> > > Henze, Hans Werner: Violinkonzert Nr. 2
Sonntag, 25. September 2022

Henze, Hans Werner - Violinkonzert Nr. 2

Problematische Fortsetzung


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Nach gut zehn Jahren erscheint der etwas enttäuschende zweite Teil der Gesamteinspielung von Hans Werner Henzes Violinkonzerten mit dem Geiger Peter Sheppard Skærved.

Schon beinahe zehn Jahre ist es her, dass das Label Naxos eine erste CD mit Violinkonzerten Hans Werner Henzes – darin enthalten die Violinkonzert Nr. 1 (1947) und Nr. 3 (1997) mit dem Solisten Peter Sheppard Skærved (Violine) und dem Radiosinfonieorchester Saarbrücken unter Leitung von Christopher Lyndon-Gee – auf den Markt brachte. Warum der zweite Teil der Edition mit den beiden verbliebenen Werken für Violine und Orchester so lange auf sich warten ließ, darüber kann man nur spekulieren, zumal das Violinkonzert Nr. 2 (1971) bereits 1991 eingespielt wurde. Immerhin bekommt es der Hörer dabei mit einem wichtigen Dokument zu tun: Das aufgrund seiner Besetzung mit Solovioline, Tonband, Sprecher und 33 Instrumentalisten einzigartige Werk erklingt hier nämlich in einer klanglich sehr guten, von der BBC produzierten Aufnahme mit dem Parnassus Ensemble London unter Leitung des Komponisten.

Gerade ihrer ungewöhnlichen Konzeption mag es geschuldet sein, dass die Komposition extrem selten im Konzertsaal erklingt. Darin liegt aber zugleich auch das Problem für ihre Wiedergabe im Medium CD, da sie – im Grunde eine Art Theaterstück – rein über die akustische Wahrnehmung nicht funktioniert. Zwar erweist sich Skærved, von dem mit großer stimmlicher Präsenz agierenden Omar Ibrahim als Sprecher flankiert, auch in diesem Fall als imposanter Sachverwalter Henzes, der die Musik sehr plastisch gestaltet und den teils irrwitzigen, teils ironisch aufgeladenen Violinpart fantasievoll zu gestalten versteht. Dennoch fehlt der Aufnahme letzten Endes ein visueller Aspekt, so dass die interpretatorischen Bemühungen vor allem in Bezug auf die Gegenüberstellung von Stimme und Soloinstrument ein wenig ins Leere laufen und der hochgradig experimentellen Komponente des knapp 35-minütigen Werkes nicht gerecht werden.

Das Problem des Konzertstücks 'Il Vitalino raddoppiato' (1977) für Violine und Kammerorchester liegt dagegen ganz woanders: Die Aufnahme mit dem von Skærved geleiteten Ensemble Longbow setzt ganz auf das Melos der Komposition, das von Henzes Bezug auf historische Kompositionstechniken, insbesondere auf das Modell der Passacaglia, dominiert ist und es bis zum Überdruss über 33 Minuten hinweg ausreizt. Skærved passt sich mit der kantablen Formung seines Vortrags dem italienisierenden Tonfall des Werkes an, ist dabei aber nicht immer so sorgfältig, wie man sich dies wünschen könnte. Dass sich beispielsweise das anfangs noch recht durchsichtige Klangbild rasch zu einer Abfolge von klanglich wenig strukturierten Klangsituationen entwickelt, dürfte auch mit Skærveds Doppelfunktion als Solist und Interpret zu tun haben, erscheint er doch durch den Solopart so stark beansprucht, dass er sich nicht mehr der gebotenen Differenzierung der musikalischen Gesamtgestalt widmen kann. Darüber hinaus tragen weder die gelegentlichen Intonationsprobleme bei Doppelgrifften noch der relativ hohe Hallanteil im Klang der Aufnahme zu einer positiven Erscheinungsweise des Werkes bei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Henze, Hans Werner: Violinkonzert Nr. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
04.05.2015
Medium:
EAN:

CD
747313328970


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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Von Prof. Dr. Stefan Drees zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Runder Gesamteindruck: Die Einspielung beider Kompositionen durch den Geiger Peter Sheppard Skærved und das Radiosinfonieorchester Saarbrücken unter Leitung von Christopher Lyndon-Gee kann sich zweifellos hören lassen. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, 16.08.2006)

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