> > > Christmas Carols of the World Vol. 1: Calmus Ensemble
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Christmas Carols of the World Vol. 1 - Calmus Ensemble

Weihnachten, überall


Label/Verlag: Carus
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Calmus Ensemble steht mit dieser Platte in einer durchaus nicht kurzen Reihe von Vokalformationen, die Weihnachtsmusik aus aller Welt auf der Spur sind. Das Ergebnis ist kurzweilig, abwechslungsreich und sehr niveauvoll.

Das Liederprojekt bei Carus, vor einigen Jahren von Cornelius Hauptmann initiiert, kommt in der Vorweihnachtszeit 2015 mit einem neuen, gehaltvollen Beitrag auf den Markt. Unter dem Titel ‚Weihnachtslieder aus aller Welt‘ singen das Leipziger Calmus Ensemble und das Berliner Athesinus Consort zwei geografisch und stilistisch weit ausgreifende Folgen ein.

Schon bislang war das Liederprojekt überaus verdienstvoll, mit seinem Ansatz, Familien und Kindern das Singen wieder näherzubringen, Hürden zu senken, ein reiches Angebot zu machen – mit Platten, Noten, didaktischen Hilfen, auch mit Spenden, die sich wesentlich aus dem ökonomischen Erfolg der Kinderlieder, Wiegenlieder oder Volkslieder speisten. Und die Liste der Teilnehmer war illuster, geprägt von den prominentesten Namen, immer auch waren Ensembles beteiligt. Allein, Christian Gerhaher 'Nun ruhen alle Wälder' auf unvergleichlich natürliche und doch höchst kunstfertige Weise singen zu hören, war ein kleiner Höhepunkt.

Nun sind die Weihnachtsplatten also je einem Ensemble anvertraut, eine gute Entscheidung, wirkt das Ergebnis doch konsistenter in jeder Hinsicht – die anderen Einspielungen waren gelegentlich schon etwas heterogen geraten.

Niveauvoll

Freilich kann das, was das Calmus Ensemble auf der ersten Platte da vorträgt, kaum zum Nachsingen anregen: Dazu sind die Interpretationen bei aller Natürlichkeit des Ensembleklangs einfach viel zu kunstvoll, sind die Arrangements zu komplex, ist auch das Repertoire zu weitläufig. Zu hören sind einige vermutlich jedem vertraute Klassiker wie 'Veni, veni Emmanuel', 'Es kommt ein Schiff geladen' oder 'Hört der Engel helle Lieder' und 'White Christmas'. Dazu tritt eine charmante Mischung von Liedern aus aller Welt, thematisch vom Advent bis zum Dreikönigstag reichend. Darunter sind echte Farbtupfer, wie das puertoricanische 'De tierra lejana venimos', dazu aus Peru 'Festejo de Navidad', das nordamerikanische 'Rise up, shepherd, and follow! ' oder 'Il est né, le divin enfant' aus Frankreich. Die Internationalität kulminiert schließlich in einer vielsprachigen, weit ausgreifend gesetzten Version von 'Stille Nacht'. Viele der attraktiven Arrangements stammen aus dem Kreis der Ensemblemitglieder, neben dem Bariton Ludwig Böhme auch vom Altus Sebastian Krause.

All das singt das Calmus Ensemble mit seinen seit langem vertrauten Qualitäten, als wunderbar harmonische Formation, durchaus mit einiger Individualität der Stimmen, aber immer perfekt verblendet. Intoniert wird vorbildlich, leicht und frei, exemplarisch nachzuhören in etlichen sehr souverän gesungenen, durchaus alles andere als eingängigen Modulationen. Artikuliert wird in großer Bandbreite, von agiler, sprachverspielter Kleinteiligkeit bis hin zu edelsten Lyrismen, wie sie zum Beispiel einige skandinavische Beiträge einfordern. Dynamisch bedient das Ensemble eine erstaunlich große Bandbreite – neben unzähligen feinen Nuancen gehen die fünf Vokalisten auch immer wieder in ein bemerkenswertes Risiko.

Unerreicht ist das Ensemble in seriöser Geste, auch humorbegabt ist die Formation unbedingt, exemplarisch zu erleben in 'The twelve days of Christmas'. Einzig die wirklich freie Entfaltung, zum Beispiel bei 'Rise up, shepherd, and follow! ' oder 'Hej, mitt vinterland' wirkt etwas gehalten, vielleicht der absoluten klanglichen Reinheit des vokalen Ansatzes geschuldet.

