> > > Playtime!: Werke für Schlagzeug von Bongartz, Reich, Willow u.a.
Mittwoch, 26. September 2018

Playtime! - Werke für Schlagzeug von Bongartz, Reich, Willow u.a.

Exotisches für Neugierige


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das vielversprechende Debut von Sabrina Ma, der Preisträgerin des Deutschen Musikwettbewerbes von 2013, weist sie als erstklassige Perkussionistin aus und präsentiert gleichzeitig die enorme Vielfalt, die sich hinter der Bezeichnung Schlagwerk verbirgt.

Dass die allseits geläufige Bezeichnung ‚Schlagzeug’ etwas völlig anderes bzw. nur einen Bruchteil dessen definiert, was die zu Perkussion bzw. Schlagwerk gehörigen Instrumente zu bieten haben, dürfte zwar nicht allen potentiellen Hörern, doch zumindest den meisten regelmäßigen Konzertbesuchern bekannt sein. So steht es außer Frage, dass die Bezeichnung ‚Perkussion’ eine weitaus größere Vielfalt an Instrumenten, Spielweisen und Klangfarben vereint. Dennoch genießt das Schlagwerk sicherlich nicht die gleiche Position im Orchester, die andere Instrumentengruppen für sich beanspruchen, wie vor allem Streicher, Holz- und Blechbläser. Der Grund dafür scheint auf der Hand zu liegen: So vielseitig die perkussiven Instrumente sein mögen und so eindrucksvoll sie in vielen Orchesterwerken eingesetzt werden - als Soloinstrument sind sie, wenn überhaupt, nur in Ausnahmefällen zu hören. Auf diese Weise rückt der gesamte Apparat an Schlaginstrumenten automatisch in die Ecke der Begleitung, der rhythmischen und klanglichen Unterstützung, die zwar mit Respekt und nicht unbeträchtlichem Hörvergnügen wahrgenommen wird, jedoch nie ganz aus dem Schatten jener Instrumente heraustritt, deren Spieler im Konzert als virtuose Solisten hervorstechen.

Sabrina Mas Debüt-CD, die im 2014 im Label Genuin Classics erschienen ist, schafft es, die perkusssiven Instrumente aus genau jenem Schattendasein herauszuholen und sie mit den bekannteren Soloinstrumenten auf eine Ebene zu stellen. Mit beeindruckender Virtuosität, einem Feuerwerk verschiedener Klangfarben und Ausdrucksmittel zeichnet sie ein Porträt des Schlagwerks, mithilfe dessen viele Hörer ihre bisherige Einstellung dieser Instrumentengruppe gegenüber von Grund auf revidieren bzw. neu überdenken könnten.

Durchdachte Dramaturgie

Den Zuhörer dieser Debüt-CD erwarten sowohl spannende und ausgefallene Klangkombinationen als auch eine sorgfältig ausgeklügelte Dramaturgie. Bereits das erste Stück von Markus Bongartz vereint mit Perkussion und Cembalo zwei ebenso unterschiedliche wie charakteristische Instrumente und schlägt so eine Brücke zwischen Alter und Neuer Musik. Unmittelbar nach diesen ersten Schritten ins musikalische Neuland versetzt Sabrina Ma den Hörer mit Steve Reichs 'Nagoya Marimbas' in eine minimalistische Klangwelt, die den Charakter einer Meditation heraufbeschwört und die Gedanken kreisen lässt, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Ein drittes hier hervorzuhebendes Werk ist der kompositorische Beitrag der Sängerin Rilli Willow, der schon dadurch hervorsticht, dass er zweimal ertönt, wenn auch das erste Mal nur in einem kleinen Ausschnitt. Auch klanglich weicht 'Havana' deutlich von den anderen Stücken ab, zumal es sich um ein israelisches Lied handelt, das speziell für diese Aufnahme für Stimme, Gitarre, Schlagzeug und Vibraphon arrangiert wurde. Dieses Lied nimmt eine Sonderstellung in der Gesamtdramaturgie ein, zumal es der bisherigen Präsentation einerseits eine neue klangliche Komponente hinzufügt, gleichzeitig aber eine vertraute Atmosphäre heraufbeschwört und es dem Zuhörer dadurch leichter macht, Beziehungen herzustellen zwischen bekanntem und unbekanntem musikalischen Terrain.

