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Freitag, 22. November 2019

Beethove, Ludwig van - Missa solemnis

Der Chor als Star


Label/Verlag: BR-Klassik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Interpreten stellen sich bei dieser Aufnahme von Beethovens 'Missa solemnis' vollkommen in den Dienst der Musik. Das Ergebnis ist tief bewegend.

Beethovens 'Missa solemnis' stellt immense Anforderungen und ist gerade deshalb immer wieder eine Art Prüfstein für alle Beteiligten. Beethoven selbst schreibt in seinem Konversationsheft: ‚Es ist ein Werk der Ewigkeit.‘ Dem kann man zustimmen, denn ungeheuer modern instrumentiert und auch harmonisch richtungsweisend in seiner Komplexität, sprengt das Werk jeden Rahmen der Vergleichbarkeit, steht wie ein strahlender Stern am Firmament der geistlichen Musik.

Die Liveaufnahme vom Herbst 2014 aus dem Münchner Herkules Saal ist eine der besten Einspielungen der letzten Jahre. Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks musizieren hier unter der Leitung von Bernard Haitink. Alle Instrumentalisten und Vokalisten sind bei der Aufführung der 'Missa solemnis' ungemein gefordert; die jähen dynamischen Kontraste sowie die extrem schnellen Tempi verlangen höchste Virtuosität von allen Mitwirkenden.  Des Weiteren bedarf die 'Missa solemnis' eines durchgängigen Spannungsbogens, der auch bei den Satzwechseln nicht abbrechen darf. Dynamischer Gestaltungswille muss von der ersten bis zur letzten Note von allen Künstlern angestrebt werden, nur dann kann sich das Werk glanzvoll entfalten und Gefühle vermitteln, die das Publikum im Innersten berühren können.

Man darf wohl behaupten, dass der Chor in dieser Komposition der Hauptakteur zu sein hat. Dieser führenden Rolle wird der ungemein homogen singende Chor des Bayerischen Rundfunks wiederum vollauf gerecht. Die Ausgestaltung des Texts steht immer im Vordergrund, selbst die fordernden Tempi im 'Gloria' (Schlusspassage) verleiten nicht zu einer Gestaltung, die ins Schrille abgleitet. Der Chorleiter Peter Dijkstra hat wundervolle Arbeit geleistet. Eine tief beeindruckende Verinnerlichung prägt die gesamte Aufnahme; auch das Orchester ist in diese Tiefen auslotende Deutung hervorragend eingebunden.

Schade nur, dass dem Solo-Violinisten Anton Barachovsky dann doch etwas klangliche Substanz fehlt, um die Dynamik der Gesamtaufnahme aufrechtzuhalten; sein Spiel klingt im wunderbaren 'Benedictus' eine Nuance zu zaghaft, der Klang ist schwingungsarm. Im Schlusssatz, dem 'Agnus Dei', wird dann leider auch vom Orchester der strahlende Erlösungsgedanke mit den eminent wichtigen musikalischen ‚Lichteffekten‘ nicht überzeugend zur Geltung gebracht.

Die Solisten sind durchweg alle mehr als zufriedenstellend, auch hier wird nicht forciert. Sopran Genia Kühmeier und Mezzosopran Elisabeth Kulman sowie die Herren Mark Padmore (Tenor) und Hanno Müller-Brachmann (Bassbariton) geben diesem komplexen Werk  einen grandiosen Solistenrahmen, ohne sich selbst zu sehr in den Vordergrund zu singen. Ungemein einfühlsamer Gesang prägt die gesamte Einspielung. Wer bei diesem Konzert nicht dabei war, hat etwas verpasst. Zum Glück gibt es diesen Mitschnitt.

Midou Grossmann Kurzkritik von Midou Grossmann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethove, Ludwig van: Missa solemnis

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BR-Klassik
1
27.04.2015
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4035719001303
900130


