> > > Kreisler, Georg: Die Singphoniker
Samstag, 24. August 2019

Kreisler, Georg - Die Singphoniker

Schwarzhumoriges


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Chansons von Georg Kreisler in gekonnten Arrangements, sehr passend gesungen von den Singphonikern. Eine schöne Hommage an den vielseitigen Künstler.

Georg Kreisler (1922-2011) ist in seiner Kunst auch heute kaum vollends anerkannt. Zu sehr greifen bei ihm die Einordnungen in ernste und unterhaltende Musik, die seinem vielgestaltigen Werk nicht gerecht werden können. Kreisler schöpfte aus vielem, war mit Bartók, Strawinsky, Schönberg oder Berg ebenso vertraut wie mit Werner Richard Heymann und dem Sound der Comedian Harmonists. Diese ästhetische Vielfalt hat zumindest der angemessenen Rezeption seines ambitionierten musikdramatischen Werks geschadet.

Seine an Qualitäten reichen Chansons sind heute noch immer vergleichsweise bekannt, können aber gleichfalls nicht mit einfacher Elle gemessen werden. Natürlich ist da die heitere, leichthändige melodische Erfindung, die einfache Geste, die auf den ersten Blick harmlose Zugewandtheit. Doch war Kreisler eben nicht nur Komponist, er war mindestens gleichrangiger Poet, dessen Textminiaturen oft von einer abstrusen Beobachtung ausgehen und aus diesem kleinen Impuls dann üppig Funken schlagen, oft genug in schwärzesten Humor getaucht. Dem unvergleichlichen Beobachter des Menschen ist auch das melancholische Leiden an der Welt nicht fremd, genauso wenig wie eine radikale, fast grimmige Widerständigkeit. Das zeigen etliche wunderbare Skizzen wie 'Sie ist ein herrliches Weib', 'Das Triangel', natürlich der herrliche 'Musikkritiker', dazu 'Der schöne Heinrich' oder 'Der guade, oide Franz'. Jedenfalls muss Kreisler als umfassend begabter Künstler gelten, der in seinem Gesamtpotenzial zeitlebens schmählich unterschätzt wurde.

Echte Könner

Die Singphoniker haben mit Kreislers Chansons natürlich wunderbares ‚Futter‘, mit dem sie all ihre Qualitäten ausspielen können: Sie singen wunderbar lyrisch, sind dazu unglaublich agil und virtuos, deklamieren die oft dialektal eingefärbten Texte mit großer Kunstfertigkeit. Und eine besondere Qualität ist hier anzumerken: Die Singphoniker erzählen die Texte singend, auf natürliche Weise verständlich. Die Timbres der fünf Vokalisten verschmelzen sehr gelungen miteinander, ohne dass die Eigenarten verloren gingen. Auch der neue Countertenor Johannes Euler fügt sich glücklich in den erprobten Ensembleklang ein.

Die Intonation ist – man möchte sagen: natürlich – hervorragend, in allen Registern und Lagen unproblematisch, geprägt vom individuellen Charme der profilierten Einzelstimmen. Arrangiert sind die Kreisler-Sätze sehr vielgestaltig, von musikalischer Tändelei bis zu madrigalischer Geste, geschickt variierend zwischen klavierbegleiteten Beiträgen und a-cappella-Varianten. Und die Arrangements bilden die Spannung zwischen vordergründig harmloser Musik und absurd-schwarzhumorigen Texten gekonnt ab, mischen gekonnt ironische Kommentare ein.

Die Chansons von Georg Kreisler sind eine literarisch-musikalische Gattung eigenen Rangs, die in diesem Projekt der Singphoniker in sehr passenden Arrangements deutlich zur Geltung kommen. Vermutlich muss man das idealerweise live erleben: Immerhin hat man doch Georg Kreislers Präsentation im Hinterkopf, seine knarzige Überzeichnung mancher Passage. Und man kann vermuten, dass die Singphoniker dieses gewaltige Potenzial im Konzert weidlich nutzen, auch mimisch und gestisch alle Register ziehen werden. Einstweilen bietet diese Platte aber einen wunderbaren Blick auf Kreislers Chansons und zugleich auf das enorme Potenzial der Singphoniker.


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Kreisler, Georg: Die Singphoniker

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
1
26.06.2015
Medium:
EAN:

CD
4260330918079


Cover vergössern

OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag OehmsClassics:

  • Zur Kritik... Klingende Jahreszeiten: Dmitri Kitajenko gibt mit der Zagreber Philharmonie eine Lehrstunde in musikalischer Poesie. Weiter...
    (Karin Coper, )
  • Zur Kritik... Der Erde Lust und Leid: Die Anschaffung dieses Essener 'Hans Heiling' lohnt sich – allein schon, um das eigene Repertoire jenseits des Weber'schen 'Freischütz' zu erweitern und sich klar zu machen, dass mutige Oper auch abseits der einschlägigen Metropolen stattfindet. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... 'Gar oft hab ich's gehört!': Durch diese Frankfurter 'Lustige Witwe' fegt in vielerlei Hinsicht ein frischer Wind. Und das tut ungemein gut. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von OehmsClassics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Matthias Lange:

  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Finale: Was für eine Großtat von Hans-Christoph Rademann und seinen Ensembles. Schütz komplett – das gibt es jetzt auf hohem und höchstem Niveau. Für Enthusiasten ist die Reihe unverzichtbar. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ein Chor von Format: So feiert man Traditionen und nicht zuletzt auch sich selbst: klangfreudig, frisch, selbstbewusst. Wie viele andere englische College- und Kathedralchöre gehört der Choir of St. John's College Cambridge zu einem Phänomen, das Musikkultur bis heute prägt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Matthias Lange...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich