> > > Accademia dell'Arcadia - Roma 1710: Werke für Blockflöte & Ensemble von Scarlatti, Corelli, Marcello u.a.
Freitag, 24. Februar 2017

Accademia dell'Arcadia - Roma 1710 - Werke für Blockflöte & Ensemble von Scarlatti, Corelli, Marcello u.a.

Alles andere als akademisch


Label/Verlag: TYXart
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Werbewirksam sind Geheimbünde, die quasi im Untergrund verbotene Künste pflegen, allemal. In einen Club von 'Arkadiern' in Rom um 1710 führt ein bereits rein musikalisch spannendes Konzept-Recital der Blockflötistin Sabrina Frey.

Der Reiz des Verbotenen betraf 1676 nach einem Verdikt von Papst Innozenz XI. (bis 1710 verlängert von Clemens XI.) zwar nur das weltliche Musiktheater - betroffen waren aber u.a. so talentierte Msuiker wie Alessandro Scarlatti, Kapellmeister bei Christina von Schweden, oder Giovanni Battista Bononcini. Was aus deren und anderer Feder in der 1690 nach Königin Christinas Tod zunächst von Literaten gegründeten Accademia dell'Arcadia an Kammermusik erklungen sein dürfte, führt Sabrina Frey anhand einer Auswahl von Werken der später hinzugekommenen Komponisten und Musiker vor.

Ein "Arcomelo Erimanteo": Corelli war dabei

Das bekannteste, schon 1689 in Rom gedruckte Werk dürfte die Triosonate op. 3 Nr. 6 von Arcangelo Corelli sein. Corelli hatte Christina sein Opus 1 gewidmet und war der neuen Akademie 1706 unter dem Arkadiernamen "Arcomelo Erimanteo" beigetreten. Sabrina Frey übernimmt mit ihrer Blockflöte einen der beiden gewöhnlich mit einer Violine besetzten Oberstimmenparts; das Continuo ist in ihrer Version opulent-orchestral mit Cello (Marco Frezzato), Cembalo (Philippe Grisvard), Barockgitarre bzw. alternativ Theorbe (Vincent Flückinger) und Orgelpositiv (Noki Kitaya) besetzt. Die alternierenden Register - Violine (zurückhaltend Fiorenza de Donatis) und Gitarre, Blockflöte und Orgel - trennen und vermischen sich wunderbar, es ist eine reiche und und bunte Interpretation, die in ihrer Farbigkeit viele neue Aspekte bietet.

Ignazio Sieber ist immer noch ein Geheimtipp

Dieses und weitere Stücke blieben natürlich keineswegs geheim, sondern wurden teilweise nach 1710 zum Teil in verschiedenen Drucken überliefert (andere Sonaten, etwa die hier vertretenen Bononcinis und Valentinis, sind hingegen offenbar nur als Manuskript greifbar). Herausragend und anregend dürften besonders die sechs Flötensonaten des um 1680 geborenen und in Venedig neben Vivaldi am Ospedale della pietà als Lehrer wirkende Ignazio Sieber erscheinen, die für die Schweizerin Frey Ausgangspunkt des Albumkonzepts waren (Sieber war kein Mitglied der Accacemia, aber offenbar in deren Umkreis mit seiner Musik präsent). Das Preludio der achten 'Sonata di camera' rechtfertigt in seiner melodischen und harmonischen Erfindung eine Heraustellung ebenso wie der beeindruckend virtuose Auftritt Freys im die siebte Sonate abschließenden Capriccio. Neben der wunderbar spitz begonnenen, sorgsam in den Klangfarben variierten Ciacona aus einer Sonate Benedetto Marcellos stechen für mich aber die beiden das Programm rahmenden Concerti noch mehr heraus: Was hier tatsächlich mit wenigen Stimmen (zwei Violinen), aber fantasievollem Continuosatz dargeboten wird, ist ganz große konzertante Barockmusik, gekrönt von ebenso virtuoser wie gefühlvoller Darstellung der solistischen Blockföte in einem homogenen, dank Freys gleichzeitiger Direktion souverän aufeinander abgestimmen Ensembleklang. Der Vivaldis konzertante Theatralität mühelos erreichende dritte Satz des einleitenden Concertos etwa - kleiner Sturm, feiner Übergang zum finalen Allegro mit scheinfugierter Stimmenschichtung - wird mit einer Spielfreude dargeboten, die für den (und im) Rest des Programms nachhaltig begeistert. Der zwar informative, aber auch etwas bemühte (und nicht allzu gut redigierte) Booklettext Sabrina Freys tritt da zurück hinter das Geschenk der vermittelten kaum bekannten Werke.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Accademia dell'Arcadia - Roma 1710: Werke für Blockflöte & Ensemble von Scarlatti, Corelli, Marcello u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
TYXart
1
08.05.2015
72:30
EAN:
BestellNr.:

