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Mittwoch, 28. Juni 2017

Mendelssohn Bartholdy, Felix - Lieder ohne Worte

Waches Modellieren


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Michael Endres findet in seiner Einspielung von Mendelssohns 'Liedern ohne Worte' zu einer wahren Fülle des Wohllauts. Seine Anschlagskultur hält die melodische Bewegung sanglich, trifft aber ebenso die Erregtheit, die manchen der Stücke eigen ist.

Zu den bekanntesten Kompositionen Felix Mendelssohns zählen noch heute seine 'Lieder ohne Worte' für Klavier. Insgesamt sechs Hefte mit jeweils sechs Stücken hatte der Komponist zu Lebzeiten zusammengestellt, zwei weitere Hefte wurden postum veröffentlicht. Die Aufeinanderfolge der insgesamt 48 Stücke folgt dabei keiner chronologischen Ordnung. Mendelssohn griff, wenn der Verleger Nikolaus Simrock wieder ein neues Heft bestellte, auf frühere Niederschriften seiner 'Lieder' zurück. Der Erfolg, den der Komponist mit diesen Stücken hatte, war ihm, obwohl das Honorar dafür weiter und weiter wuchs, eher unangenehm; er wollte der außerordentlichen Nachfrage zeitweise gar nicht mehr weiter nachkommen: ‚Wenn’s gar zu viel solches Gewürm zwischen Himmel und Erde gäbe, so möchte es am Ende keinem Menschen lieb sein‘, soll Mendelssohn seine Hemmungen zum Ausdruck gebracht haben. Die eigentliche Erfindung des Genres des 'Liedes ohne Worte' geht dabei mit auf Mendelssohn selbst zurück, um mit diesem Titel ein kurzes Stück zu beschreiben, in dem Melodie und Begleitung eins werden und das Klavier ohne zusätzliches Medium zum Schaffen von Atmosphäre (wie es einer Singstimme und einem zugrunde gelegten Text eigen ist) alleiniger Ausdrucksträger ist. Es handelt sich hierbei um knappe Klangbilder, denen Mendelssohn zudem grundsätzlich auch keine erklärenden Titel zuweisen wollte. Dass es mitunter anders kam und die 'Lieder ohne Worte' seinerzeit etwa auch einen ihre Stimmung beschreibenden Titel erhielten, ist den damaligen Herausgebern zuzuschreiben.

Das vordergründig Liedhafte, das den meisten, aber nicht unbedingt allen von Mendelssohns 'Liedern ohne Worte' eingeschrieben ist, weiß der Pianist Michael Endres in seiner neuen Gesamtaufnahme – und das im besten Sinne – voller Sanglichkeit auszuformulieren. Den oftmals ein wenig melancholischen Duktus versteht er mit Nachdenklichkeit und größter Geschmeidigkeit nachzuzeichnen. Er vermag den jeweiligen Ausdruckscharakter mit seiner hochdifferenzierten Herangehensweise, aber auch einmal mit anspringender Prägnanz, ja auch mit dramatischem Impetus zu treffen. Die musikalischen Ebenen von Melodie und Begleitung erfahren unter seinen Händen eine subtile Trennung, wobei seine beachtliche Anschlagskunst, so etwa im 'Frühlingslied', der Nr. 6 aus dem fünften Heft, feinsinnig zwischen agogisch freier und biegsamer Formulierung der Melodie und daneben voller Feinsinn geprägter sprechender Gestik der Begleitstimmen in der linken Hand unterscheiden und zugleich auch wieder vermitteln kann.

Michael Endres gelingen dabei klarsichtige Klangbilder voller Transparenz, voller sensibler Rhythmik und mit fein atmender Kantabilität. Seine überzeugende Gestaltungskunst, gegründet im weiten Ambitus von Dynamik und Tempovariabilität, in den vielen Zwischenstufen der Ausrundung der Kontur, in der Vielfalt von Mustern der artikulatorischen Schärfe und Präsenz, wie in der hohen Flexibilität der Agogik verleiht Mendelssohns 'Liedern ohne Worte' ein immer lebendiges Profil. Nur ganz selten könnte man dem Pianisten, so etwa im zweiten Lied aus dem ersten Heft, ein doch vielleicht etwas zu zurückhaltendes Modellieren oder – im dritten aus demselben Heft – eine ein wenig zu gestanzte Kontur oder im fünften Lied aus dem zweiten Heft eine etwas zu hölzerne Prägung vorhalten. Aber solches erscheint völlig nachrangig gegenüber der Fülle des Wohllauts, die seine Auseinandersetzung mit diesen Stücken ansonsten vermittelt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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    Mendelssohn Bartholdy, Felix: Lieder ohne Worte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
2
28.08.2015
EAN:

4260034864528


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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