> > > Schütz, Heinrich: Symphoniae Sacrae III
Montag, 18. Oktober 2021

Schütz, Heinrich - Symphoniae Sacrae III

Bilanz


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine geschlossene, höchst niveauvolle Deutung des dritten Teils der 'Symphoniae Sacrae' von Heinrich Schütz durch Hans-Christoph Rademann und seine Ensembles, ganz ohne Pathos, aber auch alles andere als nüchtern.

In der zwölften Folge der Gesamteinspielung der Werke Heinrich Schütz‘ stellen Hans-Christoph Rademann und seine Ensembles eine der wichtigsten Sammlungen vor, den 1650 gedruckten dritten Teil der 'Symphoniae Sacrae'. Man hört jedem einzelnen dieser wunderbaren 21 geistlichen Konzerte die künstlerische Reife dessen an, der da komponiert hat. Und Schütz knüpft nach drei Jahrzehnten des Krieges formal und affektiv durchaus wieder an die frühere Größe seiner 'Psalmen Davids' an. Doch seine späteren Werke können insofern als bilanzierend angesprochen werden, als der nun schon 65jährige neben klangliche Größe und Fülle schon die nochmals gesteigerte Klarheit stellte, die sein Spätwerk der Passionen und Historien prägen sollte. Davon scheint in den luzide gearbeiteten Konzerten der 'Symphoniae Sacrae' vieles auf. Vielleicht ist die Balance zwischen diesen Elementen Schützschen Komponierens hier dem Ideal am nächsten.

Die Sammlung enthält, auch das macht diese Platte deutlich, viele Stücke aus dem Halbschatten, eher zyklisch denn individuell gekannt, die aufmerksam zu hören sehr lohnt. Und man kann sich an ihr insgesamt nicht satthören, ob ihres Beziehungsreichtums, ihrer Detailfülle, ihrer vielschichtigen Kunstfertigkeit.

Tolles Ensemble

Diese Musik ist nur mit höchst versierten Favoritsängern gelingend aufzuführen, die mit der Schützschen Virtuosität vertraut sind, ohne ihre Fähigkeit zur intensiven Ensemblekunst preiszugeben. Eine solche Besetzung ist Hans-Christoph Rademann gelungen, und es ist eine interessante Mischung zwischen klangvollen Namen und solchen Vokalisten, die sich ganz wesentlich im Rahmen dieser Schütz-Gesamteinspielung profiliert haben. Im Sopran überstrahlen die Namen von Dorothee Mields und Ulrike Hofbauer das personelle Tableau, doch stehen Isabel Jantschek und Maria Stosiek den beiden prominenteren Interpretinnen in nichts nach. Im Alt trägt David Erler die Hauptlast, flankiert von Stefan Kunath. Die Tenorpartien teilen sich Georg Polplutz und Tobias Mäthger, im Bass hat Felix Schwandtke die größten Anteile, unterstützt von Martin Schicketanz.

Eine für die Reihe typische Mischung: Immer wieder hat Rademann arrivierte Größen und zugkräftige Namen dazu geholt, doch hat er genauso klug junge Stimmen entwickelt. Georg Poplutz als prägender Tenor wurde an dieser Stelle schon häufiger besonders hervorgehoben. Hier soll es eher um den jungen Bass Felix Schwandtke gehen, gerade Mitte zwanzig, der hier einmal mehr mit seiner in allen Lagen exzellent frei klingenden, zudem technisch souverän basierten Stimme zu überzeugen weiß. Auch er hat sich vernehmlich profiliert, wie die Reihe insgesamt einen großen Schub für einige der Protagonisten mit sich bringen dürfte, so ist zumindest zu wünschen und zu hoffen. Ergebnis dieser konsequenten Ensemblearbeit im solistischen Bereich ist eine enorme Homogenität im Klangideal – um den Preis, dass sich mancher vielleicht hier und da prominentere Namen vorstellen könnte.

