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Donnerstag, 28. Oktober 2021

O heilige Nacht - Romantische Chormusik zur Weihnachtszeit

Romantische Alternative


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Dresdner Kammerchor mit romantischer Musik zur Weihnachtszeit: Die Platte ist insgesamt ein sehr gelungener Impuls, anderes als das barocke Repertoire für Advent und Weihnachten in den Blick zu nehmen.

Es sind wirklich interessante Betrachtungen, die Oliver Geisler in seinem Einführungstext zur aktuell vorliegenden Platte des von Hans-Christoph Rademann geleiteten Dresdner Kammerchors mit romantischer Chormusik zur Weihnachtszeit notiert hat: Ausgangspunkt ist das Diktum des österreichisch-englischen Historikers Eric Hobsbawm vom langen 19. Jahrhundert, das sich in dessen Beobachtung von der französischen Revolution bis zum Vorabend des Ersten Weltkriegs erstreckte. Und es war eine Zeit, die den Menschen einen rasanten Wandel in vielen Lebensbereichen abverlangte, Neues ermöglichte, Altes in Frage stellte, Unsicherheiten erzeugte. Nicht zufällig ist die Hinwendung zur Geschichte, die Erfindung der Geschichtswissenschaft auch ein Versuch, durch Kenntnis des Vorangegangenen Sicherheit zu gewinnen, Halt zu erlangen. Das war auch in der Musikhistoriographie nicht anders, die Carl von Winterfeld und Philipp Spitta begannen und deren Impulse und Erkenntnisse von namhaften Komponisten wie Johannes Brahms oder Felix Mendelssohn Bartholdy praktisch aufgegriffen wurden und zu einem intensiven Austausch zwischen alten und neuen Ästhetiken führten.

Gerade die Musik zur Weihnachtszeit, voller vielerorts noch immer lebendiger Traditionen, aber natürlich auch inhaltlich besonders geeignet, ein Gefühl des Behaustseins zu evozieren, war in diesem Spannungsfeld ein Gegenstand bemerkenswerter kreativer Auseinandersetzung. Das zeigt das wirklich ansprechende Programm der vorliegenden Platte. Es sind viele interessante Namen der deutschen Romantik zu hören, natürlich Brahms, aber auch Max Reger, Max Bruch, Carl Loewe, dazu Robert Fuchs, Gustav Schreck, Franz Wüllner oder Carl Gottlob Reißiger. Die Musik ist durchaus verschieden: Gelegentlich wird dem Altvertrauten gekonnt ein romantisches Mäntelchen umgeworfen, immer wieder ist aber auch genuin schöpferische Arbeit zu erleben. Zum Beispiel emanzipiert sich Reißiger, immerhin Dresdner Hofkapellmeister, mit seiner Version von 'Es ist ein Reis entsprungen' eindrucksvoll vom bis heute schier übermächtigen Vorbild der Melodie und des Satzes von Michael Praetorius. Auch die Choräle des Thomaskantors Schreck zeugen von einiger Eigenständigkeit. Während Carl Loewe mit kultivierter Größe, mit durchaus direktem Effekt genau da punktet, wo unsere Ohren barocke Schlichtheit gewohnt sind und unvermittelt assoziieren, nehmen die Arbeiten von Robert Fuchs mit geschmackvoller Behutsamkeit für sich ein. Dazu kommt Franz Wüllner mit manch ausnehmend zart empfundenem Satz, natürlich die unverwechselbare Größe Regers, der uns als großartiger Könner in der Gattung des hochdifferenzierten, vielfältig diffizilen Chorals gegenübertritt und der sich doch nie ganz aus der Grundgeste choraler Schlichtheit entfernt.

Sensible Interpreten

Viel außerordentlich dankbares Material also für einen Kammerchor, der sich vor allem auf feine Gesten und Nuancen versteht – wie das beim Dresdner Kammerchor ganz zweifellos der Fall ist. Die Register des für diese Produktion mit 34 jungen Stimmen verhältnismäßig groß besetzten Chors sind schlank, weich und sehr harmonisch gefügt, gleichwohl charakteristisch in ihrer Grundanmutung. Die Intonation ist sehr überzeugend, auch in harmonisch reicherer Szene oder weiter Lage unangestrengt, immer wieder gekrönt von wunderbar bronzen schimmernden Schlussakkorden. Dynamisch wird ein weites Feld durchmessen, ansprechendes Volumen entfaltet, freilich ohne Härten, in samtiger Fülle, nie übertrieben forcierend – das Stichwort Romantik löst die enge Hinwendung des Chors zu differenziertem Singen nicht auf. Die Platte auch in ihrer textlichen Dimension einfach hörend zu genießen, ist ohne weiteres möglich: Die Diktion ist natürlich, die Textverständlichkeit garantiert, auch in diesem oft vielfältig verdichteten Repertoire. Und der Chor entfaltet seine wunderbaren linearen Qualitäten, voll ausgekostet in den vielen sich windenden Verästelungen. Zugleich beweist er seine Klasse in Sachen schlanker Beweglichkeit in jenen Stücken, die deutlicher älteren Vorbildern folgen.

Der anregend zu lesende Vorspann im Booklet wurde schon angesprochen, die Ausführungen zu den Sätzen und Komponisten erreichen nicht ganz dieselbe Qualität. Das Klangbild ist, wie bei vielen in der Radeberger Stadtkirche entstandenen Aufnahmen des Ensembles, sehr gelungen: Eine schöne chorische Präsenz, edles Volumen, gelungene Balance der Stimmgruppen, feiner räumlicher Charme.

Die Platte ist insgesamt ein sehr gelungener Impuls, anderes als das barocke Repertoire für Advent und Weihnachten in den Blick zu nehmen – das, da muss man ehrlich sein, den jahreszeitlichen Plattenmarkt noch immer sehr dominiert. Zu erleben sind renommierte Komponisten und solche Künstler, die weniger im Rampenlicht stehen – jedenfalls in diesem Repertoire durchaus zu Unrecht, auch das zeigt die Platte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    O heilige Nacht: Romantische Chormusik zur Weihnachtszeit

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Carus
1
02.10.2015
Medium:
EAN:

CD
4009350833920


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"Der Dresdner Kammerchor feiert das Jahr seines 30jährigen Bestehens mit einer Reihe von CD-Einspielungen - unter anderem dieser Platte mit Chormusik für die Advents- und Weihnachtszeit aus dem 19. Jahrhundert. Die Werke dieser Einspielung sind geprägt von dieser Wiederbelebung des Traditionellen, der alten Melodien und Texte des 14. bis 18. Jahrhunderts; aber eben auch von der Verschmelzung der Vergangenheit mit der (musikalischen) Zukunft. Die Komponisten, unter ihnen Max Reger, Carl Loewe, Max Bruch und Johannes Brahms, weisen einerseits mit ihren Tonsprachen, den Klangfarben, harmonischen Verläufen und chromatischen Anreicherungen in die Moderne. In diesem Sinne ist diese CD – über die lohnenswerte Entdeckung unbekannter Werke, über den Kunstgenuss der Ausführung und über die musikalische Einstimmung auf die Weihnachtszeit hinaus – auch eine Einladung, sich hineinziehen zu lassen in eine Bewegung, in der Advent als Gleichzeitigkeit von Vergangenem und Zukünftigem erkennbar wird."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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