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Mittwoch, 20. September 2017

Tschaikowsky, Peter Iljitsch - Jolanthe

Voller Hingabe


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese 'Iolanta' verfügt zwar nicht über große Namen wie Netrebko oder Beczala. Aber sie ist in wirklich allen Bereichen die überzeugendere, weil unprätentiösere und frischere Interpretation von Tschaikowskys verkanntem Opernschatz.

Pjotr Iljitsch Tschaikowkys Märchen-Einakter 'Iolanta' von 1891 ist bis heute ein Werk für Liebhaber geblieben und hat es auch nicht nachhaltig ins internationale Opernrepertoire geschafft. Die Gründe hierfür sind ebenso vielfältig wie unergründlich. Ja, die Oper basiert auf einem manchmal schwer zu verdauenden Märchenstoff von der blinden Prinzessin Iolanta, die durch die wahre Liebe ihr Augenlicht wieder erlangt – all das mit großem Jubel-Happyend und einer sehr an der ganzheitlichen Problemlösung interessierten Dramaturgie. Auf der anderen Seite ist der Text so reich an Symbolik, dass eine szenische Realisierung mit Mitteln eines zeitgemäßen Regietheaters letztlich mehr als dankbar sein könnte. Und die Musik zu 'Iolanta' ist zudem von ausnehmender Schönheit und Kraft.

Das beweist der Mitschnitt zweier konzertanter Aufführungen der Oper vom Oktober 2014 in der Kölner Philharmonie, der nun beim Label Oehms auf zwei CDs erschienen ist. Was Dmitrij Kitajenko da am Pult des Gürzenich-Orchesters aus seinen Musikern und den Sängern an Klangzauber und Intensität hervorholt, ist schlicht atemberaubend. Dabei kostet er die Farbkontraste der Partitur mit aller gebotenen Schärfe aus, behält aber stets den großen Bogen im Blick. Kitajenkos Lesart kennt den kammermusikalischen Tonfall ebenso wie das ekstatisch Rauschhafte. Das wunderbar aufgelegte Gürzenich-Orchester folgt dem Maestro mit hörbarer Lust und Leidenschaft, ebenso der prägnante Chor der Oper Köln. Selbiges gilt aber auch für die Solisten, die in ihrer Authentizität und Wahrhaftigkeit kaum zu überbieten sind. Kurz: Diese Besetzung ist perfekt aufeinander abgestimmt.

Olesya Golovneva  gestaltet die Wandlung der mädchenhaften Prinzessin zur liebenden Frau mit absoluter Hingabe. Ihr heller Sopran verfügt dabei über jenen jugendlichen Tonfall, der Iolantas kindliche Naivität glaubhaft werden lässt; gleichzeitig entfacht Golovneva ein wahres Leuchtfeuer in der Höhe – alles mit glutvoller Wärme und tadelloser Stimmführung. Ihr erstes Arioso rührt zu Tränen, das Duett mit Vaudémont entfacht Begeisterung. Und nicht nur Golovneva begeistert, sondern auch Dmytro Popov als Godefroy de Vaudémont. Mit kraftvoll, strahlendem Tenor singt er sich in Iolantas Herz und in das der Zuhörer. Das klingt gesund, manchmal etwas dunkel und herb, aber das steht dem jungen Ritter gut, der (laut Beiheft) zwar zarter besaitet ist als Herzog Robert, aber eben kein säuselnder Weichling.

Als Herzog Robert kostet der Bariton Andrei Bondarenko seine effektvolle Arie mit Energie  genüsslich aus, während Alexander Vinogradov ein entwaffnend tonschöner König René ist, dessen vielschichtiger Charakter sich in den kunstvoll angeschlagenen Zwischentönen offenbart.

Vladislav Sulimsky gibt den weisen Arzt Ibn-Hakia, und auch die Nebenrollen sind glänzend besetzt: John Heuzenroeder als Alméric, Marc-Olivier Oetterli als Bertrand, Justyna Samborska als Brigitta und Marta Wryk als Laura. Als Amme Martha hinterlässt Dalia Schaechter bleibenden Eindruck – wobei das Beiheft die Namen von Schaechter und Samborska versehentlich vertauscht. Ansonsten bietet das Booklet eine liebevoll detaillierte Inhaltsangabe mit musikalischen Hinweisen, die den fehlenden Abdruck des Librettos problemlos vergessen lässt.

Diese 'Iolanta' verfügt zwar nicht über große Namen wie Anna Netrebko und Piotr Beczala, um auf dem Plattenmarkt die verdiente Aufmerksamkeit zu erhaschen. Aber sie ist in wirklich allen Bereichen die überzeugendere, weil unprätentiösere und frischere Interpretation von Tschaikowskys verkanntem Opernschatz.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tschaikowsky, Peter Iljitsch: Jolanthe

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
2
31.07.2015
EAN:

4260034869639


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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