> > > Stokowski: Gala Night At The Opera
Samstag, 25. September 2021

Stokowski - Gala Night At The Opera

Stokowski at the Opera


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Große Namen, große Oper, großes Kino für die Ohren!

Den Namen Leopold Stokowski assoziiert man nicht unmittelbar mit großer Oper, sondern eher mit effektvollen Konzerten – gerne auch mal im eigenen Arrangement. Der große amerikanische Dirigent hat zwar einige, vor allem zeitgenössische Opern wie Alban Bergs 'Wozzeck', Rimsky-Korsakoffs 'Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch' oder insbesondere das Musiktheaterschaffen von Arnold Schönberg zu ihren amerikanischen Erstaufführungen gebracht, zumeist aber in konzertanter Form. Seine wenigen Auftritte an Opernhäusern, wie die 'Turandot'-Serie 1961 an der Metropolitan Opera, haben Seltenheitswert.

Einen lebendigen Eindruck von Leopold Stokowskis Opernzugriff bieten folglich seine Opernkonzerte, die er regelmäßig am Pult ‚seines‘ Orchesters, dem Philadelphia Orchestra, veranstaltet hat. Beim historisch orientierten und rührigen Label Guild ist nun der Mitschnitt einer Operngala vom 20. Januar 1962 in Philadelphia auf einer CD erschienen. Es handelt sich dabei um die damalige Radiodirektübertragung mit allen Ansagen und Moderationen. Der Klang ist tadellos oder vielmehr authentisch, denn es stellt sich beim Hören sofort das Gefühl ein, man säße vor einem großen Radiogerät und lausche einem tatsächlichen Konzert, das in genau diesem Moment in Philadelphia stattfindet. Ein beglückendes Erlebnis, vor allem wenn zwei Superstars der damaligen Zeit gemeinsam mit Leopold Stokowski das Programm bestreiten.

Mit George London und Birgit Nilsson bietet diese Operngala zwei Solisten auf, die 1962 im Vollbesitz ihrer stimmlichen Möglichkeiten und auf dem Höhepunkt ihrer Gesangskarriere stehen. Kaum zu glauben, dass George Londons Bassbariton schon bald nicht mehr derselbe sein wird. Beim vorliegenden Philadelphia-Konzert ist von gesundheitlichen und folglich stimmlichen Defiziten nichts zu hören. Er beginnt mit Mozarts 'Non più andrai' aus 'Le nozze di Figaro' und schlüpft dabei einmal in die Rolle des Titelhelden, nachdem George London international vor allem als Graf Almaviva gefeiert wurde. Für den Figaro bringt London vielleicht nicht die gewohnte Flexibilität mit, aber er lotet das Abgründige der Rolle blendend aus. Dieser Figaro ist mit allen Wassern gewaschen, keiner sollte ihm in die Quere kommen. Daran lässt George London keinen Zweifel.

Mit ähnlicher Dämonie stattet er Gounods Méphistophélès in dessen Serenade aus und ein wirklicher Höhepunkt ist die Arie des Igor aus Alexander Borodins 'Fürst Igor', natürlich in der originalen russischen Sprache. Man ertappt sich dabei, dass man nun gerne auch noch Boris‘ Tod aus Mussorgskys 'Boris Godunov' gehört hätte, dann wäre man selig. Aber dafür muss man eben George Londons ‚Gods, Demons & Kings‘-Platte auflegen.

Das Dunkel der klanglichen Bass-Schwärze durbricht die Schwedin Birgit Nilsson mit ihrem unverkennbaren, gleißenden Sopranstrahl. Zunächst gibt sie dem eher introvertierten 'Vissi d’arte' aus Puccinis 'Tosca' den Vorrang und beweist, dass sie sehr wohl auch das strömende Piano und einen innig, berührenden Tonfall beherrscht. Wer Birgit Nilsson einzig als dramatische Silbertrompete im Ohr hat, wird hier an die zahlreichen anderen Stimmqualitäten der Sängerin erinnert. Dass Leopold Stokowski das Gebet der Tosca mit einem überaus kräftigen Hauch von Pathos und Kitsch versieht, kann man in Anbetracht von Nilssons Gesang letztlich verschmerzen.

Was Leopold Stokowski aus Richard Wagners 'Rienzi'-Ouvertüre herausliest, ist ebenfalls gefährlich nahe an einem gefälligen Hollywood-Sound. Mag sein, dass diese Lesart dem amerikanischen Zeitgeschmack geschuldet ist, aber schärfer konturiert wäre der populäre Dauerbrenner faszinierender. Da überzeugt der luzide, durchaus märchenhafte Zugriff auf das erste 'Lohengrin'-Vorspiel weitaus mehr.

Birgit Nilsson und George London treten auch für eine Nummer gemeinsam an die Rundfunkrampe, und zwar für das Duett Amonasro-Aida aus Verdis 'Aida'. Das ist fulminant, schonungslos, stimmgewaltig, leidenschaftlich und Theater pur. Brünnhildes Schlussgesang aus der 'Götterdämmerung' beschließt diese Operngala und wird mit Stokowski am Pult zu einem rauschhaften Erlebnis.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Stokowski: Gala Night At The Opera

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
18.05.2015
Medium:
EAN:

CD
795754241020


Cover vergössern

Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Guild:

blättern

Alle Kritiken von Guild...

Weitere CD-Besprechungen von Benjamin Künzel:

  • Zur Kritik... Wegen Corona ins Studio: Dieser 'Fidelio' macht in vielen Punkten definitiv Freude – auch wenn es so einige frühere Aufnahmen gibt, die tiefer schürfen. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Have a ball!: In sich ist dieser englischsprachige 'Ball im Savoy' eine äußerst stimmige und Laune machende Angelegenheit. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... 'Hörst du den Ton?': Dieser 'Ferne Klang' zeigt mit großer Klarheit und Leidenschaft, wie populär Schrekers Meisterwerk und seine Musik im Allgemeinen sein sollten. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Benjamin Künzel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Glass für Genießer: Die vorliegende Einspielung begeistert durch intensives Musizieren. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Bis zum Showdown: Bizets 'Carmen' aus Dresden 1942. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Orgelsinfonik: Hansjörg Albrecht gelingt die fabelhaft bildkräftige Deutung einer substanziell zutreffenden Orgeltranskription der ersten Bruckner-Sinfonie. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

RHPP70

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2021) herunterladen (3400 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich