> > > Händel, Georg Friedrich: L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato (1740)
Montag, 17. Februar 2020

Händel, Georg Friedrich - L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato (1740)

Allegorisch


Label/Verlag: signum classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Paul McCreesh und sein Gabrieli Consort plädieren sehr gelungen für ein zu wenig wahrgenommenes Werk Georg Friedrich Händels: 'L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato'.

In die noch kleine, aber doch schon feine Diskografie seines Labels Winged Lion hat Paul McCreesh jetzt ein seltener zu Gehör kommendes Werk von Georg Friedrich Händel eingefügt: 'L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato'. Dieses formal nicht ganz leicht zu bestimmende Werk – am ehesten ist es ein Oratorium, oder doch eine ausgreifende Kantate, eine Serenata? – ist in für Händels Arbeitsweise typischer Manier innerhalb weniger Wochen im Winter 1740 entstanden. Ihm zu Grunde liegen zu jener Zeit weit verbreitete Dichtungen von John Milton, der den Gegensatz zwischen dem Frohsinnigen, Heiteren und dem Schwermütigen, Gedankenvollen allegorisch ausdeutete und entsprechende Stimmungen ausschmückte: Während der Heitere die Schönheiten von Natur, Wald und Jagd preist, widmet sich der Nachdenkliche dem Glück des Denkens, der schweifenden Seele in der Welt, die sich philosophierender Betrachtung zuwendet und das Wesentliche hinter den Dingen sieht und sucht. Auf Händels Vorschlag ergänzte Charles Jennens, der Miltons Vorlagen zu einem Libretto fügte, einen dritten Teil – die Größe der Mäßigung einführend, auch in seiner schieren Ausdehnung ist dieser dritte Teil der deutlich maßvollste.

Händel hat das der heutigen Welt etwas entrückte, gleichwohl, richtig gelesen, auch für den Menschen der Gegenwart an wichtigen Aussagen reiche Libretto in überaus qualitätvolle Musik gesetzt, einiges sogar mit einer unbedingt individuellen Note. Es ist sehr schade, dass das Werk heute seltener als manches Schwesterwerk gespielt wird. Allein – es ist inhaltlich eben doch nicht griffig genug, es fehlt jeglicher dramatischer Impuls. Und: Es hat im Vergleich etwa zum weltweit populären Messias zu wenig Chorsätze, als das sich andere als hochspezialisierte Formationen damit befassen würden.

Paul McCreesh hat die ursprüngliche Version von 1740 eingespielt: Händel hat in späteren Aufführungen einige neue Nummern eingeschoben und den dritten Teil durch die Cäcilien-Ode ersetzt. Hier, in der aktuellen Einspielung, folgt McCreesh seiner schon oft in die Tat umgesetzten Idee der möglichst originalgetreu nachgebildeten Realisierung, indem er das Werk gliedert: Mit zwei Concerti grossi aus op. 6 und einem Orgelkonzert aus op. 7, so wie Händel es bei der Uraufführung auch getan hat.

Versierte Stilisten

Die insgesamt sehr farbige Musik, auch reich an manch merkwürdiger Zeichnung, gar kleinerer lautmalerischer Verrücktheit, bietet den Instrumentalisten und Vokalisten reiche Entfaltungsmöglichkeiten. Die Vokalsolisten sind die Sopranistin Gillian Webster, der Knabensopran Laurence Kilsby, der Tenor Jeremy Ovenden, der Bariton Peter Harvey und der Bass Ashley Riches. Sie erweisen sich sämtlich als technisch versiert und bringen dieses Potenzial spielerisch in Deutung ein – intim mit dem Stil Händels vertraut, mit durchaus schlagkräftiger dramatischer Grundierung. Vor allem der Knabensopran erstaunt mit einer bemerkenswert vollen, warmen Stimme, als eine überlegen ihre beachtlichen Mittel disponierende Künstlerpersönlichkeit. Das wirkt reif und souverän. An wenigen Stellen ist an einer etwas trockenen Anmutung zu hören, dass Laurence Kilsby zum Zeitpunkt der Aufnahme schon 15 Jahre alt war und seine Stimme sehr knapp vor dem Wechsel stand: Ein schönes, ein bleibendes Dokument rasch vergänglicher Kunst ist es allemal.

Das Orchester agiert agil und gelenkig, klangvoll, mit schlankem, harmonischem Gesamtklang. Es sind sehr fein konzentrierte Streicherregister zu hören, ein elegant federnder Basso continuo, schöne Soli. In den Concerti erweisen sich die Instrumentalisten als wache, spielfreudige Einheit. Dem Chor fallen, wie schon angedeutet, nicht sehr viel, gleichwohl dankbare Aufgaben zu, die er zuverlässig niveauvoll löst und einen typisch englischen Händel-Chorklang präsentiert, den McCreesh mit seinen Ensembles in der Vergangenheit mitgeprägt hat.

Die Tempi sind klar konturiert, kommen ohne Überdruck aus, McCreesh sorgt für Sog und Kontext. Artikulatorisch sind etliche Varianten zu hören: Besonders eindrücklich gelingt die Entfaltung des Lyrikers Händel, aber auch die Kraftbegabung und dramatische Seite des Komponisten werden vollkommen natürlich expliziert.

Im großen, fast luxuriösen Klangbild fallen die schöne Balance und die alle Sphären sehr angemessen präsentierende, präzise Staffelung besonders positiv ins Gewicht. Präsentiert wird die Doppel-CD in einem ansprechend gestalteten Pappband, der – wenngleich nur in englischer Sprache – ungemein reflektiert informiert.

Paul McCreesh und sein Gabrieli Consort plädieren sehr gelungen für ein zu wenig wahrgenommenes Werk Georg Friedrich Händels. Es ist eine rundum gelungene Produktion von einiger Inspiration. Doch vermutlich wird auch diese Platte wenig am Schicksal des Werks ändern. Händelfreunde sollten sie aber unbedingt kennen.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato (1740)

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
signum classics
2
05.06.2015
Medium:
EAN:

CD
635212039229


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