> > > Gounod, Charles: Symphonien Nr. 1 & 2
Freitag, 14. Dezember 2018

Gounod, Charles - Symphonien Nr. 1 & 2

Sprühender Charme


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Netherlands Chamber Orchestra belebt die Sinfonien von Charles Gounod mit prickelnder Frische und einem kammermusikalisch feingliedrigen Ansatz.

In der französischen Musikkultur des 19. Jahrhunderts hatte sinfonische Musik einen schweren Stand. Auch wenn mit der 'Symphonie fantastique' von Hector Berlioz ein Zentralwerk romantischer Sinfonik geschaffen wurde, führten Orchesterwerke in der Folgezeit ein Schattendasein – zumindest solche französischer Komponisten. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand die Oper und auf rein orchestralem Gebiet galten die Sinfonien der deutsch-österreichischen Tradition, jene Beethovens zumal, als beispielhaft. Da nimmt es nicht wunder, dass ein Komponist wie Charles Gounod, der sich zuerst auf dem Gebiet der Kirchenmusik einen Namen machte und dann vor allem mit Opern und Schauspielmusik in Erscheinung trat, erstens nur eine geringe Anzahl an sinfonischen Werken schuf – zwei an der Zahl, eine dritte Sinfonie blieb unvollendet. Zweitens trat er mit diesen Werken in die Fußstapfen klassischer Vorbilder und führte deutsch-österreichische Traditionslinien fort, freilich mit einer guten Portion eigenständiger Färbung, gespeist aus der kompositorischen Erfahrung, die er bis zur Mitte der 1850er Jahre gewonnen hatte.

Formal findet Gounod auf der Grundlage der klassischen Viersätzigkeit und der typischen Satzcharaktere zu interessanten Lösungen, etwa im 'Scherzo: Non troppo presto', dessen etwas altertümliche Menuetthaftigkeit im kenntnisreichen Beiheft zu Recht hervorgehoben wird; im Trio begegnet ein reizender, weich-melancholischer Tonfall und für das Finale mit seiner streckenweise streng daherkommenden Kontrapunktik fährt Gounod sogar eine eigene Einleitung auf. Noch individueller in formalem Zuschnitt, Gestus und instrumentaler Färbung erscheint die im selben Jahr entstandene Es-Dur-Sinfonie. Die agile, melodisch frische Kopfsatz-Exposition, in der mit dem Dreiermetrum gespielt wird, wirkt thematisch geschlossen, zu Beginn der Durchführung greift Gounod auf seine Erfahrung als Opernkomponist zurück und erschafft mit minimalen Mitteln eine eindrucksvolle Stimmungsszene, während im schnellen Mittelsatz bohrende Unheimlichkeit der Streicherlinie und quicklebendiges Holzbläsergeschnatter in kurzen Sequenzen kontrastiert werden.

Eingespielt wurden die beiden Sinfonien Nr. 1 D-Dur und Nr. 2 Es-Dur nicht sehr oft. Da ist eine Neuproduktion aus dem Hause Tacet umso willkommener, zumal man erwarten darf, dass bei diesem audiophilen Label der klangliche Reiz von Gounods Orchestrierung zu voller Blüte gelangt. Die Erwartungen werden erfüllt – wenn auch auf andere Weise als erwartet. Denn mit dem Netherlands Chamber Orchestra, geleitet von seinem Konzertmeister Gordan Nikolić, ist ein Klangkörper am Start, dem es vor allem auf eine durchsichtige, filigrane Herausarbeitung der einzelnen Farben ankommt. So könnte man sich den Streicherklang im 'Allegro molto' der D-Dur-Sinfonie durchaus ein wenig vollmundiger, süffiger vorstellen. Die Kehrseite wäre aber wohl ein stärkeres Verschmelzen der Klanggruppen, und dass gerade das nicht im Fokus der Interpreten steht, macht sich im Laufe der Einspielung unbedingt positiv bemerkbar. So gehört die farbige Eigenständigkeit der brillanten Holzbläser im Kontrast zu den sehnigen, straff agierenden Streichern und der angenehm schlanken Körnigkeit der Hörner zu den hervorragenden Qualitäten dieser Einspielung. Die Gruppen interagieren äußerst wach. Auch das Zusammenspiel ist vor dem Hintergrund, dass das Orchester vom Konzertmeisterpult aus geleitet wird, erstaunlich gut, zumal im Konzertmitschnitt der Ersten Sinfonie. Freilich, manches könnte noch präziser sein, doch tritt das zugunsten anderer Qualitäten der Einspielung in den Hintergrund.

Bestens ergänzt wird die klangfarbliche Plastizität in dieser Deutung durch eine rhythmische Frische, die der Darstellung eine mitreißende Lebendigkeit verleiht. Besonders hervorzuheben ist diesbezüglich auch die Wendigkeit der tiefen Streicherstimmen. Nikolić trägt die Musik stets vorwärts und sorgt für Konturenschärfe, selbst in den fein ausgesponnenen langsamen Sätzen. Diese Detailgenauigkeit erweist sich als äußerst positiv und lässt die attraktiven Seiten dieser Werke in bestem Licht erscheinen. Zum rundum überzeugenden Gesamteindruck trägt neben dem vortrefflichen Beiheft eine die Klangfarben präzise abbildende Klangtechnik bei; dass die beiden Sinfonien an unterschiedlichen Orten aufgenommen wurden, erweist sich nicht als Nachteil.


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    Gounod, Charles: Symphonien Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
25.03.2015
EAN:

4009850021407


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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