> > > Wieniawski, Henryk: Werke für Violine & Orchester
Montag, 6. Februar 2023

Wieniawski, Henryk - Werke für Violine & Orchester

Fantasievoll


Label/Verlag: DUX
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese polnische Produktion lässt drei Werke Henryk Wieniawskis in leuchtendem Klanggewand erscheinen, geadelt durch den Vortrag der Solistin Anna Maria Staśkiewicz.

Der erste genaue Blick auf diese beim polnischen Label DUX veröffentlichte SACD mit Kompositionen von Henryk Wieniaswki ist etwas ernüchternd: Zwar hält die Produktion im Grunde, was der Titel ‚Works for Violin & Orchestra‘ verspricht, doch bleibt die Werkauswahl leider auf die 'Polonaise de concert' D-Dur op. 4, die 'Fantaisie brillante' auf Motive aus Charles Gounods Oper 'Faust' op. 20 und das Violinkonzert Nr. 2 d-Moll op. 22 beschränkt. Mit einer Spielzeit von nicht ganz 48 Minuten erscheint das Gesamtergebnis dann doch sehr knapp, und wirklich bedauerlich ist es, dass man sich nicht noch dazu entschließen konnte, eine Einspielung des wesentlich seltener gespielten Violinkonzerts Nr. 1 fis-Moll hinzuzufügen, zumal diese ohne Probleme in den zeitlichen Rahmen gepasst hätte.

Dieser Anflug von Enttäuschung geht allerdings rasch vorüber, wenn man die Scheibe ins Abspielgerät legt und sich anhört, was die Geigerin Anna Maria Staśkiewicz und die Henryk Wieniawski Philharmoniker Lublin unter Leitung von Piotr Wijatkowski zu bieten haben: Bereits der Einstieg in die Polonaise lässt aufhorchen: Die Solistin lässt keinen Zweifel daran, dass sie die Virtuosität in den Mittelpunkt stellt, dass sie aber zugleich auch die klangsinnliche Seite der Musik nach außen kehrt. Doch Staśkiewicz elektrisiert nicht nur mit ihrem zupackenden Tonfall, sondern auch mit einem sehr fantasievollen Zugriff auf das kurze Stück – ein Zugriff der sich einer außergewöhnlichen technischen Sicherheit verdankt und mit viel Geschick Gestaltungsmittel wie die Agogik einsetzt, um die effektvollen Wirkungen der technischen Spielereien zu verstärken und so tatsächlich beim Vortrag des bekannten Stücks für ein paar kleine Überraschungen zu sorgen.

Dass die Solistin bei ihren Bemühungen bestens vom Orchester unterstützt wird, belegt die farbenreich dargebotene 'Faust'-Fantasie, die auch unterstreicht, dass die Chemie zwischen den Ausführenden stimmt: An das Orchestervorspiel schließt sich ein fantasievoller, rhapsodischer Einstieg der Solistin an, in dem sie die Bögen ihres Parts weitläufig formt, und sie nach vorübergehenden Ausbrüchen immer wieder in einen gleichsam intimen Klang zurücknimmt. Besonders klangschön formt Staśkiewicz dann die tatsächlich am Gesang orientierten Phrasen der nachfolgenden Arie, wie sie auch im weiteren Verlauf den Charakter der einzelnen Stücke sehr gut trifft und schließlich im spielerisch dargebotenen Walzerteil zu einer einnehmenden Mischung aus Eleganz und Virtuosität findet.

Das die Produktion beschließende d-Moll-Violinkonzert erweist sich dann noch als wahre Perle: Hier herrscht überraschend viel Zurückhaltung, was dazu führt, dass die Interpreten im ausgedehnten Kopfsatz vor allem den melancholischen Untertönen der Musik nachlauschen und sich die Virtuosität erst im ‚à la Zingara‘-Finale, nach einem ganz wunderbaren, facettenreich ausgesungenen Mittelsatz, Bahn bricht. Diese Lesart des Werkes erweist sich als außerordentlich fesselnd, weil alle Beteiligten besonders viel Wert auf eine ausgefeilte Gestaltung legen und die Violine zudem immer in das Orchester eingebettet erscheint – was vor allem die kleinen Duette mit einzelnen Holzbläsern im Verlauf des Kopfsatzes aufwertet. Ein leichtes Kopfschütteln erregt allerdings das Booklet, in dem man nichts über Wieniawski und seine Werke, wohl aber einiges zu seine Geburtsstadt Lublin – einem der Sponsoren dieser Einspielung – und deren Sehenswürdigkeiten lesen kann.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Wieniawski, Henryk: Werke für Violine & Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
DUX
1
05.01.2015
Medium:
EAN:

CD
5902547007977


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DUX

Das polnische Label DUX wurde 1992 von Malgorzata Polanska und Lech Tolwinski, beides Absolventen der Toningenieur-Fakultät der Frédéric Chopin Musikakademie in Warschau, gegründet. Hauptanliegen war die Produktion von Aufnahmen mit klassischer Musik, wobei man von Anfang an höchste Ansprüche an künstlerische und technische Standards stellte.Viele Aufnahmen von Dux erlangten sowohl in Polen als auch im Ausland breites Interesse bei Publikum und Kritik, die sich in zahlreichen Preisen und Auszeichnungen widerspiegelt.

Ein Schwerpunkt des Labels ist natürlich das reiche musikalische Erbe Polens, das weitaus mehr umfasst als Chopin oder Penderecki. Im Katalog finden sich daher neben bekannteren Namen wie Wieniawski, Szymanowski oder Lutoslawski auch zahlreiche hierzulande bislang weniger bekannte oder völlig unbekannte Komponisten von der Renaissance bis zur Gegenwart, wie Ignaz Jan Paderewski, der Klaviervirtuose und spätere Premier- und Außenminister der Zweiten Polnischen Republik oder Stanislaw Moniuszko, ein Zeitgenosse Verdis und Schöpfer der polnischen Nationaloper. Aber auch zahlreiche polnische Künstler, Ensembles und Orchester gilt es bei DUX zu entdecken, darunter international renommierte Namen wie beispielsweise die gefeierte Altistin Ewa Podles.


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