> > > Górecki, Henryk: The Symphony of Sorrowful Songs
Freitag, 15. November 2019

Górecki, Henryk - The Symphony of Sorrowful Songs

Gegen Elend und Not


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tony Palmers Film über Henryk Gorecki und seine 'Sinfonie der Klagelieder' kann den hybriden Ansatz seiner Musikfilme diesmal nicht in künstlerisches Potential umwandeln.

Als Henryk Góreckis Dritte Sinfonie op. 36 (1976) ab 1992 (nicht nur) auf dem Klassikmarkt für mehrere Monate an der Spitze der Charts für Furore sorgte, errang der bis dahin fast gänzlich unbekannte polnische Komponist auf einen Schlag eine beachtliche Reputation (wenn auch bis heute fast ausschließlich die Reputation eines ‚Ein-Werk-Komponisten‘). Das Feuilleton hat auf die ‚Easy Listening‘-Aspekte der Partitur ebenso verächtlich herabgeblickt wie die Fans die Musik bewundert haben, und diese ‚Hassliebe‘ zwischen den Polen Kritik und Publikum hat die Musik selbst in den Hintergrund treten lassen.

Anders als die Apologeten behaupten, ist der primär meditative Charakter der Musik (für Orchester und Sopransolo) keineswegs einmalig, auch nicht erstmalig – hier kam nur erfolgreiches Marketing hinzu. Zusammen, das sollte man aber auch nicht vergessen, mit einem durchaus wertigen musikalischen Konzept, das ohne Marketing vielleicht nicht so erfolgreich gewesen wäre, aber musikhistorisch durchaus auch seinen Platz gefunden hätte. Henryk Górecki hat seine Dritte Sinfonie 'Symfonia pieśni żałosnych' (Sinfonie der Klagelieder) genannt; in ihren Texten stehen die Themen Krieg und Tod im Zentrum. Góreckis Musik ist zutiefst spirituell-emotional, nicht ganz fern etwa seinem Zeitgenossen Andrzej Panufnik. Beide Komponisten haben sich intensiv mit dem nationalsozialistischen Terror in Polen befasst, die Ergebnisse sind jeweils zutiefst mitreißend.

Kein Wunder, dass der englische Filmemacher Tony Palmer (berühmt nicht nur für sein legendäres ‚Wagner‘-Epos mit Richard Burton und Vanessa Redgrave, sondern auch für filmische Dokumentationen zu zahlreichen Komponisten und Interpreten), 1993 diesen Aspekt zum Ausgangspunkt einer dokumentarischen Erkundung der Sinfonie macht. Er unterlegt teilweise die Musik mit Worten (mit Originalbeiträgen vor allem aus der Perspektive des Komponisten), ergänzt die musikalischen Eindrücke durch visuelle. Dass er damit der Musik auch etwas von ihrer evokativen Kraft nimmt, ist nicht zu vermeiden, doch stand hier eine der bedeutendsten Interpretation des Werkes zur Verfügung, so dass der Schaden überschaubar bleibt. Die Amerikanerin Dawn Upshaw, bekannt für ungewohntes und problematisches Repertoire, war damals auf dem Höhepunkt ihrer Fertigkeiten, und auch über die künstlerischen Fähigkeiten der London Sinfonietta (unter der Leitung von David Zinman) können nicht die geringsten Zweifel bestehen. Die auf Elektra/Nonesuch erschienene Tonaufnahme ist völlig zu Recht legendär – wenn auch sicher nicht die einzige mögliche Lesart (polnische Interpreten etwa konzentrieren sich noch stärker auf den Wortgehalt der Komposition). Wie weitgehend die Interpreten sich in dieser filmischen Version ‚visuell selbst synchronisieren‘, ist nicht recht nachvollziehbar; dass dies kongenial geschieht, sei hier nur am Rande erwähnt.

Tony Palmer erkundet Góreckis Leben und Denken visuell, setzt Bild und Musik zueinander in Beziehung, beschwört die Leiden in Vergangenheit und Gegenwart ebenso wie den tiefen Katholizismus ihres Schöpfers. ‚Meine Symphonie ist nicht über Auschwitz‘, hat Górecki betont: ‚Schauen Sie um sich herum, auf die hungernden Millionen in Afrika, auf das andauernde Gemetzel in Bosnien‘. Die Schauplätze mögen sich seither wiederum verändert haben – die Thematik bleibt doch leider stetig schmerzhaft aktuell.

Dies gilt nicht für Palmers Film, dem man das überschaubare Budget deutlich anmerkt. Das ist keine verfilmte Aufführung, keine Dokumentation im eigentlichen Sinne, auch kein Spielfilmkonzept – und durch diese problematische Konzeption, die Palmer häufig bemüht hat (und zumeist dann am erfolgreichsten war, wenn er sich möglichst weit von der reinen musikalischen Aufführung absetzen konnte), bleibt ein eindeutiges Ziel aus, müssen die unterschiedlichen roten Fäden notgedrungen einander die volle Schlagkraft nehmen. Hierdurch beeinträchtigt sich der Film sozusagen immer wieder selbst, wird weder zum reinen filmischen Manifest gegen Elend und Not, noch zur musikalisch vertieften Erkundung noch zum ‚Biopic‘.

Wie leider allzu üblich, fehlen im Booklet der DVD die Gesangstexte, aber ebenso die Details der Tonaufnahme ebenso wie der Verfilmungshistorie. Auch sonst ist die Ausstattung der DVD mehr als betrüblich; der Booklettext stammt nicht etwa vom Filmemacher selbst, ist daher weder autoritativ noch wirklich informiert und dem Film angemessen.


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    Górecki, Henryk: The Symphony of Sorrowful Songs

Label:
Anzahl Medien:
Arthaus Musik
1
Medium:
EAN:

DVD
807280913194


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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