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Dienstag, 26. Mai 2020

Mussorgsky, Modest - Bilder einer Ausstellung

Enorme Spannung


Label/Verlag: Gramola
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Korstick spielt hier ein virtuoses russisches Programm und beeindruckt mit Mussorgskijs 'Bildern', der Achten Sonate Prokofjews und weiteren Werken.

Vor gut einem Jahr hat das Label CPO einige ältere Schubert-Aufnahmen Michael Korsticks neu aufgelegt, in denen der Pianist durch akribische Beachtung der Vorgaben extrem überzeugende Resultate erzielt. Nun bringt das Label Gramola eine 1999 aufgenommene Platte mit russischen Werken auf den Markt, in denen Michael Korstick teilweise sehr frei mit dem Notentext umgeht – und ebenfalls sehr überzeugend.

Kernstück der Platte sind Modest Mussorgskijs berühmte 'Bilder einer Ausstellung'. Schon in der einleitenden Promenade präsentiert Michael Korstick selbst entworfene Dynamik: Vorgegeben ist nur ein Forte am Anfang, Michael Korstick aber macht viel mehr. So weit noch nicht allzu ungewöhnlich, doch an anderen Stellen hat er auch den Notentext mehr oder weniger stark verändert, besonders deutlich etwa die unverschämt vertrackten Schlusstakte des ersten Bildes 'Gnomus'.

Es ist nicht klar, wieso Michael Korstick diese Änderungen vorgenommen hat, keineswegs geht er etwa soweit wie Wladimir Horowitz, der in den frühen 50ern Mussorgskijs 'Bilder' aufgenommen und dabei den virtuosen Aspekt durch eine eigene Bearbeitung besonders betont hat. Wenn Michael Korstick in 'cum mortuis in lingua mortua' ein Tremolo in normale Sechzehntel verwandelt, ist das im Vergleich also eine sehr dezent Variante und ‚stört‘ nicht weiter – man wundert sich nur. Einzige Ausnahme: Die letzte Promenade, vor dem Markt von Limoges, ist leider komplett gestrichen.

Wichtiger ist das kraftvolle, dennoch aber differenzierte Spiel des Pianisten. Auf dem bereits erwähnten Markt von Limoges ist er besonders stark. Ein unglaublicher Trubel herrscht dort bei ihm, rasant, motorisch, unerbittlich geht Michael Korstick vor. Eine wildere Hexe Baba Yaga hat man wohl noch nie gehört, und das 'Große Tor von Kiew' baut Michael Korstick so wuchtig, dass er sich durchaus in die Tradition eines Horowitz oder Michel Beroff einreiht. In all diesen Sätzen vermittelt Michael Korsticks Spiel enorme Spannung.

Doch die Platte ist randvoll gepackt und enthält außer Mussorgskijs 'Bildern' noch einige weitere Werke, so etwa Sergej Ljapunows 'Lesginka' aus den 'Études d‘execution transcendante'. Das ist ein Zyklus aus zwölf Etüden, denen man noch höhere technische Anforderungen als dem Liszt'schen Vorbild nachsagt, die aber auch musikalisch ausgesprochen attraktiv sind. Bedauerlich, dass es von Michael Korstick keine Aufnahme des gesamten Zyklus gibt, die Lesginka jedenfalls spielt er höchst virtuos und mitreißend. Auch eine Dumka von Tschaikowskij ist effektvolles, wenn auch thematisch etwas penetrantes Virtuosenfutter.

Schließlich enthält die Platte noch Sergej Prokofjews Achte Klaviersonate B-Dur op. 84, ein großes, immerhin halbstündiges Werk, dem man auch nicht allzu häufig begegnet. Hier erbringt Michael Korstick den Beweis, dass er nicht nur schnell und laut kann, denn obwohl die Rahmensätze in dieser Hinsicht auch einiges bieten, sind es doch die ebenso reichlich vorhandenen sanften und poetischen Stimmungen, am besten gelingen, besonders im kleinen, sehr ruhig gespielten Mittelsatz.

Ein Wort zum Klang der Produktion: Gewöhnungsbedürftig. Das Klavier klingt etwas dumpfer und die Aufnahme, die in einer Kirche entstand, hat auch etwas mehr Hall als üblich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mussorgsky, Modest: Bilder einer Ausstellung

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Gramola
1
28.08.2015
Medium:
EAN:

CD
9003643990746


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Gramola

Gramola wurde im Jahr 1924 als Detailgeschäft und Vertrieb der beiden englischen Plattenlabels „Gramola“ und „His Master’s Voice“ gegründet. Durch den damaligen Vertrieb dieser Labels ist eines der ganz wenigen, weltweit noch existierenden Originalbilder des legendären, der Stimme seines Herrn lauschenden Hundes „Nipper“ noch heute im Geschäft zu besichtigen. Das Unternehmen ist heute das älteste Tonträgergeschäft Österreichs und arbeitet inzwischen als Familienbetrieb in der fünften Generation. In internationalen Rankings um das beste Klassikfachgeschäft der Welt nahm Gramola mehrmals Spitzenränge ein. Das denkmalgeschützte Geschäftslokal in Wien am Graben wurde nach einem Jugendstilentwurf von Dagobert Peche in den frühen Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erbaut.

Vor etwa 10 Jahren wurde bei Gramola die Produktion von Klassik-CDs wieder aufgenommen und konnte seither durch seine international vielfach ausgezeichneten Produktionen den allerhöchsten Qualitätsstandard österreichischer Musikschaffender nachdrücklich unter Beweis stellen. Gramola-CDs sind inzwischen in allen klassikinteressierten Ländern zwischen Tokyo und New York zu haben. Ergänzt wird das Gramola-Angebot durch ein Webshop, das rund um den Kalender bereitsteht, Kundenwünsche auch außerhalb regulärer Ladenöffnungszeiten zu erfüllen.


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