> > > Austrian Heartbeats: Werke von Döttlinger, Jakober, Kerschbaumer & Meier
Donnerstag, 22. Oktober 2020

Austrian Heartbeats - Werke von Döttlinger, Jakober, Kerschbaumer & Meier

Austrian Heartbeats


Label/Verlag: col legno
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit 'Austrian Heartbeats' will der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas einen Einblick in das Schaffen junger Musikschaffender seiner Heimat geben und präsentiert eher Vielschichtigkeit als einen kontinuierlichen, gleichbleiben Heartbeat.

Der Titel ‚Austrian Heartbeats‘ lässt vorerst nur schwer auf die darin enthaltenen Kompositionen bzw. auf das dahinter stehende ästhetische Programm rückschließen und eröffnet einige grundlegende Fragestellungen: Drehen sich alle Werke primär um Herzschläge als rhythmische Sequenzen? Soll eine einheitliche und spezifische österreichische Ästhetik im Sinne Georg Friedrich Haas’ vorgestellt werden? Peter Jakober, Hannes Kerschbaumer, Marco Döttlinger und Manuela Meier haben ihre auf dieser bei Col Legno erschienenen Zusammenstellung präsentierten Werke definitiv mit unterschiedlichen und eigenen Impulsen versehen und sind nicht unbedingt direkt mit Georg Friedrich Haas vergleichbar. Obwohl alle vier Komponisten vermehrt auf repetitive, additive und subtraktive Prozesse setzen, sind die einzelnen Werke jeweils anders gewichtet.

In Peter Jakobers Stück 'Ab' (2013) entsteht durch die Besetzung von drei Diskantzithern ein interessantes Klangbild, das sich kontinuierlich entwickelt und doch in rhythmischen (konzentrischen) Kreisen verläuft. Die rhythmischen Wiederholungssequenzen bilden das Grundgerüst für einzelnen hervorstechende Impulse und machen den Hörer für die Zitherklänge sensibel. Dem Trio Greifer gelingt es hier, seine facettenreichen Fertigkeiten auf der Zither zu demonstrieren, es bleibt jedoch zu hinterfragen, ob kompositorisch nicht noch mehr aus dieser Besetzung herauszukitzeln wäre. Das zweite Stück von Jakober ('in Stille') für Chor, neun Orgelpfeifenspieler, Flöte, Vierteltonakkordeon, Streichtrio und Live-Elektronik wirkt teilweise sehr sphärisch und schafft durch die große Besetzung reiche klangliche Abwechslung. Auch hier wird der Fokus allerdings eher auf kleingliedrige Formen gelegt.

Manuela Meiers Streichquartett Nr. 1 wird vom Stadler Quartett soweit solide interpretiert, aber hier kann kompositorisch leider keine kontinuierliche Spannung aufrecht erhalten werden. Für Verehrer kleingliedriger Ausdrucksformen kann die abschnittsweise Expressivität zwar durchaus reizvoll sein, aber es fehlt an Kontinuität. Hannes Kerschbaumer präsentiert mit 'abbozzo V' ein scheinbar vielversprechendes Werk für Vierteltonakkordeon und Streichquartett, das in kleinere Strukturen zerfällt und klanglich noch auszureizen wäre. Krassimir Sterev hat sein Akkordeon zweifelsohne im Griff und schafft es, die klassischen Klänge seines Instrumentes mit experimentellen Klangimpulsen zu bereichern. Das Streichquartett des Klangforums Wien gibt sein Bestes, um das lange Stück zusammenzuhalten, wenngleich die tiefere Lage der Streichinstrumente etwas fehlt.

Anknüpfend daran ist 'interieur I' von  Marco Döttlinger ein umso gelungeneres Werk für Violoncello, das von Bernadette Köbele gut interpretiert wird und bis zum Schluss eine positive Spannung aufrecht erhält. Mit 'sans nuages' I und II legt Döttlinger eine interessant besetzte Komposition – Countertenor, Violine und Akkordeon – vor,  die unterschiedlich konzipiert ist: Während im ersten Teil viele perkussive Tonimpulse, Pfeiftöne und schnarrende Geräusche dominieren, wirkt der zweite Teil durch den Einsatz der Vokalstimme fast schon rituell.

