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Sonntag, 20. Oktober 2019

Verdi zu Gast bei Wagner! - Eine Wahnfried-Soirée

Wagner und Verdi im selben Raum


Label/Verlag: Paschenrecords
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Tatjana Conrad und Andrea Marie Baiocchi stellen Lieder von Verdi und Wagner nebeneinander. Das klappt auf Platte besser als es in der Realität mit den beiden Komponisten geklappt hätte.

Verdi zu Gast bei Wagner. Wie bitte? So ein Zusammentreffen wäre niemals zustande gekommen, da sich die zwei Meister nicht gerade grün waren. Dennoch kann man sie ja sehr wohl auf einer CD oder einem Liederabend Seit‘ an Seit‘ stellen und ihre Werke erklingen lassen. Da ist man doch recht gespannt auf die Gegenüberstellung dieser großen Opernkomponisten im Liedgenre. Genau das haben sich die Mezzosopranistin Tatjana Conrad aus Heidelberg und Andrea Marie Baiocchi aus Chicago zur Aufgabe gemacht. Die Früchte dessen sind 2014 bei Paschen Records erschienen.

Giuseppe Verdi

Zuerst werden zehn Lieder von Verdi vorgestellt. 'Deh, pietoso, o addorata' heißt das erste Stück. Tatjana Conrad verfügt über eine weiche und runde Stimme, bei der allerdings viel Luft dabei ist. Hinzu kommt, dass sie recht kehlig singt und sehr weit hinten im Hals ansetzt. So hört man viele sehr dunkel eingefärbte A- und O-Laute, was die Textverständlichkeit beeinträchtigt. Unvermeidbar bei dieser Art des Singens ist zudem die Entstehung eines ausgeprägten Vibratos; der vordere Sitz geht verloren und stimmliche Brillanz kann nur schwer entstehen. Die Begleitung von Andrea Marie Baiocchi ist vorzüglich: geschmackvoll, ganz klar und brillant im Klang sowie in den Läufen.

Auch beim zweiten Stück 'Perduta ho la pace' herrscht im Gesang vor allem eine Farbe vor. Alles wird auf recht groß gemacht, mit viel Luft dazwischen. Leider sind nicht alle Töne immer sauber gesungen, und in einer Stelle wird der Ton in die Höhe gedrängt, um ein Piano hinzubekommen. Bei der 'Romanza senza parole' und dem Walzer in F-Dur zeigt Baiocchi ihr klares und starkes Solospiel. Die feinfühlig eingesetzte Agogik sowie dynamische Differenzierung sind ein Genuss. Von den vier Bittgesängen singt Conrad das 'Pietà Signor' sehr innig; es gerät im Ausdruck stark und sehr anrührend.

Richard Wagner

Bei Wagner angelangt hört man als erstes den 'Tannenbaum', ein Vorspiel wie man es von Wagner gewohnt ist: langsames Tempo, innig, einfühlsam – und wunderschön vorgetragen am Klavier. Beim Gesang zahlt sich die Vertrautheit mit der Muttersprache aus. Alles ist viel verständlicher als bei Verdi; das liegt der Sängerin hörbar einfach besser. Deutlich wird das etwa bei 'Gretchen am Spinnrade', allerdings ist hier die Höhe wie gehabt: mit vergleichsweise viel Luft und etwas unflexibel. Auch die Klaviersolo-Stücke von Wagner sind mit viel Gefühl und Innigkeit gespielt, insbesondere die 'Ankunft bei den Schwänen' kann für sich einnehmen.

Zugabe Verdi

Ganz zum Schluss gibt es noch einen Verdi-Bonustrack am Klavier von gerade 50 Sekunden, ein Schmankerl sozusagen. Die Gegenüberstellung von Verdi und Wagner klappt auf Platte auf jeden Fall besser als sie wohl in der Realität geklappt hätte. Vor allem die Anteile der Pianistin sind lobend hervorzuheben, das ist alles sehr schön gespielt.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Verdi zu Gast bei Wagner!: Eine Wahnfried-Soirée

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Paschenrecords
1
22.10.2014
59:07
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4250976100228
PR 140022


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Verdi, Giuseppe
Wagner, Richard


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Paschenrecords

Nachdem PASCHENrecords in den vergangenen Jahren von vielen Künstlern immer wieder Anfragen bezüglich einer Vermarktung ihrer Aufnahmen bekam, entschlossen wir uns im Sommer 2011, das Unternehmen neben der reinen Musik- und Audioproduktion um eine entscheidende Sparte zu erweitern - das Label PASCHENrecords.

Das Konzept war einfach wie auch logisch - die Liebe zur Musik und die Hingabe, die bisher in jede einzelne Produktion gesteckt wurde, sollte sich nun auch in dem Programm der PASCHENrecords-CDs widerspiegeln.

Durch die Vereinigung von Produktion und Vertrieb können die Künstler während des gesamten Aufnahme-Projektes von PASCHENrecords begleitet werden. Repertoire und Aufnahmeorte werden dabei ebenso gemeinsam geplant, wie die Booklet-Gestaltung und die anschließende Vervielfältigung und Vermarktung der CDs. So können sich die Künstler intensiv der inhaltlichen Arbeit, ihrer Musik, widmen.

PASCHENrecords arbeitet mit verschiedenen Vertriebspartnern zusammen und baut das bestehende Netzwerk stetig aus. So soll das gesamte Programm des Labels weltweit, über die Online-Verfügbarkeit hinaus, einem breiten Publikum präsentiert und zugänglich gemacht werden.

Unser Anliegen ist es, Künstlern aus vielen Bereichen der Musik eine Plattform zur Präsentation ihres Schaffens zu bieten. Namhafte Künstler, ebenso wie Nachwuchsmusiker bereichern das Repertoire des Labels, das von relativ bekannten oder bisher unbekannten Werken aus zahlreichen Epochen bis hin zu zeitgenössischer Musik, Jazz und Weltmusik reicht. Auf diese Weise bemüht sich PASCHENrecords sowohl Musiker als auch Musikliebhaber ein Stück auf "audiophile" Weise im eigentlichen Sinne zu begleiten.


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