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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Silvestrov, Valentin - To Thee We Sing

Legatowunder


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Chormusik von Valentin Silvestrov: Es ist dies eine sehr lichte geistliche Musik, der nichts Schweres eignet. Das singt der Lettische Radiochor ganz exzellent. Und er vollbringt wahre Legatowunder.

Die aktuelle Platte des famosen Lettischen Radiochors unter der bewährten Leitung von Sigvards Kļava ist dem geistlichen Werk des ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov (geb. 1937) gewidmet. Silvestrov kam auf Umwegen zum Komponieren, reüssierte mit seiner Musik relativ früh im Ausland, war in der Sowjetunion durchaus Kritik und Problemen ausgesetzt. Frühe Phasen seines Schaffens widmeten sich avantgardistischen Ansätzen, später, besonders nach dem Ende der Sowjetunion, wandte sich Silvestrov auch älteren Kontexten zu, fand zum geistlichen Komponieren, integrierte Melodiosität und Sonorität wieder deutlicher in seine Arbeit, durchaus ins Symbolische geweitet, getragen von einer Ästhetik des Echos – Silvestrov sieht seine Musik als Echo auf das, was bereits in der Welt existiert.

Zu hören sind auf der aktuellen Platte des Lettischen Radiochors Werke, die zwischen 1995 und 2006 entstanden sind: Geistliche Gesänge, zwischen drei und acht Minuten lang, oft auf Gebetstexte, dazu auf ein Poem des ukrainischen Nationaldichters Taras Shevchenko. Sie sind sämtlich sehr zugänglich, klangsinnlich, mit viel schwebender Harmonik in vexierbildhaften Wechseln, mit oft profunden Liegetönen als Konstanten. Silvestrovs Tonsprache wirkt oft diskret, nicht auf Affekt und Konkretion hin abzielend, eher Stille, Kontemplation und Andacht suchend. Vereinzelt sind Summchöre unter einer Solostimme zu erleben, die die Kitschgrenze zumindest in Sichtweite geraten lassen. Doch sind Silvestrovs Sätze nie flach; man hört eine dezidiert und nie zu breit, zu üppig setzende, in der Wahl der Mittel sichere kompositorische Stimme. Und auch das romantisierende Moment wirkt – trotz möglicher Einwände – gut dosiert und zutreffend disponiert.

Experten und Legatokünstler

Diese Chormusik von Valentin Silvestrov ist allerdings auf Interpreten vom Range des Lettischen Radiochors angewiesen, um sicher im Feld des Seriösen zu bleiben, um oben erwähnte Grenze nicht zu überschreiten. Denn in diesem beständigen, sehr langsamen Fluss, braucht es Meister edelster Legatokultur, die in der Lage sind, endlose Bögen zu spannen und die zugleich im verhaltenen dynamischen Bereich perfekt kontrolliert und reich differenziert zu singen vermögen. All das tut der Chor souverän, entfaltet sein nobles Stimmmaterial zu einem höchst kultivierten, auch intonatorisch rundum überzeugenden Ensembleklang. Die charaktervollen Register sind konzentriert und leicht – dass die Formation auch über eine respektable Kraftentfaltung gebietet, muss man sich allerdings aus der Kenntnis früherer Platten in Erinnerung rufen, Silvestrov fordert diesen Teil chorischer Expressivität praktisch nicht ein. Besondere Erwähnung verdient das gewaltige Bassfundament, das die oft zarten Klangfolgen mit stupender Sonorität grundiert. All das wird in einem Klangbild von erfreulicher Präzision realisiert, das zugleich ansprechend erwärmt wirkt und von einer sehr schönen räumlichen Korona überwölbt wird.

Es ist dies eine sehr lichte geistliche Musik, der nichts Schweres eignet. Das singt der Chor ganz exzellent, ist aber – das ist die einzige Einschränkung von Belang – im Grunde über weite Strecken nicht in allen seinen Möglichkeiten gefordert. Dass die Letten in der Lage sind, wahre Legatowunder zu vollbringen, zeigt die Platte aber eindrucksvoll.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Silvestrov, Valentin: To Thee We Sing

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
09.10.2015
Medium:
EAN:

CD
761195126653


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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