‚Austrian Heartbeats‘ präsentiert insgesamt vier originelle junge Musikschaffende, die allerdings wohl nicht jedermanns Herz höher schlagen lassen. Kleingliedrige repetitive Formen werden unterschiedlich verarbeitet, aber ein übergreifender Heartbeat scheint öfters zu fehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Austrian Heartbeats: Werke von Döttlinger, Jakober, Kerschbaumer & Meier

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
col legno
1
14.08.2015
Medium:
EAN:

CD
9120031341352


Cover vergössern

col legno

Welche Produktion von col legno Sie auch vor sich haben, eines ist gewiss: bunt wird sie sein und außergewöhnlich. Wir widmen uns herausragender Musik der Gegenwart und den Visionen ihrer Protagonisten.

col legno bedeutet "mit dem Holz". Jeder Streicher weiß, was zu tun ist, wenn er diese Spielanweisung in seinen Noten liest: Er nimmt den Bogen, dreht ihn um und schlägt mit dem Holz auf die Saiten. Einst unerhört! Heute noch überraschend. Mit dieser spielerischen Offenheit dem Instrument gegenüber wurde die Klangvielfalt erweitert. Dieselbe Offenheit widmet col legno der Musik.

col legno veröffentlicht Neue Musik - umfassend und zeitgemäß. Das Label steht für die Vielseitigkeit der Gegenwart und aufregende Interpretationen von Musik der Vergangenheit. Unsere Hörer haben viel mit uns gemein: Sie heißen Neues willkommen, wechseln Perspektiven, genießen eine Prise Humor und lieben das Kribbeln beim Genuss kreativer Inspiration.

col legno nutzt die jeweils für die Produktionen optimalen Tonträger und Formate - von der CD über Multichannel Medien bis hin zu gänzlich neuen Entwicklungen. Dabei bieten wir unseren Hörern immer "state-of-the-art" Technik und beste Audioqualität.

Die künstlerische Leitung des Labels wurde 2005 von Andreas Schett und Gustav Kuhn übernommen. Unter ihrer Führung hat sich der Katalog kontinuierlich und in klaren Zügen erweitert. Seit 2015 ist Andreas Schett alleiniger Inhaber des Labels.

col legno - new colors of music

 


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag col legno:

  • Zur Kritik... Er-Hörung vor dem Beethoven-Jahr: Wolfgang Mitterer gießt Alltagsgeräusche in Kunst. Dann schneiden Holzarbeiter streng nach einer Partitur und Hackbrettspieler klettern mitten in eine Sägemaschine. In 'Nine In One' bringt er auf seine unorthodoxe Weise Beethoven zum Klingen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Intensiv: Das Alea Saxophone Quartet versammelt erstmals alle Werke Arvo Pärts dieser Quartett-Besetzung auf einer CD, raumgreifend und mit viel Verständnis für dessen einzigartige musikalische Sprache. Weiter...
    (Maxi Einenkel, )
  • Zur Kritik... Phänomenale Klangwirkungen: Eine neue Produktion des Labels col legno befasst sich mit einer Auswahl von elektroakustischen Kompositionen aus den Jahren 1957 bis 1986 und kleidet sie - den Voraussetzungen der heutigen Technologie entsprechend - klanglich neu ein. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von col legno...

Weitere CD-Besprechungen von Lorenz Adamer:

  • Zur Kritik... Feine globale Vielfalt: Die Aurelius Sängerknaben Calw unter der Leitung von Bernhard Kugler legen eine beachtliche musikalische Weltreise vor und zeigen dabei interpretatorische Originalität. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Verführende Gartenklänge: Mit Liedern von Ullmann, Schönberg, Webern und Schreker entführen die Sopranistin Eva Resch und der Pianist Eric Schneider in das verlorene Paradies Eden. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
  • Zur Kritik... Eintauchen in Maximilians Welt: Das Ensemble Hofkapelle betritt die musikalische Welt von Kaiser Maximilian I. sehr variantenreich, lässt aber so manche intonatorische Feinheit vermissen. Weiter...
    (Lorenz Adamer, )
blättern

Alle Kritiken von Lorenz Adamer...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Auf der Suche nach dem richtigen Stil: Mit seiner Neueinspielung von Carl Reineckes Erster Sinfonie macht sich cpo selbst Konkurrenz. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Plastische Glaubensbekundungen : Von eindrucksvoller kompositorischer Dichte und Ausdrucksvielfalt sind die beiden Symphonien, die Bernstein in recht jungem Alter schrieb. Die Arktische Philharmonie unter Christian Lindberg spielt das keineswegs unterkühlt in gigantischem SACD aus. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Liebesidylle auf der Alm : Dario Salvi hält mit der CD-Premiere der Oper 'Jery und Bätely' ein überzeugendes Plädoyer für die vergessene Komponistin Ingeborg von Bronsart. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2020) herunterladen (3612 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich