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Sonntag, 20. Oktober 2019

Phace - Grace Note

Der Körper spricht


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Manchmal gelingt es.

Kairos dokumentiert eine Performance des Jahres 2012 aus dem Wiener Museumsquartier: eine ‚Welturaufführung‘ (wie jede Performance). Der Titel – ‚Grace Note‘ (Vorschlagsnote) – bleibt kryptisch. Chris Haring verantwortet die Bühne, Arturo Fuentes liefert Idee und Komposition. Ensemble Liquid Loft stellt Tänzer, Phace Musiker bereit: Saxophon, Schlagzeug, Cello und Kontrabass. Günter Brus, die Koryphäe des Wiener Aktionismus, stellt Worte zur Verfügung. Institute for Computer Music and Sound Technology Zürich betreut den Ton, Thomas Jelinek die Beleuchtung. Die Reihe der Kreativen setzt sich fort ad infinitum. In solchen Konstellationen spielt der Zufall (vulgo ‚Emergenzen‘, ‚Synergien‘) die schöpferischste Rolle.

Als Stichwortgeber dient Italo Calvino, der italienische Essayist und Erzähler. Dessen ‚Vorschläge für das neue Jahrtausend‘ entwerfen ein halbes Dutzend Haltungen und Handlungsweisen, die menschliches Dasein im 21. Jahrhundert prägen sollen: Leichtigkeit, Schnelligkeit, Genauigkeit, Anschaulichkeit, Vielschichtigkeit.

Wie alles zusammenhängt, versucht der Beihefttext (vergeblich) zu erläutern: ‚In dem spartenübergreifenden Projekt […], bilden Performance und Installation – Akustik und Elektronik, eine dynamischen Struktur durch die Interaktion von Klang und Bewegung. Der Komponist Arturo Fuentes sieht in Tanz und Theater den menschlichen Körper als Klangkarte, in der sich verschiedene Rhythmen und Tempi kreuzen; frei nach Günter Brus definiert er den visuellen und szenischen Kontext seiner Werke als Taube Musik, Akzentfreies Schwingen, Dunkelkammermusik oder Augenmusik.‘

Das ist wenig erhellend – im Gegensatz zum szenischen Geschehen. Der Formverlauf ist einfach, vielfach kadenzierend. Er folgt den ältesten Prinzipien, allein die Mittel sind modern. Sie schöpfen aus dem ganzen Repertoire des Körpers, die Stimme inklusive. Ob Kunstgesang oder Fluxus, Pantomime, Modern Dance oder Konkrete Musik – alles fließt zusammen. Szenische Aktion, Bühne, Licht, Klang finden zwanglos zur Einheit. Ein kräftiger Spannungsbogen überwölbt 45 Minuten.

Dies ist keine blasse Eklektik, Gesamtkunstwerks-Kokolores. Die Form mag Zitat sein, der Ausdruck ist frisch. Etwas Eigenes sollte entstehen. Das ist gelungen. Wer offenen Sinnes ist, wird beschenkt.

Kairos besorgt die Verpackung: schickes, schlichtes Schwarz-Weiß. Das Beiheft ist üppig. An Photos, Skizzen, Texten fehlt es nicht. Nicht alles ist Phrase.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Phace: Grace Note

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Kairos
1
17.04.2015
Medium:
EAN:

DVD
9120010281990


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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