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Donnerstag, 28. Januar 2021

Dvorak, Anton - Symphonie Nr. 9

Urbanität


Label/Verlag: Tudor
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dvořák stammt vom Lande. Seine Musik ist urban.

Robin Ticciati hat häufig mit den Bamberger Symphonikern zusammengearbeitet und allerlei Preise eingeheimst. Für Tudor hat man im Joseph-Keilberth-Saal, Bamberg, Dvořáks Neunte Sinfonie e-Moll ('Aus der neuen Welt'), den Prüfstein tschechophilen Musizierens, und dessen 'Amerikanische Suite' A-Dur op. 98b aufgenommen. Das Ergebnis ist bemerkenswert.

Ticciati schärft artikulatorische Kontraste. Stricharten werden genau unterschieden, Portamenti mit Dezenz und Wonne ausgeführt. Verzögerungskunst an der Wahrnehmungsschwelle beglaubigt eine seltene Verbindung: Ausdrucksfähigkeit und Diskretion. Noch im Scherzo herrscht noble Verhaltenheit. Das dynamische und agogische Spektrum ist weit: Dieser Dirigent kann Partituren lesen. Die Möglichkeiten einzelner Instrumente scheint Robin Ticciati, Geiger im Erstberuf, aufs Genaueste studiert zu haben. Die Bamberger Symphoniker sind fähig und willens, seinen Vorgaben zu folgen. Das technische Niveau lässt keine Wünsche offen. Hier musizieren Profis mit der Spontaneität eines Laienensembles. Solistische Beiträge werden sorgfältig ausformuliert. Nichts wird mit breitem Pinsel hingeschmiert. Das Tutti hat Rundung und fettarme Fülle – wie meist bei diesem Dirigenten. Die Darstellungen Celibidaches und Talichs sind nicht widerlegt, Ticciati kommt ihnen nahe.

Die klangliche Balance ist gewahrt, wenngleich der Joseph-Keilberth-Saal, ein Abklatsch des Gasteigs, Auge und Ohr nicht zu bezirzen vermag. Jens Schünemann, Reinhold Forster und Thomas Hirschberg verantworten das unauffällig kompetente Tondesign. Die Bläser, wesentlich für Dvořák, behaupten sich gegen das Tutti der Streicher. Dieses scheint gebändigt, mancher Kritiker im Blutrausch fand es ‚anämisch‘.

Dass Bambergs Symphoniker ‚anders können’, weiß man seit langem. In der 'Amerikanischen Suite' lässt sie Ticciati bisweilen gewähren. Die Streicher tönen schwelgerisch, man trägt pastose Farben auf. Exotische Episoden werden genießerisch ausgemalt. Im Prager Rudolfinum klänge es kaum anders – nur dass der Saal mehr Wucht und Strahlkraft bereitstellte.

Die 'Amerikanische Suite' ist nicht zu verachten. Mag sie einfach gestrickt sein, ihre melodische Prägnanz und süffige Klanglichkeit ist außergewöhnlich. Marcus Imbsweilers gehaltvoller Essay zitiert Dvořáks eigene Worte: ‚Ich glaube, dass ich in dieser Suite […] das Beste geschrieben [sic], was ich bis jetzt auf diesem Gebiete geleistet habe.‘

Dies ist eine der feinsinnigsten neueren Dvořák-Platten. Die Reihe der Bamberger Einspielungen Robin Ticciatis wird hoffentlich fortgesetzt werden, gern im 19. Jahrhundert und unter Tudors Auspizien.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Anton: Symphonie Nr. 9

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tudor
1
12.01.2015
Medium:
EAN:

SACD
812973011941


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