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Dienstag, 12. Dezember 2017

Stark, Robert - Klarinettenkonzerte

Die Suche hat sich gelohnt


Label/Verlag: Paladino
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Klarinettist Dimitri Ashkenazy hat Werke von Robert Stark ausgegraben und damit das Repertoire für Klarinette um einige sehr schöne Stücke erweitert.

Zugegeben, Robert Stark ist nicht unbedingt ein geläufiger Name. Selbst wenn er unter Berufsmusikern wohl dank seiner Lehrwerke eine gewisse Bekanntheit besitzt, so sind seine Klarinettenkonzerte und kammermusikalischen Kompositionen dennoch weitgehend unbekannt. Auf der Suche nach neuem Material hat aber schon mancher Interpret wahre Schätze ausgegraben, um den einfallslosen Wiederholungen des immergleichen Repertoires zu entkommen. Im Hinblick auf die Klarinette muss man hingegen zugutehalten, dass es wenigstens das Mozart‘sche Standardkonzert gibt, das immerhin noch recht häufig aufgeführt wird. Andere Geschwister aus den Reihen der Blasinstrumente haben es da oft noch schwerer, als Solisten im Konzertprogramm einen Platz zu finden.

Im Falle dieser Einspielung muss man Dimitri Ashkenazy für seinen unermüdlichen Einsatz um diesen Komponisten loben: Nachdem er zufällig auf Robert Stark aufmerksam wurde, hat er sich über mehrere Jahre auf die Suche nach dessen Klarinettenwerken gemacht. Das Ergebnis ist die vorliegende CD mit vier Werken für Klarinette und Orchester.

Das eröffnende Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 2 in F-Dur op. 13 ist mit seiner nahtlosen Satzfolge das längste Stück der Aufnahme. Starks Vorliebe für lange, lyrische Passagen wird schnell deutlich. Das Konzert beginnt mit einem warmen Waldhörnerchoral, der unweigerlich Assoziationen an Webers 'Freischütz' aufkommen lässt. Nach dem kurzen Vorspiel setzt die Klarinette ein und beherrscht von da an das musikalische Geschehen. Stark lässt sich viel Zeit, entwickelt lange Linien, baut eine wunderschöne Harmonik und kostet die Stärken der Klarinette voll aus. Nach einer Weile wirkt die Musik etwas flach, scheint träumend vor sich hin zu dümpeln. Aber dann kommt schon ein neuer Gedanken, und Stark führt die Musik elegant in einen neuen Abschnitt.

Es folgen ein kurzes Walzer-Capriccio mit unbeschwert-fröhlichem Charakter sowie die Romanze für Klarinette und Orchester op. 1. Nach einer kitschig anmutenden Einleitung moduliert die Klarinette über diverse Akkordbrechungen zum Hauptthema, das von da an vorherrschend bleibt. Die an sich sehr hübsche Melodie wird von meist recht einfach gehaltenen höfischen Tanzmotiven begleitet, ohne originelle Kontrapunktik. Wie auch schon beim zweiten Konzert, schafft es Stark der Musik dann einen neuen Impuls zu geben, wenn sie in die Eintönigkeit abzurutschen droht.

Beim dritten Konzert in d-Moll op. 50 erkennt man hingegen bereits eine deutliche kompositorische Weiterentwicklung: Der sich langsam aufbauende Mollklang am Anfang schafft eine mysteriöse Atmosphäre. Stark springt hier nicht mehr direkt ins Geschehen, sondern baut langsamer auf und schafft dadurch größere Spannung. Das Konzert weist generell ein höheres Maß an Dramatik und einen versierteren Orchestereinsatz mit deutlicher Kontrapunktik auf. Auch wenn er sich im zweiten Satz wieder ganz seinen scheinbar endlosen, lyrisch-schwebenden Melodielinien hingibt, so zeigt er im dritten Satz eine bis dahin ungewohnt feurige Seite. In wilden Kapriolen führt die Klarinette das Konzert zum virtuosen Finale.

Hervorzuheben bleibt natürlich auch Dimitri Ashkenazys überzeugende Interpretation. Mit seinem volltönenden Klang und seinem sauberen, aber dennoch menschlich-atmendem Spiel, ist er sicherlich auch ein großer Gewinn für diese Werke. Hervorragend begleitet wird er von den Hamburger Symphonikern unter David Curtis. Robert Starks Musik ist nicht nur sehr gefällig, sondern bietet einen wundervollen Melodienreichtum. Auch wenn er erst 1847 geboren wurde, klingt seine Musik größtenteils doch eher frühromantisch. Er mag sicherlich nicht der innovativste Komponist sein, aber dennoch schreibt er originell und hat das überschaubare Klarinettenrepertoire um einige liebevolle Stücke erweitert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet




Moritz Klenk Kritik von Moritz Klenk,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Stark, Robert: Klarinettenkonzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Paladino
1
28.08.2015
52:58
EAN:
BestellNr.:
Booklet
9120040731649
PMR 0064


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"Viele von Robert Starks (1847–1922) Werken gilt es noch zu entdecken und einem großen Publikum zu präsentieren, wenngleich Klarinettisten seinen Namen kennen. Die Stücke auf dieser CD sind von einer einzigartigen Erfindungsgabe und Eleganz; gleichzeitig aber bleiben sie ehrlich und sich selbst treu."


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Paladino

Das CD-Label paladino music wurde 2009 von dem Cellisten Martin Rummel gegründet und ist sozusagen die Keimzelle von paladino media, wozu mittlerweile neben paladino music auch Orlando Records, KAIROS und Austrian Gramophone gehören. Inzwischen bei einem Durchschnitt von 15 Veröffentlichungen pro Jahr angekommen, hat paladino music sich zu einem anerkannten Boutique-Independentlabel entwickelt. Die Veröffentlichungen sind zumeist auf einen Komponisten fokussiert, aber auch Rezitalprogramme und aufsehenerregende Debütaufnahmen sind neben Ersteinspielungen von Komponisten wie Franz Krommer, David Popper, Johann Joachim Quantz, Thomas Daniel Schlee, Robert Stark und Johann Wenzel Tomaschek entstanden. Herausragende Interpreten aller Generationen, von jungen Künstlern bis hin zu internationalen Stars wie Vladimir Ashkenazy garantieren, dass die künstlerische Qualität der Einspielungen außer Frage steht. Ursprünglich auf Kammermusik fokussiert, veröffentlicht paladino music in jüngster Zeit auch zunehmend Solokonzert- und andere Orchesteraufnahmen.

Zahlreiche Veröffentlichungen haben Auszeichnungen bekommen oder sind zumindest dafür nominiert worden, und Kritiker in internationalen Medien loben nicht nur die Aufnahmen und das Repertoire selbst, sondern auch die strikt durchgezogene Eleganz des Designs, dass aus dem Firmendesign von paladino media entwickelt ist. paladino music wird von Martin Rummel kuratiert, der von einem kleinen Team an Fachleuten in der Umsetzung, Fabrikation und Distribution unterstützt wird. Das Lager wird von Naxos Global Logistics verwaltet, und ein Netzwerk von über 50 internationalen Vertrieben garantieren, dass jede Aufnahme weltweit über den Fach- und Internethandel sowie über alle wesentlichen Streaming- und Downloadplattformen verfügbar ist.


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