> > > Trio oreade spielt: Werke von Beethoven, Schubert, Francaix u. a.
Samstag, 14. Dezember 2019

Trio oreade spielt - Werke von Beethoven, Schubert, Francaix u. a.

Debüt


Label/Verlag: bmn
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Streichtrio-Formation aus der Schweiz debütiert überzeugend mit Werken von Beethoven, Schubert, Françaix und Martinu.

Die Züricher Musikerinnen Yukiko Ishibashi (Violine), Ursula Sarnthein (Viola) und Christine Hu (Violoncello) fanden sich 2012 zum Streichtrio namens Trio Oreade zusammen, um ihren Zuhörern alte und neue Literatur dieser Kammermusikgattung zu Gehör zu bringen. Noch im selben Jahr gewannen sie den Internationalen Wettbewerb für Streichtrio in München. Seitdem ist das Ensemble auf verschiedenen Festivals und in verschiedenen Konzertreihen zu hören.

Die vorliegende Aufnahme ist ein Konzertmitschnitt vom 17. März 2015 im Rahmen der Basel Chamber Music Concerts – Ergebnis des ersten Platzes beim Wettbewerb der August Pickhardt-Stiftung im Januar 2014. Der Mitschnitt erschien unter dem naheliegenden Titel ‚Debut‘ als CD und Blu-Ray Disc beim Label BMN-Medien. Für dieses Konzert wählten die Musikerinnen Streichtrios von Ludwig van Beethoven, Franz Schubert, Jean Françaix und Bohuslav Martinu aus. Das deutsch-englische Booklet enthält neben Informationen zum Ensemble einen recht ausführlichen Text über die aufgenommenen Werke, der zwar sehr informativ, aber leider etwas holprig zu lesen ist.

Das erste Werk ist Beethovens viersätziges Streichtrio Nr. 5 in c-Moll op. 9/3 (1796/98). Die Musikerinnen spielen das Frühwerk nicht nur technisch einwandfrei, sondern auch mit emotionaler Tiefe. Besonders gut gelungen ist das vor Energie übersprudelnde Scherzo. Das folgende Werk ist lediglich ein Fragment: Schuberts Streichtrio Nr. 1 in B-Dur D 471 (1816) ist sein zweiter von insgesamt drei Versuchen, ein vollständiges Trio zu komponieren. Neben dem hier zu hörenden Kopfsatz sind nur noch wenige Takte von einem 'Andante' überliefert. Die expressiven Kantilenen des 'Allegros' machen den mit tänzerischer Leichtfüßigkeit gespielten Satz zu einem Hörgenuss.

Das viersätzige Streichtrio von Françaix (1933) beginnt mit einem mitreißenden 'Allegretto vivo', in dem vorwärts drängende, mit prägnanten Tonrepetitionen versehene Passagen mit sanglichen, sehnsuchtsvollen Abschnitten kontrastieren. Es folgt ein tänzerisch-heiteres Scherzo, bei dem das Ensemble sein technisches Können in den unterschiedlichen Spielweisen unter Beweis stellt, aber auch die unterschiedlichen Stimmungen sehr gut herausarbeitet. An das Scherzo schließt sich ein melancholisches, mit großer Einfühlsamkeit gespieltes 'Andante' an. Das Trio endet mit einem Rondo mit schwungvollem Reprisenthema, das einen starken Gegensatz zu den eingeschobenen ruhigeren Passagen bildet. Alle Sätze enden relativ unvermittelt; dieser Effekt wird einmal noch durch eine Pause verstärkt.

Das letzte Werk der Aufnahme ist das zweisätzige Streichtrio Nr. 2 H 238 (1934) von Bohuslav Martinu. Der schnelle Anfangsteil des 'Allegro' wird nach einem wesentlich ruhigeren Mittelteil noch einmal aufgegriffen. Der dreiteilige zweite Satz ('Poco moderato – Vivo – Allegro ma non troppo') kann als stark verkürzte Variante der üblicherweise noch drei folgenden Sätze gesehen werden.

Das Ensemble spielt absolut blitzsauber und meistert die technischen Herausforderungen der gespielten Werke mit Bravour. Einzige Kritikpunkte sind der recht hohe Geräuschanteil bei den energischeren Passagen sowie die Dynamik, die meiner Meinung nach differenzierter herausgearbeitet hätte sein können. Nichtsdestotrotz macht es Spaß, den Musikerinnen zuzuhören, die alle Werke mit viel Einfühlungsvermögen in Klang verwandeln.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Trio oreade spielt: Werke von Beethoven, Schubert, Francaix u. a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
bmn
1
17.04.2015
Medium:
EAN:

CD
7629999018952


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bmn

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Visualisierung von Klang – ein immer grösseres Thema zu Zeiten der medialen Sintflut. Allerdings: sucht man das Mass und versteht sich strikt zur Entfernung von Extremen, gibt zu denken, dass wir den Begriff der Synaesthesie schon lange kennen; denn um diesen geht es: um die Vermittlung der verschiedenen Wahrnehmungsmöglichkeiten des Menschen und zwar zu je idealem Anteil – Hegel würde sagen: das „Umschlagen“ des einen ins andere. Von diesem Umschlag geht die praktische Überlegung der Visualisierung von Musik aus; und die richtet sich konsequent gegen die von den Medien heute normierte Art der visuellen Umsetzung von Musik, sprich: klassischer Musik. Denn sie ist empfindlich, zieht sich zurück, wenn man ihr und ihrer Botschaft optisch wehtut. Der Musik-Zuschauer wird von der Musik interpretenzentrisch durch die Art der Visualisierung getrennt und weiss kaum mehr, worum sich die bildlich vorgeführten Akteure bemüht hatten. In sanfteren Fällen wird die Musik bestenfalls zerstreut.

Musik, solche mit Botschaft, braucht Sammlung. Sie teilt sich, zumal die herausfordernde Klassik aus dem Geiste eines Beethoven und seiner Folgen, ohne Sammlung sich nicht mehr mitteilt, vielmehr zerstreut geradezu als Fälschung beim Zuschauer ankommt, dem das reine Hören gleichsam visuell verboten wird. Dem entgegenzuwirken, gab es zu wenige probate Ansätze. Einer ist derjenige, den der Regisseur Jan Schmidt-Garre experimentell mit Beethovens späten Quartetten entwickelt hat: die reale Konzertsituation wird radikal als Ausgangspunkt für eine einzige, konsequente Einstellung genommen, die bildlich - auch durch konzentrierte Ausleuchtung - dergestalt focussiert, dass ein Hör-Bild entsteht, das nur eben das sehen lässt, was man im Konzert wirklich "sieht" oder sehen kann, sozusagen ein ideales Sehen im Hörvorgang zeigt, ideal im Sinne des musikalischen Anspruchs. Hier ist dem Rezipienten zumindest die Möglichkeit gegeben, die Musik im Prozess ihres Gemachtwerdens mit Ohr und Auge in hoher Konzentration wahrzunehmen, ohne die Augen schliessen zu müssen...

Daraus entsteht so etwas wie eine optische "Ästhetik" der Musik im Moment des Vollzugs, im sogenannten Hier und Jetzt. Das Wesen der Musik, ihr Ereignis im "idealen Jetzt", wird dabei zum Mass der Dinge.


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