Herausforderung für Spieler und Zuhörer

Die enorme Vielfalt der hier präsentierten Werke und die Zielsetzung, die Aufmerksamkeit des Zuhörers permanent zu fesseln, setzen sowohl in die Solisten als auch in die Rezipienten große Erwartungen. Sabrina Ma erweist sich als hochtalentierte Perkussionistin, die sämtliche Facetten der von ihr gespielten Instrumente bis ins kleinste Detail auszuloten versteht und sich besonders im Ensemblespiel ebenso gut solistisch wie kammermusikalisch in Szene zu setzen weiß. Besonders beeindruckend ist die Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten und die oft ungeahnte Zartheit des Klangs, die es ihr erlaubt, dem Zuhörer auch feinste Nuancen zu präsentieren.

Auch für den Zuhörer ist die vorliegende Aufnahme eine Herausforderung. Wer auf der Suche nach einer Musik ist, die er nebenbei hören und sich einfach von ihr berieseln lassen kann, wird von dieser CD vermutlich überfordert sein. Um die Musik wirklich genießen zu können und all ihren spielerischen Feinheiten gerecht zu werden, erfordert es sowohl ein hohes Maß an Konzentration als auch die Bereitschaft, sie sich mehrmals anzuhören. Wer sich aber auf diese avanciertere Art des Hörens einlässt, wird nicht nur seinen musikalischen Horizont beträchtlich erweitern können, sondern letztlich auch hinsichtlich des klanglichen Genießens voll auf seine Kosten kommen.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Playtime!: Werke für Schlagzeug von Bongartz, Reich, Willow u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
06.11.2015
EAN:

4260036253610


Cover vergössern

Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Genuin:

  • Zur Kritik... Glaubens-Bekenntnisse: Restlos überzeugend: Der junge Dirigent Risto Joost inszeniert mit dem MDR Rundfunkchor eines der bedeutendsten Zeugnisse russischer Kirchenmusik. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Schweizer Schwelgen: Ein warmer samtiger Streicherklang und eine ausbalancierte Melancholie. So klingt das Schweizer Kammerorchester I Tempi, das mit seiner zweiten Einspielung ein Statement abgibt: für Othmar Schoeck, einen verkannten Spätromantiker. Weiter...
    (Dr. Eckehard Pistrick, )
  • Zur Kritik... Jenseits der Routine: Vielfalt und programmatischer Wagemut kennzeichnen die Debüt-CD der jungen Sängeirin Katharina Konradi. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Genuin...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Uta Swora:

  • Zur Kritik... Blick über den musikalischen Tellerrand: Wer die Blockflöte und ihre musikalischen Möglichkeiten einmal von einer komplett anderen Seite kennenlernen möchte, liegt mit der hervorragenden Einspielung des Berliner Blockflötenorchesters unter der Leitung von Simon Borutzki genau richtig. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Musikalische Liebeserklärung: Selten erlebt der Hörer ein so gelungenes Zusammenspiel von technischer Brillanz, künstlerischer Meisterschaft und hörbar nachvollziehbarer Spielfreude wie bei dieser Interpretation von Beethovens Cellosonaten. Ein einzigartiges Hörerlebnis! Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
  • Zur Kritik... Eigenwillig: Das Russian National Orchestra präsentiert eine gelungene Einspielung der Vierten und Zehnten Sinfonie Schostakowitschs, die von hohem musikalischen Niveau und einer enormen Bandbreite im Ausdruck zeugt und interpretatorisch Mut zu neuen Wegen beweist. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Uta Swora...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Ein bunter Strauss: Werke für und mit Oboe von Richard Strauss, gespielt mit einem klassizistischen Lächeln. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Ungleiche Partner: Mit dieser CD gibt Yannick Nézet-Séguin eine frühe Visitenkarte seines Könnens ab. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Sinfonischer Kreis: Beethovens Sinfonien im Real Surround Sound: ein faszinierendes Klangbühnenerlebnis. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2018) herunterladen (3001 KByte) Class aktuell (3/2018) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Heitor Villa-Lobos: Ciclo Brasileira - Festa no Sertao

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich