> > > Lehár, Franz: Die lustige Witwe
Montag, 20. Mai 2019

Lehár, Franz - Die lustige Witwe

Diese sehr ernsten Scherze


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie in allen großen Opern gilt: Die Partitur ist klüger als das Buch.

'Die lustige Witwe' ist durchaus erträglich, zumal in pantomimischer Verdichtung. Den Nachweis führt Ronald Hynd mit The National Ballett of Canada (1987). Ermanno Florio dirigiert das zugehörige Orchester.

Das Tutti ist nicht Samt und Seide. (Wer solches wünscht, findet sein Glück in der Wiener Aufnahme John Eliot Gardiners.) John Lanchberys ‚sinfonische Adaption‘ hat aber mancherlei Vorzüge – wo Lippen (endlich!) schweigen, fällt das Libretto nicht mehr zur Last. Der Blick auf Lehárs intrikate Instrumentierung wird geschärft: Wagners Harmonik, genialisch durchlichtet. Auch Lehárs böser Witz tritt hervor.

Rubato-Feinsinn darf man nicht erwarten, die Tempi sind jedoch geschickt gewählt – verständlich wie tanzbar. Die Proportionen leuchten ein, die Fugen sind geölt. Übergänge werden diskret formuliert, ohne blöde Deutlichkeiten. Ohne Hintersinn, Zögern und Zweideutigkeit wäre 'Die lustige Witwe' nichts wert.

Ronald Hynds Choreographie ist Lehár kongenial. Manches kommt scheinbar naiv und plüschig daher, zumal die 'Rosenkavalier'-Kulisse. Die k-u-k-Klamotten der Tänzer sind lachhaft, doch stilvoll. Anderes erinnert an spastische Ganzkörper-Komik und Slapstick nach Art Herbert Fritschs. Der Spagat zwischen launigem Vergnügen und parodistischer Schärfung wird gemeistert. Die Protagonisten – Karen Kain (Witwe), John Meehan (Danilo), Yoko Ichino (Valencienne), Raymond Smith (Camille) – und alle comprimarii bieten geistig waches, durchsichtiges Körpertheater.

Gestische Klischees sind die Nemesis allen Opern- und Operettentheaters. Hier werden sie ‚zitiert’, niemals aber mit Ausdruck verwechselt. Die Körper ‚sprechen‘ Lehár. Wer ihn als Schmähtandler. Falschmünzer, Narren verachtet, wird eines Besseren belehrt.

Norman Campbell verantwortet die Bildregie, unterstützt und überwacht von Hynd. Die Kamera fällt nicht auf – so soll es sein. Arthaus steuert eine Verpackung im Retro-Look bei – ein Missverständnis, vielleicht dem Desinteresse des Labels geschuldet, dennoch ein Glücksfall: Der Ehrgeiz der Designer wurde gebändigt.

Kurzum: John Lanchberys und Ronald Hynds sinfonische Pantomime destilliert die Essenz der 'Lustigen Witwe'. Wer auf Lehárs melodische Seligkeiten, sein blasphemisches Gelächter nicht verzichten mag, wird reich beschenkt. Tiefsinn und Komik sind ein und dasselbe.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Lehár, Franz: Die lustige Witwe

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
30.10.2015
EAN:
807280912999

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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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