Zu vermelden ist schließlich die nahtlose Nachbesetzung der Bassposition: Da ist auf Joe Roesler Manuel Helmeke gefolgt .Und der knüpft stimmcharakteristisch unmittelbar an seinen Vorgänger an, mit körniger Kraft und schöner Tiefenpräsenz.

Es ist dies sicher eine besonders gelungene Fortsetzung des Liederprojekts. Das Calmus Ensemble steht mit dieser Platte in einer durchaus nicht kurzen Reihe von Vokalformationen, die Weihnachtsmusik aus aller Welt auf der Spur sind. Das Ergebnis ist kurzweilig, abwechslungsreich und sehr niveauvoll.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Christmas Carols of the World Vol. 1: Calmus Ensemble

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Carus
1
02.10.2015
Medium:
EAN:

CD
4009350830264


Cover vergössern

Carus

Der Name Carus steht weltweit als ein Synonym für höchsten Anspruch und Qualität auf dem Gebiet geistlicher Chormusik. Dies betrifft nicht nur unsere zuverlässigen Noteneditionen vieler zu Unrecht in Vergessenheit geratener Werke. Es ist uns ein besonderes Anliegen, gerade diese Werke - oft als Weltersteinspielungen - auch in exemplarischen Interpretationen durch hochrangige Interpreten und Ensembles auf CD vorzulegen. Der weltweite Erfolg unseres Labels führte zur Erweiterung unseres Katalogs: Neben der Chormusik, die weiterhin den Schwerpunkt des Labels bildet, haben gerade in den letzten Jahren einige Aufnahmen barocker Instrumentalwerke internationale Beachtung gefunden. Unsere Zusammenarbeit mit erstklassigen Interpreten führte zu einer hohen Klangkultur, die mit der Verleihung vieler internationaler Preise honoriert wurde (Diapason d'Or, Preis der Deutschen Schallplattenkritik, Gramophone - Editor's choice).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Carus:

  • Zur Kritik... Vorstellung einer großen Orgel mit Bach und Duruflé: Der Wiederaufbau der Frauenkirche ging einher mit dem Neubau einer Orgel. Sebastian Kummer stellt sie mit barocken und spätromantischen Werken souverän vor. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
  • Zur Kritik... Weihnachtliche Zweitverwertung: Das Calmus Ensemble macht diesen Querschnitt seiner sängerischen Qualitäten wegen sicher für Ersthörer attraktiv. Wer systematischer unterwegs und auf dem diskografischen Weg schon länger dabei ist, dem sei abgeraten. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Stecknadeln auf der Weltkarte: Eine entspannte Calmus-Platte – zum unverkrampften Kennenlernen für alle, die dieses großartige Ensemble bislang noch nicht erlebt haben sollten. Und für Kenner der Formation eine weitere Stunde Musik auf höchstem Niveau. Ein Genuss. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Carus...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Venedig da Camera: Roland Wilson und seine Musica Fiata mit einem anregend-lebendigen Bild mancher Stimme, die über Monteverdi hinausweist – und der Meister klingt mittendrin. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Verschlungene Wege: Enrico Onofri und sein Orquesta Barroca de Sevilla mit einer gelungenen Lesart von Pergolesis 'Stabat Mater', die sich wesentlich dem vokalen Glanz von María Espada und Carlos Mena verdankt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Konzentriert: Ein kompletter Kantatendreier in gerade vierzig Minuten Spieldauer, der es substanziell in sich hat: Bachs Musik ist bei Rudolf Lutz und seinen Ensembles der St. Gallener Bach-Stiftung in besten Händen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Herbe Tänze: Marek Szlezer legt beim Label Dux eine der Musik Karol Szymanowskis gewidmete Platte vor, die vor allem Mazurken enthält. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Venedig da Camera: Roland Wilson und seine Musica Fiata mit einem anregend-lebendigen Bild mancher Stimme, die über Monteverdi hinausweist – und der Meister klingt mittendrin. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Auf der Suche nach der rechten Orgel: Jean-Jacques Kantorows Saint-Saëns-Edition mit einem weiteren fulminanten Höhepunkt. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich