> > > Mendelssohn Bartholdy, Felix: Ein Sommernachtstraum
Montag, 29. Mai 2017

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Ein Sommernachtstraum

Raffinierte Gestaltungsmomente


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Thomas Dausgaard und das Swedish Chamber Orchestra machen Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertouvertüren zu einem faszinierenden Farbgewebe.

In den vergangenen Jahren haben der Dirigent Thomas Dausgaard und das Swedish Chamber Orchestra immer wieder mit hörenswerten Neueinspielungen des romantischen sinfonischen Repertoires auf sich aufmerksam gemacht. Die jüngste, abermals bei BIS veröffentlichte Aufnahme setzt diese Tendenz mit Blick auf Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy fort. Wer sich die gestalterischen Leistungen Dausgaards in ihren zauberhaftesten Momenten vor Ohren führen möchte, sollte sich zunächst die mit leichtfüßigem Strich gezeichnete Konzertouvertüre 'Das Märchen von der schönen Melusine' op. 32 anhören: Dem Dirigenten gelingt es hier, die einzelnen Instrumente im zarten, auf wogende Wellenbewegungen verweisenden Gewebe des Beginns perfekt gegeneinander auszubalancieren. Mit den trommelnden Akzenten der Streicher öffnet sich dann die Tür zu einer ganz anderen Welt, weil von diesem Moment an die Dramatik Einzug in die Musik hält. Da dies alles der Gliederung und Phrasierung durch weiträumige Atembögen unterliegt, wahrt die Komposition durchweg einen natürlichen Fluss.

In der Ouvertüre zum 'Sommernachtstraum' op. 21 setzt Dausgaard diesen Ansatz fort und verfeinert ihn zugleich stärker: Das Wispern der Streicherfiguren nach den einleitenden Bläserakkorden, das erste Forte und die abwechslungsreiche, fast schon deklamierend anmutende Artikulation der Streicherstimmen, die Zurücknahme der Intensität im kurzen, von den Streichern fortgesetzten Klarinettensolo, ja überhaupt der Umgang mit Dynamik und feinen instrumentatorischen Details, legen Zeugnis von einer Auffassung ab, deren Ergebnisse Schattierungen sind, die man vorher kaum jemals an dieser Musik wahrgenommen hat. Diese Tendenz trägt Dausgaard auch in Mendelssohns Bühnenmusik zum 'Sommernachtstraum' op. 61 hinein, doch kann auch er dem generellen Problem dieses Werkes nicht entgegenwirken, dass sich aufgrund der oft nur kurzen Stücke mit ihren punktuellen Bezügen zum Schauspiel kein rechter musikalischer Zusammenhang einstellen will.

Dennoch weisen viele der Miniaturen raffinierte Gestaltungsmomente auf: Im 'Scherzo' (Nr. 1) oder im 'Elfenreigen' (Nr. 2) wird das in der Ouvertüre begonnene Spiel mit den Klangfarben nahtlos fortgesetzt, dem 'Intermezzo' (Nr. 5) verleiht der Dirigent einen melancholischen Tonfall und lauscht den dynamischen Spitzen der Musik in die polyphonen Verzweigungen hinein nach, und dort, wo darüber hinaus die Stimmen des Swedish Radio Choir oder der beiden Solosoprane Camilla Tilling und Magdalena Risberg zu berücksichtigen sind, passt Dausgaard diese – wie im 'Lied mit Chor' (Nr. 3) – in die zarten instrumentalen Gewebe ein. Etwas unter den Möglichkeiten musiziert bleibt allein Mendelssohns Konzertouvertüre 'Die Hebriden' op. 26: Zwar sorgt auch hier das perfekte und zugleich flexibel gehandhabte Ineinandergreifen der Instrumente für den Eindruck des Atmens; doch hinterlässt die rasche Temponahme gelegentlich den Eindruck einer dem Werk nicht angemessenen Flüchtigkeit. Dass dieser zwischendurch immer wieder aufgefangen wird – so etwa kurz vor der Coda, wo das Duo der beiden Klarinetten mit butterweicher Tongebung das zweite Thema anstimmt –, hängt damit zusammen, dass Dausgaard an solchen Stellen der Musik mehr Zeit zur Entfaltung lässt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Ein Sommernachtstraum

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
30.09.2015
EAN:

7318599921662


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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