> > > Uccellini, Marco: Sonate over Canzoni
Freitag, 22. November 2019

Uccellini, Marco - Sonate over Canzoni

Überzeugend gestalteter Sonatenzyklus


Label/Verlag: Stradivarius
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Arparla wartet mit einer rundum überzeugenden Einspielung von Marco Uccellinis 'Sonate over Canzoni' op. 5 auf und liefert damit eine der interessantesten derzeit erhältlichen Aufnahme von Werken des italienischen Komponisten.

Vor vier Jahren hat das Ensemble Arparla beim Label Stradivarius mit der Produktion ‚Le grazie del violino nel seicento italiano‘, einer abwechslungsreichen Zusammenstellung frühbarocker italienischer Kammermusik für Violine aus dem 17. Jahrhundert, auf sich aufmerksam gemacht. Die ungewöhnlich einfache Besetzung mit Violine (David Monti) und barocker Doppelharfe (Maria Christina Cleary), die den beiden Musikern einen sehr freien Zugang zu den Werken ermöglichte, steht nun auch im Mittelpunkt einer neuen Veröffentlichung, bei der vereinzelt auch weitere Musiker als Verstärkung hinzutreten. Die wiederum bei Stradivarius erschienene Einspielung kreist um die kompositorisch wie violinistisch herausragende Sammlung der 'Sonate over Canzoni' op. 5 (Venedig 1649) von Marco Uccellini: Als erste bekannte Publikation, die ausschließlich Kompositionen für Violine und Basso continuo enthält, enthält sie zahlreiche violintechnische Neuerungen, die trotz drucktechnischer Schwierigkeiten präzise notiert wurden und die Werke zu Glanzstücken der frühen Violinmusik machen.

Arparla liefert mit dieser CD nicht nur eine der interessantesten Aufnahme von Werken Uccellinis, die derzeit im Handel erhältlich ist, sondern glänzt auch mi einer überzeugenden Gesamtdarstellung dieses Opus. Die weitgehend dialogische, das gleichwertige Gegenüber von Violine und Harfe betonende Haltung der Interpretation trägt entscheidend dazu bei, den virtuosen Charakter der Musik zu unterstreichen, rückt die Ausführung jedoch – vor allem Dank der exzellenten und immer wieder von Neuem überraschenden Verzierungskunst beider Interpreten – auch in die Nähe eines lebendigen, sich gegenseitig anregenden Stegreifspiels. Nicht nur das daraus resultierende Alternieren von sehr frei und improvisatorisch anmutenden Abschnitte mit Teilen, die auf kontrapunktischen Stimmverläufen basieren oder sich als Variationen über ostinaten Bassfiguren entfalten, lässt jede einzelne Sonate zu einem einzigartigen Werk werden; auch die Entscheidung der Interpreten, jedem einzelnen Stück einen spezifischen Affekt zuzuweisen – im Booklet anhand entsprechender Abbildungen aus der ‚Iconologia‘ von Cesare Ripa (1593) illustriert und (leider nur in italienischer und englischer Sprache) erläutert –, trägt zum großen Abwechslungsreichtum der Einspielung bei.

Darüber hinaus werden jedoch einzelne Stücke anders besetzt, wodurch einzelne Teile der Sonatenfolge einen besonderen Stellenwert im Zuge der Gesamtdramaturgie erhalten: In der 'Sonata sesta' wird zur Verstärkung des Basses stellenweise eine sehr zurückhaltende geführte Viola da gamba (Alberto Rasi) eingesetzt, in der 'Sonata undecima' gesellt sich neben dem Bassinstrument auch eine ferne Echovioline hinzu (Ulrike Engel). Besonders geschickt ist die solistische, nur der Harfe anvertraute Wiedergabe der 'Sonata duodecima' platziert, da sie in ihrer Schlichtheit wie ein ausgedehntes Präludium zur aufwendiger instrumentierten und kontrapunktisch reichen 'Sonata decimaterza a dùoi violini' ist. Als weitere Klimax und gleichzeitig effektvoller Schlusspunkt der CD folgt schließlich noch die 'Tromba sordina per sonare con violino solo', eine der frühesten bekannten Imitationen des Trompetenspiels durch die Violine, die hier zusätzlich durch das Hinzutreten von Gitarre (Massimo Marchese) und Schlaginstrumenten (Marco Muzzati) interpretatorisch in die Nähe barocker Schlachtenmusiken gerückt wird.



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Uccellini, Marco: Sonate over Canzoni

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Stradivarius
1
04.09.2015
Medium:
EAN:

CD
8011570370235


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Stradivarius

Das 1988 gegründete Label STRADIVARIUS hat sich auf dem internationalen Markt als unabhängige Schallplattenfirma durchgesetzt, die vor allem auf zwei musikalische Gattungen spezialisiert ist: klassisch - aus der Renaissance und dem Barock - (mit der Reihe Dulcimer) und zeitgenössisch (mit der Reihe Times Future). Diese programmatische Entscheidung kommt aus dem Willen, eine ganz bestimmte und bezeichnende Rolle im heutigen Schallplattenumfeld zu spielen. Insbesondere hat STRADIVARIUS immer das Ziel verfolgt, den Vorrang italienischen Komponisten und Interpreten zu geben, um die bemerkenswertesten italienischen Kulturdarsteller auf aller Welt kennenlernen zu lassen.

In einem weiten Bereich ist STRADIVARIUS tätig: geistige, säkulare, Vokal-, Instrumental-, Solo-, Kammer- und Orchestermusik. Es gibt viele Beispiele seltener Registrieren, die als außerordentliche Kunstwerke weltweit betrachtet werden, wie zum Beispiel die Serie Un homme de concert, die die Zusammenarbeit mit dem berühmten Sviatoslav Richter offiziell festgelegt hat.

Was das zeitgenössische Repertoire betrifft, ist STRADIVARIUS im Laufe der Jahre, dank der Reihe Times Future, ein Bezugspunkt geworden, indem sie Werke von Franco Donatoni, Salvatore Sciarrino, Bruno Maderna, Goffredo Petrassi, Ivan Fedele, Luis De Pablo, Toshio Hosokawa und viele andere veröffentlicht hat.

Bruno Canino, René Clemencic, Alan Curtis, Emilia Fadini, Monica Huggett, Lucas Pfaff, Arturo Tamayo, Maggio Musicale Fiorentino, Orchestra Sinfonica Nazionale della RAI, Orchestra Verdi di Milano, Orchestre Philarmonique de Radio France, Orquesta y Coro de Madrid: Sie sind nur einige der Musiker und Formationen, die CDs für STRADIVARIUS aufgenommen haben.

Mit der Zeit ist das Bedürfnis entstanden, den Verlegervorschlag weiter zu diversifizieren; dadurch sind wichtige Reihen geboren, und zwar Guitar Collection (unter der Leitung von Frédéric Zigante), Ricordi Oggi (Ergebnis der Zusammenarbeit unter Stradivarius, dem Ricordi Universal Verlag und den Erben des Malers Emilio Tadini) und Milano Musica Festival (in Zusammenarbeit mit Milano Musica und RAI Radio3). Letzte in zeitlicher Reihenfolge ist die Landscape Serie, mit der STRADIVARIUS ihre Bereitschaft beweist, innovative Projekte zu verwirklichen.


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