> > > Reger, Max: Das gesamte Orgelwerk Vol. 3
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Reger, Max - Das gesamte Orgelwerk Vol. 3

Gewichtig


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der dritte Teil der Gesamteinspielung des Orgelwerks Max Regers durch Bernhard Buttmann: Absolut souverän gespielt, sind es schöne Porträts der erklingenden Orgeln.

Die dritte Folge der Gesamteinspielung des Orgelwerks Max Regers beginnt mit den drei großen Choralphantasien op. 52 – Höhepunkt einer Gattung, denn was sollte nach solcherlei Verdichtung, nach so intensiver klanglicher Expression, nach einem kongenial mit dem instrumentalen Ideal der Orgeln jener Zeit verschmolzenen Ansatz kommen? Gewiss, der Choral als Inspiration organistischen Komponierens hat auch nach Reger einen festen Platz behalten, doch hat Reger bemerkenswert einsame Höhen dieser Sphäre durchmessen.

Ebenfalls riesig ist die 'Symphonische Phantasie und Fuge' op. 57: Riesig in ihrer konstruktiven Intensität, in der akkordischen Komplexität, in der Anforderung an das Instrument wie dessen Spieler. Es wird nicht übermäßig viele Organisten geben, die diesen schon hörend nicht leicht zugänglichen Koloss im Repertoire haben, lohnend ist die Musik freilich allemal.

Ein auf den ersten Blick etwas leichter fasslicher Zyklus größeren Zuschnitts sind die zwölf 'Monologe' op. 63, freie Stücke, die in der für Regers Sammlungen solcher Art typischen Weise zwischen barocken Formen und den Eigenarten des romantischen Charakterstücks siedeln. Auch diese Musik ist bei vielleicht etwas schlichterem Grundimpuls hochkomplex, immer ambitioniert im Satz, leichtere Gesten wirken wie eingesponnen in Regers kompositorisches Dickicht.

Mit den dreizehn Choralvorspielen op. 79b lässt der Komponist dann viel knapp Formuliertes, sehr Zugängliches, fast Schlichtes und immer wieder Anrührendes hören, was vielfach sogar erstaunlich praktikabel und der kirchenmusikalischen Realität nah wirkt. Am Schluss dieser dritten Folge der Gesamteinspielung stehen die 'Zwölf Stücke' für Orgel op. 80; auch hier sind viele dezente Stücke voller Klangschönheit, Noblesse und Zartheit zu hören, ein erstaunlich klarer und unmittelbar wirkender Kontrast zu manch ins Äußerste gesteigertem Großwerk.

Ein Souverän

Bernhard Buttmann, Kirchenmusiker an der Nürnberger Sebald-Kirche, erweist sich in diesem vertrackten Repertoire einmal mehr als echter Könner, manualiter und pedaliter unangefochten artikulierend, gerade auf expressiv schwierigen, fast verstellt wirkendem Areal. Er variiert die Tempi von weiter Flächigkeit oder zarttönendem Stillstand zu rasanten Gesten, immer mit vollkommen organischen Übergängen und Entwicklungen. Mindestens ebenso wichtig bei dieser heiklen Musik: Buttmann ist ein sensibler Instrumentenkenner, der die erklingenden Orgeln in ihrer ganzen schillernden Farbigkeit zu entfalten und für Reger in Dienst zu nehmen weiß. Die dynamische Staffelung lotet weite Räume aus, von subtilem Klangsilber bis zu alles überstrahlender Kraftentfaltung. In der Summe ist das Registrierungskunst von Graden. Und allein, nicht der permanenten Verlockung durch großartige Instrumente zu erliegen, überbordend zu registrieren, sondern in großer Geduld alle Feinheiten abzubilden, ist nicht wenig: Als Paradebeispiel mag op. 52 Nr. 2 gelten. Den großen Choral 'Wachet auf, ruft uns die Stimme' entfaltet Buttmann aus einem hauchzarten, fast mystischen Beginn zu apotheotischer Wucht, mit wachem Sinn für die Möglichkeiten von Musik und Instrument.

Natürlich, auch das ist bei Regers hochromantischer Orgelmusik keine Überraschung, sind Einspielungen dieser Werke immer auch Porträts der höchst individuellen Instrumente, auf denen sie erklingen. Die Choralphantasien spielt Buttmann auf der Seifert-Orgel der Marienbasilika in Kevelaer, später erklingen noch die Schmid-Orgel der Stadtpfarrkirche in Landsberg am Lech, die rundum beeindruckende große Sauer-Orgel im Dom zu Bremen und die ganz besondere Link-Orgel der Ulmer Pauluskirche – sämtlich wunderbar farbenreiche Instrumente mit herrlichem Kern, oft riesiger 32-Fuß-Basis und mannigfaltigen Schattierungsmöglichkeiten für den wachen Organisten. Und es sind große Zeugen der deutschen Orgelgeschichte, die an herausragenden Beispielen nicht arm ist.

Gern verwiese der Rezensent auf umfassende verbale Porträts im Booklet – allein, daran spart man aus nicht verständlichen Gründen. Der interessierte Hörer wird sich gewiss auf anderen Wegen zu vielen lohnenden Details der entbehrungsreichen Geschichte der Instrumente kundig zu machen wissen, ein gewisser Makel haftet dem Booklet ob dieses Mangels gleichwohl an. Dabei überzeugt ein ebenso kundiger wie kritischer Text aus der Feder Martin Weyers, durchaus mit meinungsfreudiger Fähigkeit zur distanzierten Betrachtung gesegnet. Die Orgeln sind in Übersichten mit ihren Registern vorgestellt, Einzelregistrierungen der Stücke sind nicht aufgezeichnet.

Bernhard Buttmann entwickelt seine Sicht auf Reger mit Geduld und großem Können, eng verwoben mit dem enormen Potenzial der glücklich gewählten Instrumente, deren feine Porträts die Reger-Boxen bei Oehms natürlich auch immer sind – die sehr gelungene Fortsetzung eines gewichtigen Beitrags zum Bild Regers als imponierender Orgelmeister.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reger, Max: Das gesamte Orgelwerk Vol. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
OehmsClassics
4
18.05.2015
Medium:
EAN:

CD
4260034868533


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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