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Dienstag, 9. August 2022

Frescobaldi, Girolamo - Toccate d'intavolatura

Frei entfaltet


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es ist eine Freude, wie frei, wie technisch makellos Rinaldo Alessandrini diese Musik farbenreich präsentiert. Er expliziert sehr überzeugend, wie souverän Frescobaldi die Möglichkeiten der Tasteninstrumente seiner Zeit zu nutzen verstand.

Girolamo Frescobaldi (1583-1643) einen der ganz großen Komponisten vor allem für Tasteninstrumente zu nennen, ist nicht besonders originell: Zu deutlich ist er – obwohl Teil einer exklusiven Nische – in musikhistorisch entscheidender Zeit ein schöpferischer Solitär, unangefochten und beeindruckend. Er demonstrierte in großer Souveränität, wie frei sich die Möglichkeiten eines Tasteninstruments zur Entfaltung bringen lassen. Nicht zügellos, aber doch ganz ohne metrische Zwänge oder beengende Tempoklarheit. Frescobaldis Sätze sind komplex, oft verstörend gehaltvoll, immer wieder gleich mehrere Parameter des musikalischen Satzes mit größter Leichtigkeit an Grenzen führend, dabei geradezu rhapsodisch frei gehalten in ihren Wirkungen.

In seinem ersten Buch der ‚Toccate d‘intavolatura di cembalo et organo‘ von 1637 sind natürlich die weit ausschwingenden Toccaten eindrucksvoll, in all ihrer ehrfurchtgebietenden künstlerischen Größe und effektvollen Seriosität. Daneben sind es aber auch etliche Kleinodien, die weniger streng wirken, zum Beispiel ein 'Capriccio sopra la Battaglia' oder das 'Capriccio fatto sopra la Pastorale' – überhaupt sind Frescobaldis Sätze über existente Themen reich an Nuancen und erfrischender Abwechslung.

Souverän

In ihrer rhapsodischen Bewegung, in ihrer weit über das Manuelle hinaus notwendigen Deutungsbedürftigkeit ist das also echte Interpretenkunst. Insofern ist es eine willkommene Bereicherung, dass das Label Arcana jetzt die lange Zeit vergriffene Einspielung mit dem jungen Rinaldo Alessandrini vom Beginn der 1990er Jahre wiederveröffentlicht hat. Der Italiener zeigt sich manuell großartig, ist technisch nicht ernstlich von den Herausforderungen des Repertoires angefochten. Dazu setzt er die beiden erklingenden Instrumente glänzend in Szene, disponiert klug, findet zu farbigen, individuellen Lösungen für die 27 Sätze. Zu hören ist ein Giovanni Celestini zugeschriebenes Cembalo von etwa 1605, das seinen feinen Klang hell und silbrig verströmt, dennoch edel gerundet wirkt und zugleich jene für die Zeit nicht untypische Perkussivität und sehnige Kraft präsentiert. In Brescia hat Alessandrini die Orgel für die Einspielung gefunden, ein lange der Antegnati-Familie zugeschriebene, tatsächlich aber wohl von Tomaso Meiarini 1630 gebautes Instrument, dessen rundes, nicht übermäßig trennscharfes Bild einerseits über ein respektables, gleichwohl überschaubar großes Plenum verfügt und andererseits von einzelnen bemerkenswerten Registern geprägt wird – sehr charmante Flöten seien hier erwähnt.

Das Klangbild stellt das Cembalo exzellent ins Zentrum der hörenden Aufmerksamkeit, plastisch und füllig in der Wirkung. Die Klänge der Orgel werden eher auf den Raum bezogen, auch das wirkt sehr gelungen. Im umfangreichen Booklet wird verlässlich informiert. Wer weder des Englischen noch des Französischen mächtig ist, kann das deutsche Booklet vollständig im Netz finden.

Es ist eine Freude, wie frei, wie technisch makellos Rinaldo Alessandrini diese Musik farbenreich präsentiert. Er zeigt Frescobaldi als bemerkenswert modernen Tonsetzer, trotz formaler Strenge und gelegentlich starr wirkender Ästhetik. Alessandrini expliziert sehr überzeugend, wie souverän Frescobaldi die Möglichkeiten der Tasteninstrumente seiner Zeit zu nutzen verstand.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Frescobaldi, Girolamo: Toccate d'intavolatura

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
2
04.09.2015
Medium:
EAN:

CD
3760195733882


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Arcana

Michel Bernstein hat mit ARCANA eine Institution im Bereich der Alten Musik geschaffen, deren Katalog mit einer Vielzahl prominenter Namen der Alten Musik aufwarten kann, darunter prominente Namen wie Rinaldo Alessandrini, Gunnar Letzbor oder Sigiswald Kuijken. Als der Labelgründer 2006 plötzlich verstarb, schien es zunächst so, als würde dies auch unweigerlich das Ende von ARCANA bedeuten. Zum Glück entschied sich der italienische Vertrieb Jupiter zum Kauf des Labels. Selbstverständlich plant man, es im Sinne seines Gründers weiterführen. Nach und nach werden nun Aufnahmen aus dem umfangreichen Backkatalog des Labels in neuer Gestaltung wieder veröffentlicht und der Katalog durch neue Aufnahmen bewährter Künstler und von Neuzugängen (darunter Marco Beasley und das Ensemble Accordone) erweitert.


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