> > > Veverka, Vilem spielt: Oboenkonzerte von Vivaldi, Bach & Telemann
Sonntag, 22. Juli 2018

Veverka, Vilem spielt - Oboenkonzerte von Vivaldi, Bach & Telemann

Ein Volltreffer, wenigstens zum Teil


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Prager Ensemble 18+ begleitet in vorliegender Einspielung barocke Oboen-Konzerte mit dem Solisten Vilém Veverka.

Das dominant erscheinende Kammerorchester 18+ lässt im 'Allegro' von Vivaldis Concerto F-Dur dem tschechischen Solisten kaum dynamischen Spielraum. An technischer Präzision mangelt es kaum. Eher stört die dichte Spielweise des Ensembles und des Cembalos, welche eine musikalische Transparenz eines so ‚wilden‘ technischen Satzes unmöglich macht. Das gleiche massige Verhalten hört man im dritten Satz des Concertos. Wie ausgewechselt wirkt das Ensemble 18+ im zweiten Satz, dem 'Largo'. Hier reagieren die Violinen sensibel auf jede agogische Richtung des Oboisten Vilém Veverka. Seine langen Spannungsbögen wirken durchdacht und werden nie von Atempausen gestört. Oftmals sind Geräusche nebst dem silbernen, brillanten Oboenton zu hören. Allerdings sind in den feinen Passagen des 'Largo' auch Gurgelschläge des Solisten nicht zu überhören. Auch im Konzert von Georg Philipp Telemann sind an ausgedünnten Stellen leise Pfeifgeräusche, durch das Doppelrohrblatt verursacht, zu hören.

Ein Moll-Konzert schrieb Antonio Vivaldi gleich für zwei Oboen. Zusammen mit Dominik Wollenweber soliert Vilém Veverka in den vier Sätzen von Vivaldis Werk. Die beiden Solisten scheinen beide getrieben von den drängenden Triolen des Cembalos. Im Gegenzug versucht die Basslinie des Ensembles den Solisten zu folgen, was einen recht unausgeglichenen Eindruck hinterlässt. Die vier Sätze 'Largo', 'Allegro', 'Largo' und 'Allegro molto' scheinen wie in einem Metrum gehalten, wobei das zweite 'Largo' sehr harmonisch daherkommt. Die Solisten phrasieren in klarer Weise Motiv für Motiv, und man wünscht sich, dass die von ihnen gespielten Spannungsbögen nie enden. Die Oboentöne fließen ineinander, als ob sie von einunddemselben Musiker stammen würden. Einmal zusammengeflossen, wachsen die Klänge im Kern und entfalten eine ganz warme, schmeichelnde Farbe.

Einer der größten ‚Konkurrenten‘ Vivaldis war Johann Sebastian Bach. Der prominenteste Vertreter der Musikerfamilie Bach und einer der bedeutendsten Musiker überhaupt ist auf der Einspielung mit dem Konzert in F-Dur vertreten. Technische Partien werden von Solist wie vom Ensemble rund gespielt. Die eher maschinelle Spielweise von schnellen Sechzehnteln, wie es in den Konzerten c-Moll und F-Dur von Vivaldi der Fall war, sind in den Werken von Bach nicht vorhanden. Mit einer angemessen ‚trägen‘ Spielweise des Ensembles wird die Traurigkeit des zweiten Satzes 'Siciliano' optimal unterstrichen. Kontrabass und Cembalo prägen die gedämmte Stimmung und sind sich hier in der Interpretation durchaus einig. Der Solist Vilém Veverka unterstreicht mit der passenden Portion Musikalität den Schmerz des Satzes. Mit einer dynamischen Steigerung bringt Veverka den Schmerz an den Höhepunkt, der wie ein Messerstich in den Gliedern stecken bleibt. Das Ensemble 18+ führt die harmonische ‚Qual‘ ausdrucksvoll zu Ende. Der Zauber dieses Satzes bleibt als absoluter Höhepunkt der Platte in Erinnerung.

Aufgenommen in einer evangelischen Kirche in Prag sind die eingespielten Konzerte klanglich eine Wonne. Die deutlich abgebildete Räumlichkeit sowie Direktheit des Klangs lässt kein Versteckspiel zu. Daher sind leider manch wundervolle musikalische Momente von Luftgeräuschen oder Gurgelschlägen gestört. Die Musiker gehen beherzt zu Werke, teils fast extrem. Zum Teil ist das ein Volltreffer, zum Teil leider aber auch nicht.

Marina Brunner Kurzkritik von Marina Brunner ,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Veverka, Vilem spielt: Oboenkonzerte von Vivaldi, Bach & Telemann

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
04.09.2015
EAN:

099925418823


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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