4250702800637
TXA15063


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"CD "Accademia dell'Arcadia - Roma 1710"
Unbekannte barocke Meisterwerke des Geheimbundes

Sabrina Frey, Blockflöten & Leitung -
Fiorenza de Donatis, Violine - Andrea Rognoni, Violine - Marco Frezzato, Violoncello - Philippe Grisvard, Cembalo & Orgel - Vincent Flückiger, Theorbe & Barock-Gitarre - Bret Simner, Kontrabass - Naoki Kitaya, Orgel


Die Barockmusik in Rom um 1700: Das Leben Roms zu dieser Zeit ist geprägt von den Bedingungen der Geistlichkeit. Papst Innozenz XII verbietet 1698 mittels Erlass sämtliche Theater- und Opernaufführungen. Dennoch sucht und findet neben der öffentlichen geistlichen Musik auch die weltliche Barockmusik ihre geheimen Nischen.
Als eine Gruppe von Literaten sich im Jahr 1690 zusammenschliesst, beginnt die Geschichte der Accademia dell’Arcadia. 1696 werden neben den Literaten erstmals sieben Musiker als vollwertige Mitglieder aufgenommen. Sie komponieren neben Opern auch diverse Kammermusik-Werke, Konzerte und Sonaten. Die Accademia dell’Arcadia will nicht nur als wichtigste Akademie Italiens auftreten, sondern Italiens kulturell diverse Regionen einen und Künstlern verschiedener Regionen die Möglichkeit bieten, sich auszutauschen - ein damals wahrlich revolutionärer Gedanke. Die wöchentlichen Zusammenkünfte der Mitglieder fanden im Geheimen statt. Regelmässig wurden jedoch Veranstaltungen angeboten, an denen mit eingeladenen Gästen diskutiert werden konnte. (Der Name „Arcadia“ sollte an den Mythos der noch heute bestehenden Region Griechenlands „Arkadien“ erinnern, reich an Bergen, Wäldern, Flüssen und Weiden, deren Bewohner - Schäfer - ein Leben fern jeglichen Krieges führten und sich dem Gesang und dem Klang ihrer rauhen, pastoralen Instrumente widmen konnten.) Da das Emblem des Geheimbundes eine Flöte darstellt, nahm Sabrina Frey eben dies zum Anlass, Konzerte und Sonaten für Blockflöte aus dem reichen und teilweise unerforschten Fundus der Accademia zu suchen. Beim Stöbern in den Bibliotheken Europas war die Musikerin nun selbst über die Anzahl bekannter Barockmusik-Komponisten verblüfft, die Werke für die Blockflöte schrieben, und zudem Mitglieder oder Gäste der Accademia dell’Arcadia waren.
Die Mitglieder nannten sich „Pastori Arcadia“ und benutzten - wie es generell in akademischen Kreisen üblich war - Pseudonyme. Alessandro Scarlatti (Arkadiername: „Terpandro Politeio") wurde gemeinsam mit Arcangelo Corelli (Arkadiername: „Arcomelo Erimanteo“) 1706 aufgenommen. Giovanni Battista Bononcini fand bereits als einer der ersten Barock-Komponisten 1696 seinen Platz in der Accademia. Benedetto Marcello und Giuseppe Valentini wählten die arkadischen Namen „Driante Sacreo“ sowie „Euginaspe Leupinto“. Ignazio Sieber nahm als Freund Georg Friedrich Händels regelmässig an den geladenen Veranstaltungen teil.

Im Spiel mit der Blockflöte gehört Sabrina Frey heute zu den herausragenden Barockmusik-Künstlerinnen ihrer Generation, gleich ob als Solist oder im Ensemble. Für die Interpretation und Einspielung der Werke auf der neuen CD hat sie Weltklasse-Spieler eingeladen. Durch eine fantasievolle Besetzung des Basso Continuos in den einzelnen Barock-Kompositionen erreicht die Musikerin ein besonders farbenfrohes und abwechslungsreiches Klangbild. Die beiden Violinisten Fiorenza de Donatis und Andrea Rognoni sowie der Cellist Marco Frezzato sind Konzertmeister und Stimmführer der führenden Originalklang-Ensembles „Europa Galante“, „I Barocchisti“ und „Accademia Bizantina“. Philippe Grisvard, der in dieser Aufnahme am Cembalo und auf der Truhenorgel zu hören ist, ist ein weltweit gefragter französischer Continuospieler. Vincent Flückiger bereichert mit seiner Theorbe und Barockgitarre das Klangbild zahlreicher renommierter Barock-Orchester Europas. Bret Simner ist als hervorragender Violone-Spieler in ganz Europa und den USA zu hören; und Naoki Kitaya musiziert als Continuo-Partner und Orchestermusiker ebenfalls mit bekannten Solisten und Ensembles weltweit. Mit diesem Album ist eine Einspielung entstanden, auf der ausgewählte Barock-Kompositionen der römischen Accademia dell’Arcadia für Flöte auf inspirierende Weise erklingen. Sabrina Frey würde es freuen wenn es gelingt, den Zuhörer in den Bann dieser spannenden Epoche und klanglichen Vielfalt zu ziehen. Eine Herzensangelegenheit!


