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Sonntag, 21. Juli 2019

Best Wishes from Luciano Pavarotti - Opern von Puccini und Verdi

Aus einem Totenhause


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fehlt, leider!, nur das geistige Band.

Diese (Re-)Produktion ist ein Rätsel. Arthaus hat drei DVDs zusammengefügt: 'La Bohème' und 'Aida' (San Francisco 1988 und Mailand 1985) sowie 'The Aida File': eine ‚Filmdokumentation über Verdis berühmteste Oper‘ (1988). In allen drei Fällen kommt Luciano Pavarotti zu Gesicht und Gehör. Es handelt sich um Dokumente seiner letzten (künstlerischen) Schaffensphase. Die Stimme mag den jugendlichen Strahl der frühen Jahre eingebüßt haben – sie ist intakt. Dank blendender Technik sind Intonation, Agilität und Diktion über Jahrzehnte erhalten geblieben.

Der Menschendarsteller Pavarotti konnte tiefer nicht sinken – die tumben Inszenierungen in San Francisco oder Mailand fordern sein schauspielerisches Unvermögen nicht heraus. Beides sind Totenhäuser – gemessen an gedanklicher Durchdringung und szenischer Interaktion. In dieser 'Bohème' und 'Aida' wanken Schmierendarsteller über die Bühne, grotesk drapiert und geschminkt. Leichen haben mehr Leben.

Ein trauriger Tiefpunkt: die Szenen mit Mirella Freni (Mimi). Mag diese stimmlich und gesanglich exzellieren – im Jahre des Herrn 1988 könnte Freni längst Großmutter sein. Wie sie wächsernen Angesichts, hilflos gestikulierend über die Bühne taumelt, ist böse Satire. Frenis Mimik stünde einer Cartoonfigur gut zu Gesicht.

Tiziano Severini führt den Taktstock. Die amerikanischen Musiker bemühen sich redlich. Schlagkraft und rhythmische Härte, Phrasierungsintelligenz, harmonische Luzidität – solches darf man nicht erhoffen.

Das Scala-Orchester unter Lorin Maazel lässt mit den ersten feingesponnenen Takten 'Aidas' erkennen, dass Großes beabsichtigt wird. Hier ist man erfolgreich um sinnvolles Artikulieren, dramatische Dispositionskunst, um Gleichgewicht der Stimmen und alchimistische Farbmischungen bemüht.

Auf Seiten der Regie dürfen keine geistigen Aspirationen vorausgesetzt werden. Hier sind derbe Schnitzer zu beklagen. Personenführung findet nicht statt. Ein wenig Nacktheit ist das Einzige, was an modernes Musiktheater erinnert. Kurzum: Eine Beleidigung für das Auge, mehr noch das Hirn.

Die klangliche Erscheinung ist achtbar. Ein Booklet sucht man vergebens. (Allein was könnte dort geschrieben stehen?) Mehr als den Namen Pavarottis braucht es nicht. Die gefühlte Fünftverwertung dieser traurigen Dokumente dürfte einträglicher sein als die meisten noch so ehrenvollen Neuproduktionen.

Die beigegebene Dokumentation kann das Ganze nicht retten. Der erste Satz des Machwerks lautet: ‚Aida ist eine große Oper, weil sie vollkommen ist. In unserer Gegend sagt man: 'Aida' ist wie ein Schwein, man kann alles gebrauchen.‘ So Pavarotti. Immerhin – dieses Niveau wird nicht unterboten.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Best Wishes from Luciano Pavarotti: Opern von Puccini und Verdi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
3
30.10.2015
Medium:
EAN:
DVD
807280179095

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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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