> > > Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte Nr. 21 & 23
Donnerstag, 16. September 2021

Mozart, Wolfgang Amadeus - Klavierkonzerte Nr. 21 & 23

Stilsicherheit im klassischen Sinn


Label/Verlag: ICA Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Pianistin Ingrid Jacobi zeigt in dieser Mozart-Aufnahme, dass Stiltreue und interpretatorische Eigenständigkeit sich nicht ausschließen müssen.

Mit den zwischen 1784 und 1786 entstandenen Klavierkonzerten Nr. 21 in C-Dur KV 467 und Nr. 23 KV 488 in A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart beinhaltet vorliegende Aufnahme zwei populäre Werke des Komponisten. Sei es die schwedische Verfilmung der Liebestragödie ‚Elvira Madigan‘ aus den 1960er Jahren, bei der Mozarts zweiter Satz des C-Dur-Konzertes in sentimentaler Breite das Schicksal der Liebenden untermalte ,oder das tragische 'Adagio' fis-Moll des A-Dur-Konzertes, welches der albanische Choreograf Angelin Preljocaj für seine legendäre Kuss-Szene in ‚Le parc‘ verwendete und mittlerweile aus der Ballettgeschichte nicht mehr wegzudenken ist. Die beiden Klavierkonzerte katapultierten sich augenblicklich an die Spitze der Mozart-Charts. In dieser Aufnahme gesellt sich zu den beiden abwechslungsreichen Werken zum Schluss noch das graziöse Rondo KV 386, welches mit kindlichem und nostalgischem Charakter die Platte ausklingen lässt.

In zarter Manier schleicht sich der Streicherapparat unisono in den ersten Satz des Klavierkonzertes Nr. 21 und lässt das charakteristische Staccato-Marsch-Thema in Akkordbrechungen strahlend erklingen, bevor das Klavier nach einer ausgedehnten, crescendierten Kadenz und mit anschließendem eindringlich musizierten Triller in den ersten Solopart findet. Vom solistischen Einstieg an gestaltet die Pianistin Ingrid Jacoby das durch virtuose Läufe, überraschende Modulationen und ausgedehnte Sequenzen charakterisierte musikalische Geschehen mit pianistischer Bravour. Klavier und Orchester meistern die abwechselnden, kanonischen Imitationen der beiden Themen des ersten Satzes vorzüglich. Im lyrischen zweiten Satz lässt die Pianistin die langgezogenen, melodischen Phrasen nun voller Klangintensität über dem zarten Triolen-Pizzicato der Streicher schweben. Der Satz gerät wunderbar melancholisch. Der dritte Satz, das Rondo-Finale, im Contredanse-Rhythmus schließt sich nahtlos an. Die Academy of St Martin in the Fields unter Leitung des Altmeisters Sir Neville Marriner und die Solistin schaffen es trotz der rhythmischen Tücken im scherzhaften, hüpfenden und verspielten Charakter, synchron und kraftvoll ein bis zum letzten Takt anhaltendes Bild schwungvoller Lebensenergie musikalisch heraufzubeschwören.

Ohne Pauken- und Trompetenbesetzung wirkt das 23. Klavierkonzert von Beginn an viel intimer und introvertierter als das vorangegangene. Das Orchester benetzt das sonnige Thema des ersten Satzes mit einem melancholischen Unterton, der schon vorahnend auf den klagenden 'Adagio'-Charakter des zweiten Satzes hindeutet, während die Pianistin gewissermaßen unschuldig, aber leidenschaftlich die Quintfallsequenzen und variierten Motive fein schattiert zum Klingen bringt. Das 'Adagio' in typischer Siciliano-Bewegung lädt unter der dunkel gewebten Streicherfläche fast zum Improvisieren ein. Ingrid Jacoby spielt das Thema mit großer Ruhe, die zum Innehalten auffordert, bevor zum ersten Mal das Klavier solo den dritten Satz, ebenfalls ein Rondo, beschwingt, beseelt und erleichtert einleitet.

