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Samstag, 15. August 2020

Caldara, Antonio - Triosonaten

Barocker Sonatenschatz


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Antonio Caldaras Triosonaten erweisen sich in dieser Aufnahme mit Amandine Beyer und Leila Schayegh als Perlen barocker Kammermusik.

Dass Antonio Caldara (1670–1736) heute vor allem als Komponist von Vokalwerken – nämlich von Opern, Kanten und geistlichen Werken – wahrgenommen wird, lässt leicht in Vergessenheit geraten, dass er zunächst als Schöpfer von Kammermusik hervorgetreten ist. Seine beiden in Venedig publizierten Sammlungen mit Triosonaten – die ‚Suonate a 3, 2 violini con violoncello e parte per l’organo‘ op. 1 (1693) und die ‚Suonate da camera a 2 Violini con il basso continuo‘ op. 2 (1699) – halten nicht nur auf einzigartige Weise den Entwicklungsstand dieser damals stark von den Werken Arcangelo Corellis beeinflussten Gattung fest, sondern bescheinigen ihrem Schöpfer auch eine außergewöhnliche kompositorische Meisterschaft. Die Geigerinnen Amandine Beyer und Leila Schayegh widmen sich auf einer Produktion des Labels Gloassa gemeinsam mit ihren Kollegen Jonathan Pešek (Violoncello), Jörg-Andreas Bötticher (Cembalo und Orgel) und Matthias Spaeter (Barocklaute) einer Auswahl aus diesen – leider – relativ selten erklingenden und auch auf dem Tonträgermarkt bislang nicht zugänglichen Sammlungen und legen dabei einen überraschend vielfältigen Zugang an den Tag.

Exemplarisch ist schon der Einstieg: Mit einem ganz aus dem Atem geborenen Violinphrase hebt das eröffnende 'Grave' der 'Sonata quarta' B-Dur op. 1 an, gefolgt von einer Imitation durch die zweite Melodiestimme, die diesen Atembogen aufgreift und über einem raffiniert aus diversen Klanganteilen zusammengesetzten Basso continuo weiterspinnt. Das Weiterreichen von einem Instrument zum anderen, die Gestaltung der langsamen Sätze aus nie enden wollenden, ineinander gewobenen Linien und die auch in den raschen Sätzen an der Idee des Gesangs orientierte Diktion – dies lässt die Musik wie aus einem Guss erscheinen. Ein besonders schönes Beispiel für den besonderen Zugang findet sich gleich beim Übergang vom zweiten zum dritten Satz: Der verzögerte Schlussakkord des 'Allegros' ist nicht als Endpunkt gestaltet, sondern wird vom Violoncello sofort in einer solistischen Linie weitergesponnen, die im Aufstieg den Affekt des nachfolgenden 'Adagios' annimmt und dann in diesen mündet. Solche improvisatorisch eingesetzten Anteile spielen auch bei der Feingestaltung der Violinparts, insbesondere in den langsamen Sätzen, eine zentrale Rolle. Sie führen dazu, dass die Aufnahme ungemein lebendig und in vielerlei Wendungen sehr spontan wirkt, etwa bei den Frage- und Antwortverschachtelungen in der eröffnenden 'Allemanda' aus der 'Sonata quarta' g-Moll aus op. 2.

Entsprechende Momente finden sich aber auch in den kontrapunktischen Duetten der raschen Sätze. Hier ist die Musik nicht nur von großer Transparenz bestimmt, sondern strahlt zugleich auch eine gewisse Leichtigkeit des Ausdrucks aus, was zudem immer wieder durch geschickt eingesetzte agogische Nuancen und die farblichen Gewichtungen beim Einsatz der Continuoinstrumente unterstrichen wird. Hinzu kommen interpretatorische Entscheidungen, die – neben der gelungenen Auswahl von insgesamt neun Werken aus dem Sonatenbestand – für Auflockerung und Überraschung sorgen. Beispielsweise lassen die Interpreten die 'Sonata ottava' F-Dur op. 2 ausklingen, indem sie den ungewöhnlichen Largo-Satz im 'Tempo di sarabanda' unter Verzicht auf die Akkordinstrumente allein dem solistischen Violinduo und dem Continuocellisten anvertrauen, was dem Stück einen farblich aus dem Kontext heraustretenden Abschluss verleiht. Indem sie schließlich die 'Chaconna' B-Dur – bei Caldara das Schlussstück aus der Sammlung op. 2 – ans Ende der CD stellen, schaffen sie eine gelungene Abrundung, die auch von der harmonischen Disposition her zum Anfang zurückführt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Caldara, Antonio: Triosonaten

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
05.06.2015
Medium:
EAN:

CD
8424562225145


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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