CD-Programm / Trackliste:

Alessandro Scarlatti (1660 - 1725)
01-04 Concerto XXI per Flauto, due Violini e Basso Continuo

Ignazio Sieber (ca. 1680 - ca. 1757)
05-08 Sonata VIII a Flauto con il suo Basso Continuo

Arcangelo Corelli (1653 - 1713)
09-11 Sonata op. III No. VI à tre, Flauto, Violino, e Violone, ò Arciliuto, col Basso per l'Organo

Giuseppe Valentini (1681 - 1753) *
12-15 Sonata da Camera III à Flauto solo, e Basso

Giovanni Battista Bononcini (1670 - 1747) *
16-19 Concerto per Flauto concertato, Cello solo, Violino e Basso Continuo

Benedetto Marcello (1686 - 1739)
20-24 Sonata XII & Ciaccona a Flauto solo con il suo Basso Continuo

Ignazio Sieber
25-28 Sonata VII a Flauto con il suo Basso Continuo

Alessandro Scarlatti
29-32 Concerto XXIV per Flauto, due Violini e Basso Continuo

* Ersteinspielungen


Dieses CD-Album wird in der TYXart-CD-Reihe Reihe "Early Music" in einem hochwertigen 6-seitigen Digipak inkl. 24-seitigem 4-sprachigen (DE/EN/FR/JP) Booklet angeboten."


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TYXart

TYXart - the musicART label

TYXart ist es ein besonderes Anliegen, die emotionalen, geistigen und intellektuellen Anforderungen von Musikliebhabern mit hochwertigen künstlerischen Einspielungen zu erfreuen - und dass Tiefsinn, Humor, Stille, Kraft, Nachdenklichkeit, aber auch Lebensfreude, Jubel oder Trauer, also alles, was die musikalischen Befindlichkeiten des Menschen erhebt und befriedigt, in unseren Veröffentlichungen enthalten ist.

Es geht uns dabei nicht in erster Linie nur um "Berühmtheit" oder "Perfektionismus", sondern ums Humane, Originelle, Individuelle und um die begeisternden und begeisterten Interpretationen ungewöhnlicher Musiker, auch der ganz jungen. Jede CD ein Unikat! Das soll unser Motto sein. Dass sich unserem Konzept bereits mehrere außergewöhnliche und berühmte Künstler spontan anschließen, beruht auf deren Überzeugung von der Richtigkeit unseres Anspruchs.

Herausragende Musiker und Ensembles der Veröffentlichungen: Giora Feidman (Klarinette), Elena Denisova (Violine), Yojo (Klavier), Liana Issakadze (Violine), Alexander Suleiman (Violoncello), Corinne Chapelle (Violine), Carmen Piazzini (Klavier), Franz Grundheber (Bariton), Matthias Veit (Klavier), Nathalia Prishepenko (Violine), Alexandra Sostmann (Klavier), Franz Hummel (Komponist), Masako Sakai (Klavier), Ensemble del Arte (Kammerorchester), Vardan Mamikonian (Klavier), Jakob David Rattinger (Viola da Gamba), Werner Schneyder (Musik-Kabarett), TRIO ZERO, Sojka Quartett, Deutsches Saxophon Ensemble, Moscow Symphony Orchestra ...

Wir stellen zusammen mit unseren Künstlern in Serien wie z.B. "Modern Classics", "Rising Stars" oder "Crazy Edition" Aufsehen erregende Musikaufnahmen unserer Zeit ungewöhnlichen Interpretationen aus mehreren Epochen gegenüber, um ein breites Publikum auf die Lebendigkeit, Schönheit und Kühnheit neuer Kompositionen im Fokus radikaler oder besonders individueller Interpretationen traditioneller Werke aufmerksam zu machen. Lassen Sie sich auch jenseits von Mainstream-Bewegungen begeistern von den sensationellen Einspielungen der Künstler bei TYXart!


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