> > > Alfred Schnittke: Cellosonaten Nr. 1 und 2
Donnerstag, 21. Oktober 2021

Alfred Schnittke - Cellosonaten Nr. 1 und 2

Ausdruck, Klarheit und Tiefe


Label/Verlag: NCA - New Classical Adventure
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hervorragende Interpretationen der Cellosonaten Alfred Schnittkes von den Musikern, die dem Komponisten ganz nahe standen.

Wenn Alfred Schnittkes kammermusikalische Werke von seiner Frau Irina, seinem lebenslangen Freund Mark Lubotsky zusammen mit Olga Dowbusch-Lubotsky interpretieren werden, kann eigentlich nur Großes dabei herauskommen. Die Aufnahme mit seinen Cellosonaten Nr. 1 und 2, dazwischen sein Trio für Violine, Violoncello und Klavier, ist jeglicher Hinsicht ein Hörgenuss. Durch die Zusammenstellung der Werke wird Schnittkes Entwicklung deutlich, der Weg von einer eklektizistischen Symbiose zu einem ganz individuellen, von düsteren Stimmungen bestimmten Stil. Alle drei Künstler stehen für technische Brillanz und außerordentliche Expression, analytische Klarheit und emotionale Tiefe.

Die Cellosonate Nr. 1 gilt als eines der berühmtesten Cellowerke der Musikliteratur und als Qualitätstest bei internationalen Musikwettbewerben. Schnittke selbst stufte diese Sonate als geradliniges Stück ein, das ‚nicht auf besonderen technischen Innovationen‘ beruht. Ohne Pause umrahmen im Gegensatz zu Bachs vorklassischer Sonatenform zwei 'Largo'-Sätze das 'Presto', wobei tonale und atonale klangsprachliche Elemente ausdrucksstark verbunden werden. Olga Dowbusch-Lubotsky entfaltet mit dem ersten Ton Schnittkes melancholisch nostalgische Grundstimmung im Wechselspiel von Dur und Moll, fiebrigen Höhen, dissonantem Sehnen und abgründigen Tiefen in ständig auf- und ablaufende Skalen. Das Klavier bringt formstrkturierende Elemente ein. Im zweiten Satz durchschneidet und intensiviert Irina Schnittke am Klavier im Wechsel von wuchtigen und glasklar perlenden Tonläufen die explosive Streicherpartie. Der instrumentale Wettkampf wird in einem Klangcluster zusammengeführt und eskaliert in einem Wahnsinnstempo klirrenden Tonläufe in silberner Höhe, um im dritten Teil die ursprüngliche Motivik der beiden Sätze gelassen und getragen, in subtilster Dynamik innigster Emotionalität Raum zu geben.

In der überarbeiteten Form desTrios für Violine, Violincello und Klavier, 1993 uraufgeführt, setzt Schnittke statt auf orchestrale Dichte auf die Zerlegung der Töne. Viele musikalischen Ausdruckssprachen klingen an: Schubert, Mahler, Alban Berg, unterschiedlichste Genres. Alfred Schnitts zerlegt sie, baut sie neu zusammen und entwickelt aus der Synthese dieser Facettenvielfalt seinen eigenen Stil, den die drei Musiker lupenrein im 'Moderato' und im 'Adagio' in mitreißender Musikalität unterschiedlichster Tempi und Artikulation emotional in jedem einzelnen Ton erlebbar machen.

Kurz vor seiner letzten, folgenschweren Erkrankung komponierte Alfred Schnittke seine Sonate Nr. 2 für Violoncello und Klavier. In fünf Sätzen angelegt ist sie dennoch wesentlich kürzer und reduzierter als die erste. Im 'Senza tempo' bleibt Irina Schnittke nur, das tiefe C zu wiederholen, während das Cello über vier Oktaven in dynamischer Vielfalt ‚improvisiert‘. Im zweiten Satz gewinnt das Klavier durch aufsteigende Kontrapunktierungen und mehr Tonumfang an Klangbedeutung, die das Cello variantenreich umspielt, um im dritten Akt eine große Melodielinie zu entwickeln, deren Noten das Klavier in den Akkorden wiederholt, die wie ein Nachhall klingen. Es folgt der sehr lebhafte vierte Satz, in der beide Tonqualitäten gleichgewichtig die musikalische Balance zerlegen und aufbauen, um sich im fünften Akt auf wenigen Noten reduziert 'Lento' zu beruhigen und sich in Stille aufzulösen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Alfred Schnittke: Cellosonaten Nr. 1 und 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
NCA - New Classical Adventure
1
26.06.2015
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
885150340424
234042


