titelfigur im Zentrum. Ihre silbrig glänzende Stimme, macht den Charakter einer Frau hörbar, die weiß, was sie vom Leben verlangen darf. Wagner betört mit schönen Höhenpiani, berauschend emotionalen Ausbrüchen, klug gestalteten Phrasen und einer stupenden Technik. Das Duett Arabella-Zdenka im ersten Akt ist einer der Höhepunkte des Mitschnitts, da hier zwei Sängerinnen aufeinandertreffen, die ihre Partie stimmlich zu füllen, zu interpretieren wissen. Hier ist ein inniges, langsames Tempo möglich, welches die große Intimität der beiden Schwestern hörbar macht, die später im dritten Akt wieder aufgegriffen wird. Agneta Eichenholz ist mit ihrer etwas höher gelegenen Sopranstimme eine erstklassige Besetzung der jüngeren Schwester. Sie ist mit ihrem warmen Timbre eine wunderbare Ergänzung zum etwas distanzierteren Ton der Arabella.

Das Elternpaar ist mit Charlotte Margiono und Alfred Reiter spannend besetzt. Beide Stimmen haben schon eine hörbare Wegstrecke im Repertoire hinter sich, was in Vibrati und Anstrengungen in der Höhe zu hören ist, verfügen aber doch noch über eine intakte Mittellage. Die beiden Sänger haben hörbar Lust, ihre Figuren zu gestalten und zu ernstzunehmenden Charakteren zu machen. Wenn dieser Waldner im dritten Akt ein Machtwort spricht, steht eine Autorität im Mittelpunkt, die Mandryka akzeptieren muss. In der Besetzung von Mandryka liegt aber die Crux dieses Mitschnitts. James Rutherford ist mit seinem bass-baritonalen Timbre, seiner ebenfalls nicht vibratoarmen Stimme und seiner etwas ungeschlachten Art zu gestalten zwar eine funktionierende Besetzung für den aus der Provinz stammenden, polternden Mandryka; aber er ist damit stimmlich auch sehr nah an der Besetzung des Grafen Waldner platziert. Das ist interpretatorisch etwas irritierend. Es ist fraglich, ob die mögliche Lesart tatsächlich intendiert ist, dass Arabella auf der Suche nach einer neuen Vaterfigur ist, denn genau das lässt der rein stimmliche Aspekt vermuten. Eventuell hebt die Szenerie eine solche Interpretation aber wieder auf. Rutherford lässt auf jeden Fall nicht nur durch seine Stimmlage den baritonal-charmanten Schmelz vermissen, der der Figur eine zusätzliche Note verleihen könnte.

Will Hartmann als Matteo ist ein potenter, ebenfalls etwas ungeschlachter Bewerber um die Gunst Arabellas, der mit einem hellen Tenor nicht mit lyrischen Zwischentönen brilliert, sondern mehr mit strahlenden Ausbrüchen, was aber zur Charakterisierung der Partie wieder passt. Susanne Elmark ist eine auf den Punkt gebrachte Fiakermillii, Ursula Hesse von den Steinen eine wohltuend stimmlich intakte Besetzung der Kartenaufschlägerin. Die drei Grafen werden rollendeckend von Marcel Reijans, Roger Smeets und Thomas Dear gegeben.

Alles in allem liegt hier eine sehr stimmige Aufnahme von Strauss' lyrischer Komödie vor, die aber vor allem durch die Besetzng der beiden weiblichen Hauptrollen und durch das Dirigat sehr hörenswert ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Arabella

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Challenge Classics
3
06.11.2015
EAN:

608917268621


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


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