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Dienstag, 14. Juli 2020

Brahms, Johannes - Streichquartette

Runde Sache


Label/Verlag: Thorofon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Gesamteinspielung der Streichquartette von Johannes Brahms des Philharmonia Quartett Berlin überzeugt auf ganzer Linie.

Als Johannes Brahms die beiden Streichquartette op. 51 komponierte, war er 40 Jahre alt. Und auch 1875, bei der Arbeit an seinem Streichquartett op. 67, war er noch weit von dem verwitterten, zerfurchten Baumbart entfernt, der uns mit poetischer Melancholie vom Cover der vorliegenden Neueinspielung entgegenblickt. Gleichwohl scheint das verklärte Konterfei gut gewählt, denn es verrät eine Vorausahnung auf die Auffassung und den Umgang des Philharmonia Quartett Berlin mit der folgenden Musik – sie kreisen um jenen herbstlichen Kern, der schon in den Kreationen des jungen Mannes schlummert. Die vorliegende Darstellung der drei Quartette bringt indes eine sehr schöne Überblendung zustande: Die zupackende, kraftvolle Linienführung und eine gewisse Kantigkeit der Textur deuten auf den wohl rauen Kern in der rauen Schale hin. Doch immer weiß das Ensemble die Flexibilität der Phrasierung und Dynamik zu variieren, so dass die Musik nie in Starrheit verfällt.

In den über fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens hat sich das Philharmonia Quartett Berlin als ein Maßstäbe setzendes und hochangesehenes Kammermusik-Ensemble etabliert. Seine außergewöhnliche Kultur des Zusammenspiels und der klanglichen Homogenität stellt das Quartett auch auf dieser Aufnahme unter Beweis. Erschienen ist die Gesamteinspielung der Brahms-Streichquartette, der beiden Streichquartette op. 51 Nr. 1 c-Moll und Nr. 2 a-Moll sowie des Streichquartetts B-Dur op. 67 auf einer Doppel-CD bei Thorofon.

Die vier Musiker Daniel Stabrawa, Christian Stadelmann (Violine), Neithard Resa (Viola) und Dietmar Schwalke (Cello) sind alle Mitglieder der Berliner Philharmoniker und sind somit auch bestens mit Brahms‘ Orchesterwerken bekannt. Und das hört man. Besonders da die beiden Streichquartette op. 51 in chronologischer wie auch gestischer Nachbarschaft zur Ersten Sinfonie stehen. So liegt es nahe, den Interpretenfinger auf  kontrapunktische Elemente zu legen und symphonische Dimensionen in diesen Streichquartetten aufscheinen zu lassen.

Schon im Kopfsatzthema des Streichquartetts c-Moll op. 51 Nr. 1 zeigt sich exemplarisch, wie geschickt das Ensemble mit dem Spiel zwischen Spannung und Entspannung umzugehen weiß. Dagegen wird die 'Romanze. Poco Adagio' von den Berlinern mit inniger Sanglichkeit erfüllt. Gleiches gilt für den langsamen Satz des a-Moll-Quartetts, in dem sich der Gesang sowohl ins Lyrische wendet als auch in zupackender, ja fast ausbrechender Manier in Erscheinung tritt.

Faszinierende Momente finden sich dort, wo der Komponist rhythmische oder metrische Schichten aufeinander prallen lässt: Die Überlagerung von Pulsen mit ihren ständigen Verschiebungen sind großartig herausgearbeitet, so etwa in einigen Passagen des Kopfsatzes aus dem Streichquartett a-Moll op. 51 Nr. 2. Dass Brahms hier an manchen Stellen fast heiter wirkt, macht die Aufnahme noch spannender.

Den vier Musikern ist ein genaues, intensives Zusammenspiel zu attestieren, das selbst in den verwinkelten Labyrinthen von Brahms Formbauten nie auch nur ansatzweise außer Kontrolle gerät. Hinzu kommt die überzeugende Balance: Das Klangbild ist transparent genug, um die einzelnen Stimmen, aber auch die Homogenität ihres Zusammenklingens wiederzugeben und auszuleuchten. Klangfarblich überlegt und eingebettet in ein übergreifendes darstellerisches Gesamtkonzept, werden die musikalischen Übergänge von Licht und Schatten mit stilistischer Souveränität gemeistert. Ein abschließendes Lob an die Klangtechnik: Der leichte, natürlich wirkende Hall erzeugt eine angenehme, behagliche Rundung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brahms, Johannes: Streichquartette

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Thorofon
2
13.04.2015
Medium:
EAN:

CD
4003913126238


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Thorofon

In der nunmehr über 40jährigen Tradition von THOROFON wurde ein respektabler, vielfach preisgekrönter Katalog aufgebaut. Eine Schatztruhe für besondere musikalische Raritäten, die die Lücken in der Überlieferung der musikalischen Tradition ein bisschen verkleinern, und außerdem jungen, talentierten Interpreten eine Chance geben. Zu unseren Schätzen gehören ebenfalls Gesamteinspielungen von Ludwig van Beethovens Klaviersonaten, sämtliche Werke für Klavier solo von Johannes Brahms, Gesamtausgabe der Kammermusik von Josef Rheinberger, das Gesamtwerk von Louis Ferdinand Prinz von Preussen, das komplette Klavierwerk von Robert Schumann, eine Gesamteinspielung der Max Reger Kompositionen auf 13 CD, die das abwechslungsreiche Repertoire von THOROFON abrunden.

Auszeichnungen wie der ECHO KLASSIK (17 mal!) oder der Preis der Deutschen Schallplattenkritik versinnbildlichen den Anspruch des Labels und unterstreichen die Qualität der Produkte.

THOROFON ist ein Label der BELLA M USICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER.


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