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Sonntag, 26. Mai 2019

25 Years German Reunification - Classical music and cold war

Reslein auf der Cheide


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


So klang der Sozialismus.

‘Classical Music and Cold War. Musicians in the GDR.‘ So der Titel einer Arthaus-Doppel-DVD, erschienen 2015 zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung. Es handelt sich um eine Dokumentation Thomas Zintls, vor Jahren fürs Fernsehen produziert. Die Schlagzahl ist demgemäß hoch – kaum ein Gedanke wird ausformuliert. Man verlegt sich auf Andeutungen – eine weise Entscheidung: Mehr lässt das Medium nicht zu, sogar bei Arte.

Zintl ist hoch anzurechnen, dass unterschiedliche Ideologien zu Wort kommen – Kommunisten, Russophile, Stasi-Informanten. Sie haben Kluges und Dummes zu sagen. Der unvermeidliche Helmut Schmidt, Deutschlands Orakel, darf Weisheiten zum politischen Missbrauch der Musik zum Besten geben.

Siegfried Matthus spricht vom Hunger nach Kultur in Zeiten physischen Elends. Er schwärmt von russischen Rekruten, die Schubert-Lieder sangen, mit schnarrendem Akzent. Hans Pischner, stellvertretender Kulturminister, rühmt die sowjetischen (recte: russischen) kulturellen Traditionen. Dass die Besatzungsmacht ein diktatorisches Regime errichtete, wird keineswegs verschwiegen. Musik als Prestigewerbung und Devisenbeschaffung, das Wirken der Stasi in Musikerkreisen werden thematisch. ‚Formalismus‘, ‚Sozialistischer Realismus‘ und ‚Nationalkultur‘ kommen zur Sprache, dito das Wirken der ‚Kunstkommission‘, mithin der Zensur. Walter Ulbricht, ein Komödiant genialischen Zuschnitts, darf kunstphilosophischen Mumpitz kundgeben.

Erich Kleibers Intermezzo an der Staatsoper unter den Linden (samt krachendem Abgang) wird angemessen gewürdigt. Walter Felsenstein dito – der hochgeschätzte Schöpfer des (Opern-)Regietheaters wird kritisch und treffend charakterisiert. Sein lebensfroher, praller Realismus fügte sich ins herrschende Weltbild: Theater für die Massen, befreit von elitären Mätzchen und intellektueller Ambition. Gern ließ er sich von Moskau und der SED hofieren. Der Komischen Oper tat es wohl.

Victor de Sabata ist am Pult der Berliner Staatskapelle zu bewundern. Der geniale Musiker gefiel von jeher durch ideologische Geschmeidigkeit. Ob Spieltrieb, Kunstabsolutismus oder politische Gleichgültigkeit – de Sabata diente dem faschistischen Italien und Österreich, dem nationalsozialistischen Deutschland und den Kommunisten.

Der ‚Bonus‘ hat Gewicht. Kurt Masur dirigiert Beethovens Neunte – eine Produktion des Jahres 1991 aus dem Gewandhaus, charakteristisch für den Duktus dieses Musikers: ehrlich, vernünftig und maßvoll, ledern und grob.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    25 Years German Reunification: Classical music and cold war

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
2
25.09.2015
EAN:

807280179491


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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