Ebenso energisch, ein wenig majestätischer und eleganter, aber dennoch wehmütig in den fein intonierten Quintfallsequenzen Jacobys eingebettet, endet die Platte mit der Einspielung des verzierungsreichen Rondos KV 386 in A-Dur, welches wie ein Nachspiel oder ein entfernter Gedanke zu den vorangegangenen Titeln wirkt.

Im Tempo fest und stilsicher interpretiert Jacoby die Werke Mozarts auf dieser Platte, wobei besonders die klare Artikulation als die wohl hervorstechendste Stärke der Interpretation angesehen werden kann. Darüber hinaus bemüht sich die Pianistin den Spielraum verschiedenster Klangfarbenmischungen und Kolorierungen zur Unterstreichung der unterschiedlichen Motive und Themen, besonders in den schnelleren Sätzen der Klavierkonzerte, auszureizen, um den vielseitigen, kompositorisch experimentierfreudigen Werken Mozarts gerecht zu werden und der Aufnahme eine individuelle und abwechslungsreiche Note zu verleihen. Besonders lobenswert ist das Zusammenspiel zwischen Klavier und Orchester. Die Konturierung der klassisch-klaren musikalischen Struktur des Kopfsatzes der Konzerte auf dieser Platte ist letztlich dem recht straffen, sehr regelmäßigen Tempo zu verdanken. Ob im dritten schwungvollen Satz des C-Dur Klavierkonzertes oder in den leisen ruhigen Stellen der 'Adagio-Sätze - der Orchesterapparat weiß die Pianistin bereits variierte Motive des Klavierparts nahtlos zu imitieren, die Kadenzen perfekt in neue Tonarten zu führen und die intimen Gesangslinien des Klaviers klangsensibel zu gestalten.

Das beigefügte Booklet enthält kurz und knapp alle notwendigen Informationen hinsichtlich des historischen Kontextes sowie Hinweise zum musikalischen Verlauf der einzelnen Sätze. Ein Künstlerportrait der Pianistin Ingrid Jacoby sucht man leider vergeblich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Nicole Overmann Kritik von Nicole Overmann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mozart, Wolfgang Amadeus: Klavierkonzerte Nr. 21 & 23

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ICA Classics
1
13.04.2015
Medium:
EAN:

CD
5060244551350


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ICA Classics

Mit ICA (International Classical Artists) entstand im Jahr 2011 das erste DVD- und CD-Label einer Künstleragentur. ICA bietet in seinem Katalog unter dem Label Legacy sowohl wertvolles Archivmaterial, das aus Quellen der BBC, des WDR Köln oder des Boston Symphony Orchestra stammt, als auch die in renommierten Konzertsälen entstandenen Aufnahmen der hauseigenen Künstler, die unter dem Label Live präsentiert werden. Die meisten der ICA-Titel erscheinen erstmals auf DVD oder CD. Alle historischen Aufnahmen sind nach dem neuesten Stand der Technik liebevoll und fachmännisch restauriert worden.

Für diese einmaligen Aufnahmen wurde das Label ICA bereits mit bedeutenden Preisen - wie dem Toblacher Komponierhäuschen, dem Internationalen Mahler Preis und mehreren Diapasons d'Or geehrt. Zu den besonders erfolgreichen Titeln gehören die 1986 entstandene Aufnahme von Mahlers Dritter mit Klaus Tennstedt und dem London Philharmonic Orchestra sowie die DVD mit dem Royal Philharmonic Orchestra und dem BBC Symphony Orchestra unter Rudolf Kempe mit Musik von Dvorak und Richard Strauss.

Das Team von ICA, dem auch die in der Musikindustrie erfahrenen Experten Stephen Wright und John Pattrick angehören, war in den vergangen Jahren am Erfolg von zahlreichen CD- und DVD-Produktionen beteiligt. Dazu gehören beispielsweise The Art of Conducting, The Art of Piano, The Art of Violin sowie die DVD-Serie Classic Archive. Darüber hinaus entstanden in Koproduktion Dokumentationen über Richter, Fricsay, Mravinsky und Toscanini. Das bereits 1998 gegründete BBC Legends Archiv-Label umfasst mittlerweile mehr als 250 CDs. Für EMI Classics entstand die CD-Serie Great Conductors of the 20th Century.


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