Immer wieder sieht Schütz in seinen geistlichen Konzerten verstärkend und kontrastierend einen etwas größer besetzten Vokalchor, den Komplementchor vor. Der wird vom Dresdner Kammerchor in geschmackvoll gebildeten, leicht und gelenkig wirkenden Registern gesungen, mit Frische und Agilität. Gemeinsam mit den Solisten ist die exzellente Arbeit an den Texten, vor allem mittels einer überaus natürlichen, vollkommen unangestrengt wirkenden und doch hochkonzentrierten Diktion, die auch in dichterem Satz und größerem Klang wunderbar mitzuvollziehen ist. Der Vortrag ist insgesamt unbedingt textgezeugt, übergreifend getragen von Vokalisten und Instrumentalisten, ohne sich freilich je in hektischer Überzeichnung zu ergehen.

Intoniert wird hervorragend, im solistischen Teil höchst lebendig und in freier Interaktion gemeinsam entfaltet, auch hier in fruchtbarem Zusammenspiel mit den Instrumenten: Die entfalten einen edlen klang in den obligaten Anteilen, delikat in der kontextuellen Entfaltung, luzide in der Präsentation, technisch höchst souverän. Doch sind nie auftrumpfende Gesten zu hören, wirken die instrumentalen Beiträge in Dienst genommen, kongenial die Texte explizierend, mit herausragenden Beiträgen vielleicht von Violinen, Zinken, vom Dulzian und der Posaunengruppe.

Hans-Christoph Rademann lässt das in einem frischen Grundpuls musizieren, mit großer Varianz textdeutend in viele Nuancen gehend. Dynamisch gewinnt das Geschehen aus den reich variierten Besetzungen ein farbenreiches Tableau, natürlich mit besonderen Stärken im Verhaltenen, dazu mit einer überaus geschmackvoll entfalteten, vitalen Kraft voller Sonorität.

Das Klangbild ist angenehm groß und wirkt zugleich konzentriert, versehen mit einem schönen Raumanteil, mit Strukturklarheit und Plastizität. Die Balance zwischen den einzelnen Anteilen ist gelungen. Im Booklet informiert Oliver Geisler einmal mehr verlässlich und pointiert; die Texte der Reihe zu lesen, ist ein stets wiederkehrendes Vergnügen. Vielleicht hätte man die Künstlerbiografien zugunsten der Einführung kürzen können.

Eine wunderbare Ensembleproduktion, musiziert in frischem Fluss. Rademann und seine Mitstreiter sind Schütz‘ in dieser Sammlung sich darbietender vielschichtiger Größe unmittelbar auf der Spur – gleichermaßen geprägt von gebändigter Größe und viel ambitionierte Arbeit an feinen Nuancen. Eine geschlossene, höchst niveauvolle Deutung, ganz ohne Pathos, aber auch alles andere als nüchtern.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schütz, Heinrich: Symphoniae Sacrae III

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Carus
2
02.10.2015
Medium:
EAN:

CD
4009350832589


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"In der gefeierten Gesamtaufnahme der Werke von Heinrich Schütz erscheinen in der zwölften Folge die Symphoniae sacrae III. Damit widmen sich der Dresdner Kammerchor unter Hans-Christoph Rademann, unterstützt von namhaften Solisten, einem wahren Gipfelwerk des deutschen Frühbarock. Kein geringerer als Johannes Brahms offerierte dem kunstverwöhnten Wiener Publikum des 19. Jahrhunderts mit "Saul, was verfolgst du mich?" eine regelrechte musikalische Sensation und belegte eindrücklich die Modernität der Werke von Heinrich Schütz. Noch heute sind die Symphoniae sacrae III in ihrer Fülle musikalischer Ideen, ihrer Klangpracht, Vielschichtigkeit und Sinnlichkeit immer noch ein Vermächtnis, dessen musikalische Macht darin besteht, zu überwältigen, aufzuwühlen, nachdenklich zu machen, zu verwundern und zu trösten."


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Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


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