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Dienstag, 22. August 2017

Dvorak, Antonin - Alfred

Dvořáks 'Alfred' endlich auf CD


Label/Verlag: Arco Diva
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Musikalisch ist diese Aufnahme von Dvořáks früher Oper 'Alfred' gelungen, doch editorisch lässt die Produktion einige Wünsche offen.

Es gibt ausreichend Beispiele dafür, dass Opern des 19. Jahrhunderts zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind oder nicht ihrer Bedeutung gemäß beachtet werden. Der junge Antonín Dvořák war nicht nur ein glühender Wagner-Verehrer, sondern auch ein Patriot. Vor diesem Hintergrund muss man seinen Opernerstling, die Oper 'Alfred' nach dem gleichnamigen Heldendrama von Theodor Körner verstehen. Die uns heute so störende patriotische Naivität ist nicht nur ein Kennzeichen dieses Werkes, man sollte sich diesbezüglich einmal die Werke von Heinrich Marschner anhören. Sicherlich kann man überheblich die Nase über diese erste Oper von Dvořák rümpfen. Immerhin zeigt der Komponist ein beträchtlich hohes kompositorisches Niveau. Das Urteil des Dvořák-Biographs Kurt Honolka, dass diese Oper ‚ein Beispiel perfekter Naivität, ohne jede Chance, je aufgeführt zu werden‘ sei, ist sicherlich zu hart und geht auch an den historischen Gegebenheiten vorbei. Es könnte gewiss spannend werden, diese Oper in einer intelligenten Inszenierung einmal auf der Bühne zu erleben.

Die Oper wurde zu Lebzeiten des Komponisten nie aufgeführt. Es gab eine Serie von Aufführungen in tschechischer Sprache im Jahre 1938, die jedoch aufgrund der damaligen politischen Verhältnisse (Besetzung durch die Nazis) beendet wurde. Erst 2014 erfolgte die erste originale Aufführung in deutscher Sprache im Rahmen einer konzertanten Aufführung im Prager Rudolfinum. Gesanglich ist die Einspielung untadelig, da kann auch Dirigent Heiko Mathias Förster aus dem Vollen schöpfen. Felix Rumpf gibt einen stimmlich überragenden Alfred. Aber auch Ferdinand von Bothmer (Harald), Jörg Sabrowski (Gothron), Peter Mikulas (Sieward) Tilmann Unger (Dorset und Bote) und Jarmila Baxova (Rowena) agieren überzeugend, lediglich bei Petra Froeses (Alvina) muss man einige Abstriche vornehmen.

Das hervorragende Prager Radiosinfonieorchester ist wie der Tschechische Philharmonische Chor Brünn unter Petr Fiala glänzend aufgelegt. Unter der umsichtigen Leitung von Heiko Mathias Förster wird mit viel Sorgfalt und Einfühlungsvermögen musiziert. Diese Einspielung ist für alle Opernfans ein Muss, für die Liebhaber der Musik von Antonín Dvořák sowieso.

Was den Genuss leider ziemlich schmälert, ist die editorische Aufbereitung dieser Produktion, die zu einem recht hohen Preis ziemlich dürftig ausgefallen ist. Obwohl die Aufführung vom deutsch-tschechischen Zukunftsfond gefördert wurde und im Rahmen des deutsch-tschechischen Kulturaustauschs erklang, ist der Einführungstext im Booklet nur auf Englisch und Tschechisch abgedruckt. Die Track-Setzung gibt nur die Nummern der Szenen an, ohne Angabe, welche Abschnitte genau zu hören sind. Für das deutsche Libretto wird auf das Internet und die Homepage verwiesen, aber da fehlen die Track-Angaben für die CD. Das Ganze ist in der Tat nicht ziemlich bescheiden. So werden Chancen vertan.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Alfred

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arco Diva
2
15.07.2015
EAN:

8594029811409


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Arco Diva

Seit seinen Anfängen im Jahr 1998 gehört Arco Diva aus Prag zu den bedeutendsten unabhängigen Produzenten klassischer Musik in Tschechien und Mitteleuropa, die sich nach den politischen Umwälzungen 1989 etablierten.

Der Katalog des Labels umfasst mehr als hundert Titel; viele davon wurden auch außerhalb Tschechiens ausgezeichnet. Arco Diva legt pro Jahr etwa 12 neue Produktionen vor, sehr oft in Kooperation mit Institutionen wie dem tschechischen Rundfunk, dem internationalen Festival ?Prager Frühling? usw. Das Label ist stets auf der MIDEM in Cannes vertreten und exportiert nach Übersee incl. Asien (Japan, China, Südkorea).

Der Schwerpunkt der Produktionen liegt vorwiegend, aber nicht ausschließlich, auf Werken tschechischer und mittel- bzw. osteuropäischer Komponisten. Das Label sucht ständig nach neuen, vielversprechenden Interpreten und versucht, junge Künstler zu promoten. Besonders bedeutende Aufnahmen sind das Oratorium ?Svata Ludmilla? von Dvorák (als SACD in Kooperation mit dem ?Prager Frühling? erschienen), das Oratorium ?Judas Maccabäus? von Sylvie Borodová und andere mit dem Radiosymphonieorchester Prag, dem Prager Symphonieorchester, dem philharmonischen Orchester Brno, dem Prager Kammerorchester, Prague Philharmonia usw. Zum Kreis der Künstler zählen die Quattro Group, Gabriela Benackova, Stefan Margita, Katerina Englichova, Martin Kasi, Martina Bacova, dem tschechischen Knabenchor Boni pueri, dem Quattro Orchester, Wihan Quartet, ArteMiss Trio, Puella Trio und Komponisten wie Sylvie Bodorova, Lubos Fiser, Zdenek Lukas, Otmar Macha.

Technisch arbeitet das Label in der hochauflösenden 24 bit/96 KHz-Technik, wobei auch Dienstaufträge für andere Label wie Praga Digital übernommen werden. Arco Diva ist ein Pionier bezüglich des Digitalvertriebs in Tschechien und repräsentiert dort die Firma The Orchard.


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