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Montag, 25. März 2019

Satiesfiction - Promenades with Erik Satie

Regenschirm und Sauerkraut


Label/Verlag: ACCENTUS Music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dada lebt.

Accentus hat einen Musikfilm besonderer Art zugänglich gemacht: ‚Satiesfictions. Promenades with Erik Satie‘, einen Essay in Bildern, Worten und Tönen. Als Produzent firmiert Paul Smaczny. Regie: Anne-Kathrin Peitz und Youlian Tabakov.

Dies ist unverkennbar eine Arte-Produktion. (Auch der WDR war beteiligt.) Die Form der Darstellung zeigt künstlerische Ambitionen. Sie richtet sich, assoziativ, an sachlichen Kriterien aus. Das chronologische Erzählen, von der Wiege bis zur Bahre, wird verschmäht. ‚Satiesfictions‘ lässt außerdem einigen visuellen Ehrgeiz erkennen: Grazile Strichmännchen spazieren durchs Bild. Auch das Booklet präsentiert sich als Cartoon. Das Fehlen des Essays lässt sich für dieses Mal verschmerzen.

Auch Spielszenen werden eingeflochten. Saties sind sie würdig: oft geistreich, stets kapriziös. Das Ganze ist detailverliebt und sorgsam gebosselt.

Es werden allerlei Zeitzeugen aufgerufen – am prominentesten: Cocteau – und Anekdoten nicht verschmäht. Meist sind sie erhellend oder entlarvend. Saties Distanz zum 19. Jahrhundert, zum ‚Sauerkraut‘ des Wagnerismus, wird gebührend hervorgehoben.

An einer Stelle heißt es, Satie sei ‚eher Erfinder als Komponist‘ gewesen. Darin liegt mehr als ein Körnchen Wahrheit. Der Meister selbst lässt wissen, er ‚schreibe keine Musik‘. Eher werden akustische Readymades verfertigt. Diese sind nicht ohne Charme, besonders als Idee, und zukunftsweisend. John Cage wäre weniger wahrscheinlich gewesen. Zumal das präparierte Klavier darf als Satie’sche Erfindung gelten, das musikalische Happening ist wenigstens vorgebildet. Die Überwindung der Musik zur Klangtapete, zur ‚musikalischen Möblierung‘, hat Satie bereits vollzogen.

Mag man Saties Ideen nicht teilen – die alles durchwaltende Heiterkeit und klangliche Luzidität, die parodistische Hellsicht und aphoristische Komprimierung bleiben unangefochten. Saties Haiku sind unwiderlegbar.

Es wurden mehrere musikalisch-theatrale Boni beigegeben: 'Nocturne No. 4', 'Valse du Chocolat aux Amandes', 'Ce que dit la petite Princesse des Tulipes', 'La Belle Excentrique'. Untertitel stehen unter anderem in koreanischer Sprache zur Verfügung.

Die meisten Neuerscheinungen sind überflüssig. Diese ist nötig wie Dada. Sie hilft, das Herz und das Hirn zu erfrischen: Kaufempfehlung für Freunde des unverschwitzten Esprits, der Heiterkeit und der Schwermut.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Satiesfiction: Promenades with Erik Satie

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ACCENTUS Music
1
28.08.2015
EAN:

4260234830910


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ACCENTUS Music

ACCENTUS Music wurde 2010 als Produktionsfirma mit einem sehr erfahrenen Team aus Produzenten, Regisseuren, Kameraleuten, Tonmeistern und Cuttern und als gleichnamiges DVD Label auf dem Klassikmarkt gegründet. Die Firma mit Sitz in der Musikstadt Leipzig, unweit der Thomaskirche, produziert weltweit erstklassige Konzertereignisse, Opern sowie Künstlerportraits und Dokumentarfilme. Auf den DVD- und Blu-ray Veröffentlichungen finden sich herausragende Künstler wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Evgeny Kissin, Martha Argerich, Riccardo Chailly, Pierre Boulez, Joshua Bell, Lucerne Festival Orchestra, New York Philharmonic und das Simón Bolívar Jugendorchester. ACCENTUS Music erfüllt sowohl künstlerisch wie auch technisch höchste Ansprüche von Klassik-Liebhabern rund um den Globus.


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