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Sonntag, 21. Januar 2018

Marais, Marin - Dialogues

Nicht nur etwas für Freunde der Gambe


Label/Verlag: Ramée
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein überzeugendes Plädoyer für den großen Gambisten Marin Marais.

"Die ersten Menschen, die sich bemühten, die menschliche Stimme mit Hilfe von Instrumenten zu imitieren, suchten sich das am besten dazu geeignete aus. Man kann nicht abstreiten, dass dies keinem Instrument je besser gelang als der Gambe." Dieses Zitat Jean-Jacques Rousseaus, der auch Gambe spielte, wird immer wieder angeführt, wenn es um die Musik von Gamben geht. Es ist auch von zentraler Bedeutung für die Interpretation von zwei Suiten Marin Marais' (1656-1728) durch die bekannten Gambisten Mieneke van der Velden und Wieland Kujiken, zu denen sich der Lautenist Fred Jacobs an der Theorbe für den Basso-continuo-Part gesellt.

Marin Marais war Schüler des wohl berühmtesten Gambisten überhaupt, von Sainte-Colombe, der Hauptperson des Filmes "Die Siebente Saite" von Alain Corneau, in dem es unter anderem um die siebte Saite geht, die Colombe angeblich als erster dem sonst sechssaitigen Instrument hinzufügte, um dessen Tonumfang zu erweitern. Marais' Stern strahlte bald ebenso hell wie der seines Lehrers. Er wurde 1675 Solo-Gambist an der Pariser Hofkapelle, die von Jean Baptiste Lully geleitet wurde, und wenig später Hof-Kammermusiker des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Während von Italien aus die Violinfamilie bereits ihren Siegeszug über die Gamben antrat, sorgte er für eine letzte große Blüte der Gambenmusik in Frankreich. Zwischen 1686 und 1725 veröffentlichte Marais - er hatte vom französischen König das Druck-Patent erhalten - fünf Bücher mit eigenen Kompositionen für ein bis drei Gamben. Das Besondere und für die Aufführungspraxis heute so Wichtige an diesen Veröffentlichungen war, dass er zu Beginn der Bücher genaue Spielanweisungen zu den verschiedenen Verzierungsarten gab, die er in den Noten peinlich genau notierte. Seine Anweisungen sind heute eine der bedeutenden Quellen für die Verzierungs- und Spielpraxis seiner Zeit.

Die beiden auf dieser CD eingespielten Suiten sind dem ersten Buch entnommen, das Lully gewidmet ist, und entstammen wohl der Zeit zwischen 1686 und 1689. Während sich die erste Suite ganz an der klassischen Satzfolge der französischen Suite mit ihren stilisierten Tanzsätzen orientiert, fügt Marais in der zweiten am Ende drei besondere Sätze an, die auch zu den interessantesten auf der CD gehören: Die 'Fantasie en écho' ist ein exakter Kanon der beiden Gamben im Abstand von einem Takt, die Chaconne über ein achttaktiges Bassthema ein wahrer Marathon der Variationskunst seiner Zeit und das 'Tombeau de M. Meliton' ein langsames Trauerstück für seinen Gambenkollegen Pierre Meliton mit ausgeprägter, schmerzhafter Vorhaltschromatik in Form einer recht freien, manchmal fast improvisiert wirkenden Fantasie.

Die drei Musiker entstammen alle der holländischen Alte-Musik-Szene, unterrichten dort an Hochschulen und sind weltweit in namhaften Ensembles aktiv. Bei ihrer Interpretation streben sie, passend zur singenden Melodik der französischen Sprache, ein perfektes Verschmelzen der Klänge an, wobei ihnen der hallige Kirchenraum der Koepelkerk im holländischen Renswoude sehr entgegen kommt. Das Ergebnis ist ein wunderbar obertonreiches Klangfest von zwei MeisterInnen der Gambe, die sich gekonnt die Melodiebälle zuspielen, sich imitierend folgen oder auch in perfekt aufeinander abgestimmter Artikulation gemeinsam agieren, sensibel getragen von den zurückhaltenden Klängen der Theorbe. Die einzelnen Tanzsätze folgen fast unmittelbar aufeinander, so dass sich ein mehr oder weniger durchgehender musikalischer Strom ergibt. Manchmal wünscht man sich vielleicht größere Charakterunterschiede zwischen den unterschiedlichen Sätzen, vor allem schärfere Akzentuierungen, klarere Artikulation kürzester Noten und etwas mehr Feuer, um der aufkommenden Eintönigkeit der Musik etwas mehr entgegenzusteuern. In den abschließenden drei ungewöhnlicheren Stücken sind diese Kontraste aber dann auch kompositorisch angelegt, so dass man die drei tollen Interpreten dafür wohl nicht verantwortlich machen kann.

Auch in seiner Grafik mit der Darstellung von zwei Gambenköpfen in verschiedenen Stellungen zueinander greift das Booklet die Thematik "Dialogues" sehr gut auf. Ein informativer dreisprachiger Booklettext rundet diese Aufnahme zu einem gelungenen Produkt ab, das nicht nur Gambenfreunden zum Kauf empfohlen werden kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Marais, Marin: Dialogues

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ramée
1
02.10.2015
EAN:

4250128514071


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Ramée

Das Label RAMÉE wurde im Jahre 2004 von Rainer Arndt gegründet.
In den ersten vier Jahren seiner Existenz hat sich RAMÉE bereits als eine vielbeachtete Marke am CD-Markt der Alten Musik etabliert. Etliche Veröffentlichungen des noch kleinen Katalogs haben das Lob von Fachpresse und Publikum gefunden und sind mit Preisen prämiert worden. Sechs bis acht »handverlesene« Produktionen pro Jahr des Ein-Mann-Betriebes konzentrieren sich vor allem auf selten oder noch nicht eingespielte Literatur der Alten Musik oder auf bekanntere Werke in neuen und ungewöhnlichen Interpretationen.
Dabei werden nicht nur höchste Ansprüche an die Aufnahme selbst gestellt, sondern ebenso an die graphischen und taktilen Eigenschaften der Hülle sowie an die literarische und wissenschaftliche Qualität des Textheftes: RAMÉE-CDs sollen poetische Objekte als Ganzes sein, denn das Vergnügen des Ohres ist untrennbar mit dem des Auges und der Hand verbunden. Eine Edition für anspruchsvolle Liebhaber guter Musik!


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