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Mittwoch, 29. Januar 2020

de Raaf, Robin - Waiting for Miss Monroe

Marilyn at the Opera


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


'Waiting for Miss Monroe' hat in Amsterdam 2012 hoffentlich nicht die letzte Produktion erlebt. Bis ein anderes Haus de Raaffs Oper herausbringt, darf der vorliegende Audiomitschnitt als reizvoller Teaser für diese fraglos repertoirefähige Oper dienen.

Marilyn Monroe wird zur Opernheldin – zumindest als Titelfigur in der 2012 in Amsterdam uraufgeführten Oper 'Waiting for Miss Monroe' von Robin de Raaff. Der Mitschnitt der Uraufführung mit einer überragenden Laura Aikin als Marilyn ist nun auf zwei SACDs bei Challenge erschienen.

Das Libretto von Janine Brogt ist dramaturgisch klug gebaut. Es will vor allen Dingen kein biografischer Abriss des sexy Filmstars Marilyn Monroe sein, wenngleich einige historisch wichtige Persönlichkeiten die Bühne bevölkern. Das Werk begibt sich viel eher auf die Suche nach den seelischen Abgründen einer jungen Frau, die dem eigenen Klischee nicht entfliehen kann, und die zudem ein Opfer der sie umgebenden Männerwelt wird. Ihr wirkliches Seelenleben vertraut sie – wie auch die wahre Monroe – einzig einem Tonbandgerät an. Dies sind auch die Momente, in denen de Raaffs Oper dem Zuhörer spürbar unter die Haut geht, ebenso Marilyns Selbstmord, der durch eine Begegnung mit ihrem jüngeren Ich eine intensive Steigerung erfährt. "Everything was just beginning" – mit diesen Worten endet das Leben der Bühnen-Monroe.

Laura Aikin wirft sich mit vollem Einsatz in die Gestaltung und Interpretation der weltberühmten Blondine. Ihre tragfähige und überraschend tiefe Sprechstimme ist ein wunderbarer Kontrast zu den exaltierten Höhenflügen und Koloratureskapaden, die ihr der Komponist vermutlich in den Hals komponiert hat. Bei Aikin klingt de Raaffs technisch anspruchsvolle Musik wie ein Kinderspiel, gemeistert mit einer unvergleichlichen Natürlichkeit und beeindruckender Souveränität. Sinnfällig erscheint Aikins Entscheidung, eben nicht den sanft hauchigen Monroe-Klang zu imitieren, sondern der jungen Frau eine wahre Opernstimme zu verleihen. Marilyn wird so zum singenden Menschen aus Fleisch und Blut und bleibt doch eine klare Kunstfigur, der kein wie auch immer geartetes Realitätspotenzial abverlangt wird, das sie nicht bieten kann. Marilyn Monroe war einmalig – Laura Aikin ist es auch.

Die Musik, die Robin de Raaff für seine Marilyn-Oper geschrieben hat, kommt mit relativ traditionellen Mitteln aus, ist beileibe kein experimentelles Musiktheater. De Raaff zitiert unbefangen, schneidet wirkungsvolle Kontraste gegeneinander und schafft Klangräume, die Seelenzustände widerspiegeln. Er lässt die Musik aber auch immer wieder schweigen, um dem gesprochenen Wort das Ruder zu überlassen. Das ist gerade beim Hören auf Tonträger von besonderem Vorteil, weil die Textverständlichkeit in diesen Passagen konsequenterweise zunimmt und man der Handlung besser folgen kann – wobei alle Sänger ohnehin um eine klare Diktion bemüht sind.

Steven Sloane geht am Pult des Netherlands Chamber Orchestra mit hörbarem Engagement vor. Sein großes Verdienst ist die enorme Durchsichtigkeit des Orchesterklangs, der den Sängern ein relativ entspanntes vokales Agieren ermöglicht und gleichzeitig der effektvollen Farbdifferenzierung von de Raaffs Partitur gerecht wird.

Es sei an dieser Stelle nicht verschwiegen, dass 'Waiting for Miss Monroe' zu einem gewiss großen Anteil von der Visualisierung des Bühnengeschehens lebt. Als pures Hörstück funktioniert die Oper nur bedingt, da die recht schnelle musikalische Dialogstruktur äußerste Konzentration erfordert und lyrische Passagen, die einen länger andauernden Blick ins Innere der Figuren bieten können, an nur wenigen Punkten auftauchen. Ein gut funktionierendes Bühnenwerk zu sein, ist sicherlich kein Nachteil für eine neue Oper. Auf CD wird dem Hörer aber, stärker als bei anderen Opern, das Fehlen einer wichtigen Komponente bewusst. Schade, dass keine Veröffentlichung auf DVD realisiert wurde, denn die zahlreichen Fotos der Uraufführungsproduktion im Booklet machen Lust auf mehr, ebenso der entsprechende Internet-Trailer der Dutch National Opera.

Neben der starken Laura Aikin, ist auch das weitere Sängerensemble hochkarätig besetzt. Tom Randle als klangschöner Joe DiMaggio, John Tessier und Daniel Belcher beeindrucken mit stimmlicher Präsenz als Jack und Bobby (später auch als die Kennedy-Brüder) und mit dem exzellenten Countertenor David DQ Lee wird die Partie des Whitey zum wahren Kabinettstückchen. Als Clark Gable kommt Alain Coulombe zum Einsatz, Maria Kowan singt die Eve und Hendrickje van Kerckhove gibt mit glockenklarem Sopran am Ende der Oper die junge Marilyn, dass es dem Hörer bei all dieser hoffnungsvoll  klingenden Unschuld einen Schauer über den Rücken jagt. Dass Dale Duesing als Filmproduzent Fox auf den erschreckend abgesungenen Resten seiner einst wohltönenden Stimme laboriert, ist zwar traurig, verleiht dem ekelhaftem Charakter seiner Bühnenfigur aber eine passende Note. Dafür sorgt die Mezzosopranistin Helena Rasker als Paula für vokale Glücksgefühle.

'Waiting for Miss Monroe' hat in Amsterdam 2012 hoffentlich nicht die letzte Produktion erlebt. Bis ein anderes Haus de Raaffs Oper herausbringt, darf der vorliegende Audiomitschnitt als reizvoller Teaser für diese fraglos repertoirefähige Oper dienen.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    de Raaf, Robin: Waiting for Miss Monroe

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Challenge Classics
1
09.10.2015
Medium:
EAN:

SACD
608917268522


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


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