> > > Alfred Schnittke: Cellosonaten Nr. 1 und 2
Dienstag, 5. Juli 2022

Alfred Schnittke - Cellosonaten Nr. 1 und 2

Ausdruck, Klarheit und Tiefe


Label/Verlag: NCA - New Classical Adventure
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hervorragende Interpretationen der Cellosonaten Alfred Schnittkes von den Musikern, die dem Komponisten ganz nahe standen.

Wenn Alfred Schnittkes kammermusikalische Werke von seiner Frau Irina, seinem lebenslangen Freund Mark Lubotsky zusammen mit Olga Dowbusch-Lubotsky interpretieren werden, kann eigentlich nur Großes dabei herauskommen. Die Aufnahme mit seinen Cellosonaten Nr. 1 und 2, dazwischen sein Trio für Violine, Violoncello und Klavier, ist jeglicher Hinsicht ein Hörgenuss. Durch die Zusammenstellung der Werke wird Schnittkes Entwicklung deutlich, der Weg von einer eklektizistischen Symbiose zu einem ganz individuellen, von düsteren Stimmungen bestimmten Stil. Alle drei Künstler stehen für technische Brillanz und außerordentliche Expression, analytische Klarheit und emotionale Tiefe.

Die Cellosonate Nr. 1 gilt als eines der berühmtesten Cellowerke der Musikliteratur und als Qualitätstest bei internationalen Musikwettbewerben. Schnittke selbst stufte diese Sonate als geradliniges Stück ein, das ‚nicht auf besonderen technischen Innovationen‘ beruht. Ohne Pause umrahmen im Gegensatz zu Bachs vorklassischer Sonatenform zwei 'Largo'-Sätze das 'Presto', wobei tonale und atonale klangsprachliche Elemente ausdrucksstark verbunden werden. Olga Dowbusch-Lubotsky entfaltet mit dem ersten Ton Schnittkes melancholisch nostalgische Grundstimmung im Wechselspiel von Dur und Moll, fiebrigen Höhen, dissonantem Sehnen und abgründigen Tiefen in ständig auf- und ablaufende Skalen. Das Klavier bringt formstrkturierende Elemente ein. Im zweiten Satz durchschneidet und intensiviert Irina Schnittke am Klavier im Wechsel von wuchtigen und glasklar perlenden Tonläufen die explosive Streicherpartie. Der instrumentale Wettkampf wird in einem Klangcluster zusammengeführt und eskaliert in einem Wahnsinnstempo klirrenden Tonläufe in silberner Höhe, um im dritten Teil die ursprüngliche Motivik der beiden Sätze gelassen und getragen, in subtilster Dynamik innigster Emotionalität Raum zu geben.

In der überarbeiteten Form desTrios für Violine, Violincello und Klavier, 1993 uraufgeführt, setzt Schnittke statt auf orchestrale Dichte auf die Zerlegung der Töne. Viele musikalischen Ausdruckssprachen klingen an: Schubert, Mahler, Alban Berg, unterschiedlichste Genres. Alfred Schnitts zerlegt sie, baut sie neu zusammen und entwickelt aus der Synthese dieser Facettenvielfalt seinen eigenen Stil, den die drei Musiker lupenrein im 'Moderato' und im 'Adagio' in mitreißender Musikalität unterschiedlichster Tempi und Artikulation emotional in jedem einzelnen Ton erlebbar machen.

Kurz vor seiner letzten, folgenschweren Erkrankung komponierte Alfred Schnittke seine Sonate Nr. 2 für Violoncello und Klavier. In fünf Sätzen angelegt ist sie dennoch wesentlich kürzer und reduzierter als die erste. Im 'Senza tempo' bleibt Irina Schnittke nur, das tiefe C zu wiederholen, während das Cello über vier Oktaven in dynamischer Vielfalt ‚improvisiert‘. Im zweiten Satz gewinnt das Klavier durch aufsteigende Kontrapunktierungen und mehr Tonumfang an Klangbedeutung, die das Cello variantenreich umspielt, um im dritten Akt eine große Melodielinie zu entwickeln, deren Noten das Klavier in den Akkorden wiederholt, die wie ein Nachhall klingen. Es folgt der sehr lebhafte vierte Satz, in der beide Tonqualitäten gleichgewichtig die musikalische Balance zerlegen und aufbauen, um sich im fünften Akt auf wenigen Noten reduziert 'Lento' zu beruhigen und sich in Stille aufzulösen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Alfred Schnittke: Cellosonaten Nr. 1 und 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
NCA - New Classical Adventure
1
26.06.2015
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
885150340424
234042


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Klaus Feldmann
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