> > > Weber, Carl Maria von: Messe Nr.1 "Freischützmesse"
Donnerstag, 27. April 2017

Weber, Carl Maria von - Messe Nr.1 "Freischützmesse"

Postbarock


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Produktion zweier Messen von Haydn und Weber liegen nicht unbedingt stilistisch, aber qualitativ weit auseinander. Die abschließende Bewertung ist also als Durchschnitt zu lesen.

Die Barockbasiliken Waldsassen und Ottobeuren sind der Schauplatz der beiden hier vorliegenden Produktionen zweier die deutsche Messproduktion auf ganz unterschiedliche Weise beleuchtenden Werke. Die 'Missa Sanctae Caeciliae' von Joseph Haydn von 1766/73 ist die umfangreichste Messkomposition des damals noch in Esterházy Tätigen, während der Untertitel der 1818 für den sächsischen König entstandenen 'Missa sacra' Nr. 1 von Carl Maria von Weber – 'Freischütz-Messe' – und damit nicht nur ihren historischen Kontext, sondern auch ihre stilistische Position erläutert.

So unterschiedlich die beiden Werke, so unterschiedlich sind auch die beiden Interpretationen, obwohl sie nur wenige Jahre auseinanderliegen. Die Weber-Messe (hier mitgeschnitten 1986) erschien mit denselben Kräften (Krisztina Laki, Marga Schiml, Josef Protschka, Jan-Hendrik Rootering, Chor und Orchester der Bamberger Symphoniker unter Horst Stein) auf EMI, während Rafael Kubelík, der Dirigent der BR-Produktion der Haydn-Messe aus dem Jahr 1982, zu dieser Zeit vornehmlich für die Deutsche Grammophon aktiv war (seine Solisten sind Lucia Popp, Doris Soffel, Horst Laubenthal und Kurt Moll). Leider erweist sich in fast allen Positionen die Kubelík-Aufnahme der Produktion unter Stein deutlich überlegen. Protschka strebte mit seiner Stimme bereits seit längerem in Richtung jugendlicher Heldentenor, was der Komposition ebenso wenig gut zu Gesicht steht wie der in der Höhe immer wieder immer deutlich überforderte Chor. Insgesamt ist der Chorklang zwar homogen und warm, doch nicht ganz von jener Qualität, die zeitgleich bei dem Chor des Bayerischen Rundfunks unter Chordirektor Heinz Mende die Regel war. Dass auch ein paar ältere Sängerinnen und Sänger im BR-Rundfunkchor mitwirken, bestärkt eher die musikalische Gewachsenheit der Produktion, denn dass es diese beeinträchtigte. Immerhin gibt es hier wie dort hocherfreuliche Einzelleistungen: Laki oder Popp, Schiml oder Soffel, Laubenthal, Rootering oder Moll – das ist die erste Garde der damaligen Zeit.

Doch etwas anderes wirkt noch offenkundiger: das deutlich stärkere Charisma des Dirigenten Kubelík. Damit ist nicht der visuelle Eindruck gemeint – Horst Stein ist fraglos eine beeindruckende Persönlichkeit; aber eben doch nicht ganz in einer Liga mit Kubelík, der die (musikalisch deutlich stärkere) Komposition mit größerem Gestaltungswillen und Differenziertheit darbietet. Zwar ist Steins Interpretation (in dem der Sopransolistin exponierte Bedeutung zufällt) in sich rund und schlüssig, aber an manchen Stellen nicht ganz so sorgfältig ausgearbeitet. Mit ‚historisch informierten‘ Ohren mögen beide Interpretationen heute etwas gewöhnungsbedürftig sein, doch bieten beide Produktionen vokale Einzelleistungen, die heute deutlich weniger die Regel sind als in damaligen BR-Produktionen.

Vor allem aber fällt im direkten Vergleich leider allzu stark auf, dass die neuere (Weber-)Produktion aufnahmetechnisch (vorrangig was den Ton angeht) deutlich weniger geglückt scheint als die Haydn-Messe, das Werk hierdurch in deutlich matterem Licht erklingt. In beiden Einspielungen kommen die Solisten vorzüglich zur Geltung, doch die Schärfenabtrennung der einzelnen Instrumentengruppen bzw. Singstimmen ist beim Haydn deutlich besser gelungen. Hierdurch ist Kubelíks Haydn deutlich weniger ‚gealtert‘ als Steins Weber – und dies lässt die klangtechnisch offenbar ungeprüfte Kopplung beider Interpretationen auf dieser DVD umso mehr bedauern. Anders als beim Ton erbringen die BR-Fernsehteams in beiden Fällen eine tadellose Leistung. Hätte da in der digitalen Postproduktion nicht noch etwas geschärft werden können? Und warum müssen die Credits beim Vor- und Abspann in englischer Sprache präsentiert werden? Man kann sich kaum vorstellen, dass dies bei der Erstsendung auch schon der Fall war.

Dass Arthaus sich kaum Mühe mit dem Booklet gegeben haben, ist leider eine Konstante dieser Produktionsfirma. Bei historischen Aufnahmen darf eine historiografische Einordnung nicht fehlen, da reichen Informationen zu den vorgestellten Werken nicht aus. Und dass die bedeutsamere Komposition (Haydn) trotz des deutlich größeren Umfangs auf dem Cover unter ‚Ferner liefen‘ erwähnt wird, zeugt umso stärker von der Sorglosigkeit der Coverdesigner. Schade um die verpasste Dokumentationschance.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Weber, Carl Maria von: Messe Nr.1 "Freischützmesse"

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
31.07.2015
EAN:

807280910698


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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