Cover vergössern

NCA - New Classical Adventure

20 Jahre NCA

Als im Jahre 1992 das Klassiklabel NCA ins Leben gerufen wurde, dachte niemand daran, dass man heute das 20-jährige Jubiläum feiern könnte. In zwei Jahrzehnten wurde ein Katalog geschaffen, der mehr als 150 Produktionen umfasst und zum Besten gehört, was die Klassik zu bieten hat.

NCA steht für neue Interpretationen bekannter Werke, steht für eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit Musik in den verschiedensten, vielleicht auch ungewohnten Besetzungen, steht für auserlesene, oft zu Unrecht selten oder bisher noch nie eingespielte Werke in allen Stilistiken der klassischen Musik, was insgesamt zum Markenzeichen des Labels wurde und ist damit die ideale Ergänzung für den Plattenschrank eines Klassikliebhabers werden.Dabei ist selbstverständlich Grundvoraussetzung eine hohe künstlerische und technische Qualität der Einspielungen.

Bei NCA findet sich keine Trennung des Repertoires, sondern alle Einspielungen dienen gleichberechtigt dem einen Zweck, das Phänomen ?Musik? im Sinne eines Mosaiks ganzheitlich (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) entstehen zu lassen.

Viele Einspielungen aus sämtlichen Genres der klassischen Musik wurden von der Fachpresse hochgelobt und mit diversen Preisen ausgezeichnet. Viele berühmte und weltbekannte Künstler zeugen von der höchsten Qualität der Produktionen. Ein besonderes Augenmerk gilt der Förderung junger und aufstrebender Künstler, um ihnen ein Sprungbrett in die weite Welt der Klassik zu bieten.

Wenn Sie Lust auf klassische Abenteuer im besten Sinne des Wortes haben, dann sollten Sie sich NCA nicht entgehen lassen!

Klaus Feldmann
A&R Managing Director


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag NCA - New Classical Adventure:

  • Zur Kritik... Ordnende Hand: Interpretatorisch lässt sich Paavo Järvis Einspielungen mit dem Cincinnati Symphony Orchestra einiges abgewinnen. Klanglich gibt es aber bei einem großen Teil erhebliche Mängel. Weiter...
    (Florian Schreiner, )
  • Zur Kritik... Wiederentdeckung kammermusikalischer Kostbarkeiten: Der russische Geiger Mark Lubotsky hat bislang kaum gehörte Klaviertrios seiner Landsmänner eingespielt. Es sind kammermusikalische Kleinodien, die entdeckt werden müssen - auch wenn ihre Schöpfer daran nicht interessiert waren. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Wie einem Jungbrunnen entstiegen: Hinreißend frische Märchenoper Weiter...
    (Dirk Weber, )
blättern

Alle Kritiken von NCA - New Classical Adventure...

Weitere CD-Besprechungen von Michaela Schabel:

blättern

Alle Kritiken von Michaela Schabel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Vertane Chance: Unbekümmertheit bestimmte Villa-Lobos' Denken, als er Transkriptionen von Klassik-Ohrwürmern erstellte. Zur Unbekümmertheit gesellt sich Ungenauigkeit hinsichtlich der Einspielungen dieser Werke durch den São Paulo Symphony Choir. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Es muss nicht immer Vivaldi sein: Völlig zurecht wurde Elizabeth Wallfisch 2021 mit dem Magdeburger Telemann-Preis ausgezeichnet. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Aufbrechende Farben und Klänge: Aus dem Schattendasein ans Licht führen Patricia Kopatchinskaja und die Camerata Bern folkloristisch intendierte Kunstmusik. So gelingt ein Klangabenteuer zwischen Vergangenheit und Moderne. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich