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Montag, 25. März 2019

Klassik und Kalter Krieg - Musiker in der DDR

Hinter dem Eisernen Vorhang


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese DVD blickt hinter die Kulissen der ehemaligen DDR-Klassiklandschaft.

‚Klassik und Kalter Krieg‘ lautet der Titel einer bei Arthaus erschienenen Dokumentation, die sich mit der einstigen Musiklandschaft der DDR befasst. Am Beginn steht die Darstellung der Übernahme kultureller Institutionen durch die sowjetische Besatzungsmacht. Musiker, ehemalige DDR-Parteifunktionäre, aber auch westliche Politiker, wie Altkanzler Helmut Schmid, nehmen Stellung zu den damals herrschenden Verhältnissen und den strukturellen Umbrüchen.

Linientreue contra Spitzenniveau

Der nach und nach beginnende Wiederaufbau brachte auch die gezielte Installation parteitreuer Personen auf wichtigen Positionen der kulturellen Verwaltung mit sich. Diese Vorgehensweise wird exemplarisch am Beispiel Walter Felsensteins geschildert, der bekanntlich im Lauf der Zeit zu einem der großen, auch international renommierten Nachkriegs-Regisseure avancieren sollte. Klangkörper wie der Thomanerchor oder das Gewandhausorchester genossen schon zu damaligen Zeiten höchstes Ansehen – solch wertvolles kulturelles Erbe mit gleichzeitigem Aushängeschild-Charakter ließ die Parteiführung wohlweislich unangetastet. Hingegen wurden unerwünschte moderne Strömungen wie der Jazz als ideologische Zersetzung abgetan und unter dem Schlagwort des ‚Formalismus‘ gebrandmarkt. Davon kann etwa der in seinen frühen Jahren selbst aktiv jazzbegeisterte Kurt Masur aus eigener Erfahrung erzählen. Er oder beispielsweise auch Wolf-Dieter Hauschild verteidigen das System demgegenüber allerdings auch stellenweise da, wo es die Voraussetzungen für musikalische Höchstleistungen gezielt schuf und – eben auch in künstlerischer Hinsicht – den Boden für ‚Planüberfüllung‘ bereitete.

Der Mauerbau und die Folgen

Welch groteske Früchte der Mauerbau zeitigte, wird am Beispiel der Berliner Staatskapelle verdeutlicht: Hier kam es vorübergehend auch zu einer veritablen Teilung des Orchesters in Mitglieder aus West und Ost, die in unterschiedlichen Währungen bezahlt wurden – eine Praxis, die sich allerdings spätestens dann von selbst erledigte, als man dazu überging, den westlichen Musikern klarzumachen, dass man sie nicht mehr in ihrer Währung würde bezahlen können. Einzig den Luxus leisten und sich einschließlich teurer West-Musiker aussuchen, wen er in seinem Orchester haben wollte, dürfte Felsenstein in seiner quasi unantastbaren Sonderstellung an der Berliner Komischen Oper. Erzählt wird auch die Geschichte des staatlichen Plattenlabels (VEB) Eterna, das in seiner Monopolstellung zwecks effektiver Devisenbeschaffung und Finanzierung teurer und aufwendiger Bauten und Produktionen auch mit dem damals marktbeherrschenden West-Label Deutsche Grammophon zusammenarbeitete. Fraglos entstanden dabei hochwertige Aufnahmen mit Ausnahmekünstlern, die teils bis heute Referenzcharakter besitzen. Die Ambivalenz – wenigstens äußerlicher – Parteitreue auf der einen, um auf der anderen Seite als Musiker überhaupt ungestört arbeiten zu können, wird nochmals am Beispiel Kurt Masurs erläutert, ohne dessen eisernen Durchsetzungswillen und Verhandlungsgeschick es den Bau des neuen Gewandhauses im Übrigen sicherlich nicht gegeben hätte. Auch die Regisseurin Christine Mielitz (seinerzeit schwerpunktmäßig an der Dresdner Staatsoper tätig) kommt unter dem Aspekt beider, also der ideologischen und künstlerischen Seiten der Medaille, zu Wort.

Alles in allem beleuchtet die Dokumentation interessante Facetten des musikalischen Ost-West-Konflikts und bietet spannende Informationen aus erster Hand. Für eine komplette DVD hätte es aber ruhig ein bisschen mehr sein dürfen – mit einer Gesamtlaufzeit von weniger als einer Stunde ist die Gesamtdarstellung eher knapp gehalten.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klassik und Kalter Krieg: Musiker in der DDR

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
25.09.2015
EAN:

0807280179392


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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