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"Ursprünglich sollte sie eine Festmesse zur Inthronisation des Erzherzogs Rudolph – einem Klavierschüler Beethovens – zum Erzbischof von Olmütz sein. Doch sie wurde nicht fertig und entwickelte sich bis zu ihrer Vollendung 1823 zu einem Kunstwerk weit jenseits der liturgischen Vorgaben. Mit der Vorrede »Von Herzen – möge es wieder – zu Herzen gehen« steckte Beethoven in seiner „Missa solemnis“ ein gänzlich neues Feld ab: eine sehr persönliche und doch zu allgemeiner Wahrheit strebende musikalische Ausdeutung des alt ehrwürdigen Mess-Ordinariums. Alte Satztechniken, Tonarten und traditionelle rhetorische Formeln, aber auch das besinnungsvolle Präludium mit dem großen Violinsolo sowie die mit Militärsignalen eingeleitete Bitte um Frieden im Agnus Dei verbinden sich in groß angelegter Form zu einem einzigartigen Tableau Beethoven’schen Könnens und Denkens – ein Werk, das seit seiner Uraufführung 1824 in Sankt Petersburg in den Konzertsälen der Welt zu Hause ist. BR-KLASSIK präsentiert mit der aktuellen Produktion der „Missa solemnis“ ebenso wie bei der zuvor erschienenen CD mit Haydns „Schöpfung“ eine Premiere: die Ersteinspielung von Beethovens „Missa solemnis“ unter der Stabführung von Bernard Haitink, dem Grandseigneur unter den derzeitigen Weltkasse-Dirigenten. Seine Wahl der Klangkörper dazu war nicht zufällig, verbindet ihn doch mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine über 55-jährige Zusammenarbeit. Hinzu treten der Chor des Bayerischen Rundfunks und ein fein abgestimmtes Solistenensemble, bestehend aus Genia Kühmeier, Elisabeth Kulman, Mark Padmore und Hanno Müller-Brachmann. Bernard Haitink realisiert in dieser Einspielung jugendlich leichtes, vorwärtsdrängendes Musizieren und lotet die Tiefe der Beethoven’schen Partitur mit großer Altersweisheit musikalisch in alle Richtungen aus. ___________________________________________ It was originally intended as a Solemn Mass for the investiture of the Archduke Rudolph, one of Beethoven's piano pupils, as the Archbishop of Olomouc. Beethoven did not complete the piece in time, however, and when he did finally finish it in 1823, it had developed into a work of art that far exceeded the liturgical requirements. With its dedication "Arising in the heart, may it return to the heart!" Beethoven's "Missa solemnis" enters entirely new territory as a musical interpretation – deeply personal, yet aspiring to general truth – of the old and venerable Mass Ordinary. The old compositional techniques, modes, and traditional rhetorical formulae, the deeply contemplative prelude with the great violin solo, and also the plea for peace introduced by military sounds in the Agnus Dei, all combine on a large scale to form a unique tableau of Beethoven's skills and ideas. Ever since its premiere in 1824 in St. Petersburg, this work has been at home in all the concert halls of the world. With the current production of the "Missa solemnis", BR-KLASSIK presents a premiere – just as it did with the previously released CD of Haydn's "Creation". This is the first recording of Beethoven's "Missa solemnis" under the baton of Bernard Haitink, that grand seigneur among today's world-class conductors. His choice of orchestra for it was no accident; he has after all been connected with the Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks for more than 55 years now. They are joined by the Chorus of the Bayerischer Rundfunk and a finely coordinated ensemble of soloists, consisting of Genia Kühmeier, Elisabeth Kulman, Mark Padmore and Hanno Müller-Brachmann. In this recording Bernard Haitink achieves a light and youthful urgency, plumbing all the musical depths of Beethoven's score with great wisdom of age. "


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BR-Klassik

Herausragende Musikaufnahmen der drei Klangkörper des Bayerischen Rundfunks werden unter einer gemeinsamen Marke den Musikfreunden angeboten. Das Label heißt BR-KLASSIK. Zum Start sind acht Tonträger sowie eine DVD am 18. September 2009 veröffentlicht worden. Mittlerweile umfasst der gesamte Katalog über 70 Aufnahmen.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das Münchner Rundfunkorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks genießen sowohl in der Region als auch international einen außergewöhnlichen Ruf in Bezug auf Qualität, künstlerische Kreativität und die Vermittlung von klassischer Musik. Im Konzertsaal und in Hörfunk- und Fernsehübertragungen sind die drei Klangkörper regelmäßig zu hören. Herausragende Konzerte, besonders gelungene Interpretationen und selten zu hörende Werke werden nun unter der gemeinsamen Marke BR-KLASSIK auf dem hauseigenen Label dokumentiert.

Das CD-Label BR-KLASSIK ist organisatorisch bei der BRmedia Service GmbH angesiedelt, dem für die Zweitverwertungen zuständigen Tochterunternehmen des Bayerischen Rundfunks, und wird von Stefan Piendl als Label-Manager geleitet. Mit ihm und Peter Alward als A&R-Consultant konnte der Bayerische Rundfunk zwei erfolgreiche, externe Experten mit umfassender, internationaler Erfahrung für die Mitwirkung an seinem neuen Label BR-KLASSIK gewinnen.

Als logische und konsequente Fortsetzung der Surround-Sound-Offensive im Hörfunkprogramm von Bayern 4 Klassik, das ausgewählte Sendungen im Mehrkanalton und mit erhöhter Datenrate überträgt, werden auch die Tonträger-Veröffentlichungen des Öfteren als audiophile SACD produziert. Die Hybrid-SACD-Tonträger lassen sich als herkömmliche CD abspielen, enthalten aber auch eine Stereo-Spur im hochauflösenden DSD-Format sowie eine Mehrkanal-Fassung in 5.0 bzw. 5.1-Surround.

In der Reihe BR-KLASSIK ARCHIVE bringt das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks historische Aufnahmen des Labels zu Gehör. Z.B. war an zwei denkwürdigen Konzertabenden die Pianistin Martha Argerich zu Gast, 1973 unter Leitung von Eugen Jochum mit Mozarts Klavierkonzert KV 456 sowie zehn Jahre später mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 unter Seiji Ozawa.

Im Vertrieb werden die Neuerscheinungen von BR-KLASSIK weltweit durch NAXOS betreut. Damit ist eine bestmögliche Präsenz auf allen wichtigen internationalen Märkten gewährleistet. Neue Aufnahmen werden im Highprice-Segment veröffentlicht, die CDs der ARCHIVE- und WISSEN-Serie auf Midprice. Zu einer modernen Vertriebsstruktur gehört selbstverständlich auch die Möglichkeit des digitalen Downloads über Musikportale wie iTunes, Musicload u.a.. Auch dieser Vertriebsweg wird über die Firma NAXOS erschlossen. Die Naxos Music Library präsentiert zudem für Universitäten und öffentliche Bibliotheken via Internet einen ständig wachsenden Katalog mit Tausenden von Titeln weltweit führender Labels. Studenten, Lehrpersonal und andere Benutzer können sich jederzeit einloggen und in der Bibliothek, im Hörsaal, im Studentenwohnheim, im Büro oder zu Hause das komplette Repertoire abrufen - auch die Aufnahmen von BR-KLASSIK.


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