> > > Prokofieff, Sergej: 50th Anniversary
Dienstag, 30. November 2021

Prokofieff, Sergej - 50th Anniversary

Prokofieff häppchenweise


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Noch ein Nachschlag zu Sergej Prokofieffs 50. Todestag gefällig? Bitteschön. Chandos Werbestrategen haben in einer geistesblitzenden Stunde den firmeneigenen Plattenkatalog offensichtlich nach allem durchwühlt, was in jüngerer Zeit an Kompositionen Prokofieffs hauseigen aufgenommen worden ist, um danach eine Art Extrem-Kompilation auf den öffentlichen Markt zu werfen. Kein großer Wurf jedoch.
Das Produkt leidet ganz augenscheinlich unter der Eile, mit der es veröffentlicht wurde. Mit derselben Eile sollte es auch konsumiert und danach der Vergessenheit anheim gestellt werden. Die Vorzüge dieser CD sind leider schnell abgehandelt, und was gäbe man dafür, wenn sie gegenüber den Nachteilen überwiegen würden. Alles, was auf dieser Produktion zu hören ist, ist prominent besetzt: das Scottish National Orchestra unter Neeme Järvi, Lina Prokofieff, Horacio Gutiérrez, das Royal Concertgebouw Orchestra, Boris Berman, Carole Farley, Arkady Aronov, Roderick Williams, das Spoleto Festival Orchestra unter Richard Hickox, Lydia Mordkovitch, Emma Young, Linda Finnie, das Philharmonia Orchestra und Chorus und das Russian State Symphonic Cappella geben sich hier ein Stelldichein. Die 22 Tracks mit Spieldauer zwischen eineinhalb und fünf Minuten lassen jedoch nur häppchenweise erahnen, mit welcher Qualität und Souveränität die Musik Sergej Prokofieffs sachverwaltet wird.

Laut Booklet-Text war es die Absicht, Bekanntes mit Unbekanntem aus dem riesigen Œuvre des Komponisten zu kontrastieren. ‚Irgendwo in Prokofieffs riesigem Output gibt es etwas für jeden Musikliebhaber’, so steht es dort geschrieben. Prokofieff für alle, jedem das Seine? Warum nicht, aber dann doch bitte nicht in der Art eines solchen Flickenteppichs, der aus des Komponisten Liedschaffen, Chor-Orchestralem, Opernrepertoire und Symphonischem zusammengenäht wurde. Jedem Track ist die entsprechende Labelnummer beigegeben, und das ist auch gut so. Wer die lediglich kurz angespielten Werke in Gänze erleben möchte, notiere sich die Nummern, eigne sich die Einspielungen an und lege dann die vorliegende Scheibe schnell wieder weg. Sie ist vergleichbar den unseligen, unzähligen Werbe-CDs der Internetanbieter, die einem immer wieder in den Briefschlitz gedrückt werden. Auch die sind nur Frisbee-Scheiben mit kurzem Flugweg: aus der Hand direkt in den Mülleimer. Bestenfalls lässt sich die vorliegende Kompilation in die Kategorien ‚Prokofieff zum Frühstück, Prokofieff zum Mittag, Prokofieff zum Tee, Prokofieff zum Abend, zum Kuscheln und zum Aufregen’ einordnen und als solche konsumieren.
Da helfen auch die sichtlich bemühten Werbebotschaften des Prokofieff-Sohns Sviatoslav nichts, der im Booklet-Text um die Bedeutung seines Vaters für die Musikwelt buhlt. Das hat Papa Sergej nicht mehr nötig. Genauso wenig nötig ist der Erwerb dieser CD.

Wann werden die Plattenfirmen begreifen, dass derartige ‚Werbebotschaften’ den von ihnen produzierten Komponisten mehr schaden als nützen? Zu Ehren des Komponisten jedenfalls greife man zu weitaus sinn- und stilvolleren Einspielungen, die jüngst aus Anlass seines 50. Todestags erschienen sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prokofieff, Sergej: 50th Anniversary

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
Chandos
1
17.03.2003
67:59
2003
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0095115002223
PROK 0022

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Prokofieff, Sergej


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Dirigent(en):Järvi, Neeme
Hickox, Richard
Orchester/Ensemble:Scottish National Orchestra
Philharmonia Orchestra
Russian State Symphonic Cappella
Spoleto Festival Orchestra
Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam
Interpret(en):Philharmonia Chorus,
Scottish National Chorus,
Finnie, Linda
Young, Emma
Williams, Roderick
Aronov, Arkady
Farley, Carole
Mordkovitch, Lydia
Gutiérrez, Horacio
Prokofiev, Lina
Berman, Boris


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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